Bauchchirurgie bleibt in Ilmenau - Die Geschäftsführung der Ilm-Kreis-Kliniken versichert: Es besteht kein Grund zur Sorge

In der Chirurgie der Ilm-Kreis-Kliniken am Standort Ilmenau kennt jeder seine Aufgaben: Bauchspezialist Jan Hübel (von links), die Schwestern Katja Bust und Anja Arsel sowie Geschäftsführerin Marina Heinz.
Arnstadt: ... | Mitarbeiter und Patienten der Ilm-Kreis-Kliniken am Standort Ilmenau sind
beunruhigt. Aus der Presse erfuhren sie, dass Abteilungen wie die Bauch(Viszeral)chirurgie geschlossen werden sollen. Für Wirbel hatte eine Äußerung des Bundestagsabgeordneten Tankred Schipanski (CDU) gesorgt. Jüngstes Ärgernis ist eine Unterschriftenaktion, die gegen das Krankenhaus mobil
macht. „Alles Unsinn!“, betont dessen Geschäftsführerin Marina Heinz. Mit
ihr und dem neuen Facharzt für Bauchchirurgie, Jan Hübel, traf sich AA-Redakteurin Jana Scheiding zum Gespräch.

Frau Heinz, kursieren böse Gerüchte über die Ilm-Kreis-Kliniken oder planen Sie tatsächlich, wichtige Abteilungen wie die Bauchchirurgie zu schließen?
Ich kann nicht nachvollziehen, wie die CDU darauf kommt, dass die medizinische
Versorgung der Region gefährdet sei. Natürlich wird keine Klinik oder Abteilung
geschlossen! Wir haben Herrn Schipanski eingeladen, unser Krankenhaus kennenzulernen und freuen uns, dass er diese Einladung annimmt.

Vor Jahren wurden Gynäkologie und Geburtshilfe nach Arnstadt ausgegliedert...
Das war eine ganz andere Situation. Zuletzt hatten wir hier circa 270 Geburten im Jahr – nicht mal eine am Tag. Mit etwa 700 Geburten in Arnstadt können wir die medizinische Qualität bieten, die für Geburtshilfe zwingend vorgeschrieben ist.

Arnstadt ist auf Bauch-, Ilmenau eher auf Unfallchirurgie spezialisiert. Läge es
da nicht nahe, die Viszerale an einem Standort zu konzentrieren?
Mit solch einer wichtigen Klinik können wir das gar nicht tun. Die Ilm-Kreis-Kliniken haben einen medizinischen Versorgungsauftrag für die Region. Dafür werden sie vom Freistaat gefördert und wurden sogar baulich erweitert. Laut 6. Thüringer Krankenhausplan müssen wir in Arnstadt und Ilmenau das
Fachgebiet Chirurgie vorhalten, zu dem die Grundversorgung in Allgemein-, Viszeral-und Unfallchirurgie gehört. Von den etwa 1900 stationären chirurgischen Patienten in Ilmenau im Jahr 2011 wurden circa 900 bauchchirurgisch versorgt. Das kann ein Standort allein gar nicht bewältigen.

Der Chefarzt der Chirurgie, Dr. Gold, geht in den Ruhestand. Gibt es schon einen Nachfolger?
Wir führen Gespräche mit ernstzunehmenden Bewerbern mit Schwerpunkt unfallchirurgische Leistungen, die Verantwortung für diesen großen Bereich übernehmen und die Arbeit von Dr. Gold fortführen könnten. Was die Bauchchirurgie betrifft, sind wir froh, dass Jan Hübel zu uns zurückkehrte, der in Kürze über die Subspezialisierung auf diesem Gebiet verfügen wird.

Herr Hübel, Sie waren zuletzt in Erfurt tätig. Warum der Wechsel in eine kleinere
Klinik?
Gerade deshalb habe ich mich bewusst für dieses Krankenhaus entschieden. Ich war vor meiner Spezialisierung schon hier beschäftigt und weiß, dass es sich an einer kleinen Klinik besser arbeiten lässt. Hier sehe ich meine berufliche Perspektive.

Frau Heinz, einen kleinen wunden Punkt gibt es dennoch. Die Entlassung des
Arztes, der die ambulanten Rheumapatienten versorgte, führte zu Engpässen.
Das bedauern wir sehr und wollen auch eine Lösung finden. Verwaltungsrechtlich gibt es hier aber ganz klare Regelungen: Den Versorgungsauftrag für stationäre Patienten hat der Landkreis, den für ambulante die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Klinikärzte können ambulante
Zusatzaufgaben in Nebentätigkeit übernehmen, wenn kein Arzt dieser Fachrichtung niedergelassen ist und die KV zugestimmt hat. Hier sehe ich die KV in der Pflicht.

HINTERGRUND
Zum Fachgebiet Bauchchirurgie gehören unter anderem die Behandlung von Magenkrebs, Gallenblasenentfernung, Darmtumoren, Leisten- und Narbenbrüche. Die Kreiskrankenhäuser Arnstadt und Ilmenau fusionierten 2005
zu den Ilm-Kreis-Kliniken. Beschäftigt sind etwa 770 Mitarbeiter, davon circa 300 in Ilmenau. 2011 wurden insgesamt 20 900 Patienten stationär, 30 000 ambulant versorgt.

• Allgemeiner Anzeiger bat Tankred Schipanski um Stellungnahme.
„Der CDU-Stadtverband hat mit seiner Unterschriftenaktion zum Erhalt der Klinik
Ilmenau als regionales Versorgungskrankenhaus nicht den Standort in Frage
gestellt, wohl aber die Maßnahmen der Klinikleitung mit Blick auf eine Regel- und Basisversorgung der Ilmenauer Bevölkerung. Die Klinikleitung hat in ihren
Veröffentlichungen leider nicht dargelegt, wie sie die Bereiche Gynäkologie,
Rheumatologie und Bauchchirugie zu erhalten gedenkt. Eine Weiterentwicklung des Krankenhauses durch die angeführte Behandlung von Suchtpatienten hat nichts mit der von der Bevölkerung benötigen medizinischen Basisversorgung zu tun. Das Klinikum hat mir als Bundestagsabgeordneten nun ein Gespräch angeboten, welches ich gerne führen werde. Ich hoffe, dass sie uns konkrete Maßnahmen zur Sicherung der Regel- und Basisversorgung im Ilmenauer Klinikum vorstellen wird".
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.05.2012 | 03:51  
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