EU will eine Linie fahren: 19. Januar 2013 ist Stichtag für Inkrafttreten neuer Führerschein-Verordnung

Bis 18. Januar gelten die alten Verordnungen, wie Michael Geishendorf aus Ilmenau hier demonstriert.
Ab 19. Januar 2013 tritt laut TÜV Rheinland die dritte EU-Führerscheinrichtlinie in Kraft. Das bedeutet: Alle Führerscheine, die die Behörden ab diesem Datum erteilen oder verlängern, sind unabhängig von der zugrunde liegenden Fahrerlaubnis automatisch auf fünfzehn Jahre befristet. Alle vor dem 19. 1. 2013 ausgehändigten Führerscheine bleiben bis 18. 1. 2033 gültig und müssen erst dann getauscht werden.
AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit Fahrschulinhaber und Fahrlehrer Michael Geishendorf aus Ilmenau über Aus- und Rückblicke von Führerschein-Neuregelungen.

Herr Geishendorf, wer ist von der dritten Führerscheinrichtlinie betroffen?
In der EU existieren derzeit etwa zehn unterschiedliche Vordrucke. Das will man vereinheitlichen. Bis 19. Januar 2013 haben die Länder Zeit, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Sie besagt, dass die ab diesem Zeitpunkt ausgestellten Führerscheine der Klassen AM, A1, A2, A und B auf fünfzehn Jahre befristet sind.

Irgendwann wird also kein 92-Jähriger mehr Geisterfahrten auf der Autobahn veranstalten?
Das wäre wünschenswert. Bislang haben die Behörden keine Handhabe und können erst reagieren, wenn etwas passiert ist. Allerdings ist es zunächst so geregelt, dass nach den fünfzehn Jahren Name und Lichtbild aktualisiert werden. Von zusätzlichen ärztlichen Untersuchungen oder Prüfungen ist noch nichts bekannt. Die sind weiterhin nur für bestimmte Berufsgruppen vorgesehen.

Wie stehen Sie zu Tauglichkeitsuntersuchungen ab einem bestimmten Alter?
Ich plädiere dafür.

Die Befristung trifft jetzige Führerscheininhaber also nicht?
Nein, wer sich bis 19. Januar bei einer Fahrschule anmeldet, hat Bestandsschutz. Das gilt natürlich auch für jene, die ihren Führerschein schon seit Jahrzehnten haben. Umgetauscht werden müssen die Papiere erst 2033. Inhabern der DDR-Fahrerlaubnis empfehle ich aber, den Umtausch so schnell wie möglich vorzunehmen. Im Ausland ist es diesbezüglich schon zu Missverständnissen gekommen.

Was ändert sich noch per 19. Januar?
Zum Beispiel der stufenweise Zugang zu den A-Klassen. Das heißt, wer die Klassen A2 und A stufenweise erwirbt, wird aufgrund seiner Fahrpraxis besser gestellt. Interessant wird es bei der Ausbildung in der Klasse BE. Hier ist es möglich, die Klasse B mit der Schlüsselzahl 96 auf Kombinationen mit einer zulässigen Gesamtmasse von maximal 4250 kg zu erweitern. Das ist erforderlich, wenn die zulässige Gesamtmasse des Anhängers 750 kg übersteigt.

Welche Informationsquellen können Sie Kraftfahrern empfehlen?
Entsprechende Flyer sind gratis unter anderem in Fahrschulen und Führerscheinstellen erhältlich.

Zum Schluss ein kurzer Blick zurück. Hat sich das einst umstrittene Projekt "Führerschein ab 17" bewährt?
Offensichtlich hat es das, denn die Unfallzahlen sind zurückgegangen. Experten führen diese Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass sich durch Fahren mit Begleitung ein verantwortungsvolles Fahrbewusstsein entwickelt. Allerdings appelliere ich an die Begleiter, nicht in das aktuelle Fahrgeschehen einzugreifen, sondern die Fehler hinterher zu besprechen.
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5 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 08.12.2012 | 00:53  
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Uwe Nieke aus Gotha | 19.12.2012 | 20:16  
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Renate Jung aus Erfurt | 19.12.2012 | 23:52  
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Uwe Nieke aus Gotha | 20.12.2012 | 18:47  
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Renate Jung aus Erfurt | 24.12.2012 | 22:17  
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