Die Sache mit dem Maßkrug - Während der neue Kraftstoff E 10 so gut wie überall getankt werden kann, ist Super mancherorts ausverkauft

Von Pferdestärke zu Pferdestärke: Bin mal gespannt, wann sie wieder auf uns kommen.
Es gab Zeiten, da waren wackere DDR-Bürger Schlangestehen gewöhnt. Sie taten es vor Reformhäusern (wenn es Vollkornbrot gab) und wenn Bananen angeboten wurden, investierten sie zwei bis drei Stunden ihrer Freizeit vor und in Gemüsegeschäften. Die Situation an der SB-Tankstelle in der Ichtershäuser Straße erinnerte in den letzten Wochen fast täglich an die Zeiten der Mangelwirtschaft. Vor den Zapfsäulen bildeten sich Schlangen, die ganz nebenbei den Verkehr gefährdeten.

Gestern Vormittag hatte der Ansturm erst einmal ein Ende: "Super an allen Zapfsäulen ausverkauft" war auf einem Aufsteller zu lesen. Ein Trick, das ungeliebte E 10 an den Autofahrer zu bringen? Dazu Dr. Karin Retzlaff, Pressesprecherin des Verbandes der deutschen Mineralölwirtschaft: "Klares nein. Aber mit E 10 hat es schon zu tun. Alle Beteiligten dachten, E 10 sei der neue große Kraftstoff. Die Tankstellen befüllten die großen Tanks damit. Super landete in den kleinen. Sie können das mit einem Maßkrug und Schnapsgläsern vergleichen. Die Verbraucher machten aber einen Strich durch diese Rechnung, kaufen E 10 nicht ab. Die Schnapsgläser sind also ständig leer, der Maßkrug bleibt gefüllt. Außerdem durften vier Tage lang keine Tanklastzüge fahren, um Mineralöl nachzuliefern." Überhaupt stehe man mit E 10 vor einem großen Problem: "Ab 1. Mai muss im Maßkrug Sommerqualität herrschen, der Kraftstoff eine optimale Zusammensetzung haben, damit das Auto sofort anspringt. Er darf zum Beispiel keine Blasen bilden", erklärt Karin Retzlaff. "Das bedeutet, dass der Maßkrug geleert werden muss, bevor der Sommerkraftstoff eingefüllt wird". Vermutlich werden die Tankstellen diese Situation über die Preise händeln (müssen). Besieht man sich die Entwicklung der Spritpreise, so fällt allerdings auf, dass sich diese im Zeitraum 2000 bis 2010 zwar ständig erhöhten, die Steuern aber abnahmen. So lag der Preis pro Liter für Super zur Jahrtausendwende bei 1,02 € (staatliche Abgabe 0,71 €), für Dieselkraftstoff bei 0,80 € (Abgabe 0,62 €). 2010 bezahlten Autofahrer durchschnittlich 1,41 € für Super und 1,22 € für Diesel. Die Abgaben betrugen 0,63 beziehungsweise 0,55 €.

Wie die Preise sich auch entwickeln mögen, es gibt Möglichkeiten, Kraftstoff zu sparen. Die Gesellschaft für Technische Überwachung empfiehlt, den Reifendruck alle vier Wochen zu kontrollieren. Laut ADAC wirke es sich günstig aus, niedertourig zu fahren, zügig in den zweiten Ganz zu schalten, Leichtlauföle zu verwenden und Dachgepäckträger bei Nichtgebrauch abzumontieren. Übrigens: Klimaanlagen stehen in dem Ruf, den Kraftstoffverbrauch um 10 bis 30 Prozent zu erhöhen. Da wird einem doch von ganz allein kalt.
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