Lernen in Teilzeit: Fachhochschulabschluss neben der Arbeit gibt es nur in Arnstadt

Schulleiterin Ines Eckardt
Arnstadt. Dem Gebäude der Staatlichen berufsbildenden Schule in Arnstadt ist nicht anzusehen, dass es 1977 in der Karl-Liebknecht-Straße das Licht der Welt erblickte. Nicht einmal auf den zweiten Blick - 1997 bis 2002 hat der Landkreis als Schulträger die Einrichtung grundhaft sanieren lassen. Wer heute Schulleiterin Ines Eckardt durch das Schulhaus begleitet, schreitet durch großzügige Gänge, lichtdurchflutete Ausstellungsräume mit erstaunlichen Schülerarbeiten und Klassenzimmer mit betörendem Ausblick. Michael Sorge und Stefan Todorov - sie unterrichten Graveure und Goldschmiede aus ganz Deutschland - möchten ihren Arbeitsplatz mit Blick über Arnstadt mit niemandem tauschen. Schon gar nicht mit ihrer Chefin, deren Fenster zum Schulhof liegt, der aber tipptopp gepflegt ist. Weggeworfene Taschentücher oder Zigarettenkippen sucht man dort vergebens.

“In unserer Klasse lernen Sachsen, Berliner und viele Schüler aus den westlichen Bundesländern“, erzählt Sorge ein wenig stolz. Er steht ein Jahr vor der Pension und will an sein Ausscheiden aus dem Schuldienst möglichst nicht erinnert werden. Viele seiner Schüler sind heute gestandene Handwerker, Meister oder Ingenieure.

In der Arnstädter Berufsschule wird offensichtlich gern gelehrt und gelernt. Und dennoch gab es vor einigen Jahren Grund zur Sorge: „Etliche Schüler brachen ihre Ausbildung ab, weil sie sich den Unterricht in Vollzeit einfach nicht leisten konnten“, erinnert sich Ines Eckardt. Hinzu kam, dass sich der Lehrstellenmarkt seitdem deutlich entspannte und viele Schulabgänger sofort eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz bekommen. Einige der „Abbrecher“ bedauerten damals, dass man die Ausbildung nicht neben der Arbeit absolvieren durfte. Diesen Gedanken griff Eckardt auf und diskutierte ihn im Lehrerkollegium. 2012 kam es zum erforderlichen Kreistagsbeschluss - Schulversuche müssen vom Schulträger genehmigt und getragen werden. Es folgte der Instanzenweg durch Verwaltung und Ministerium, das den thüringenweit bislang einzigartigen Versuch „FOS - Fachoberschule in Teilzeit“ mit einer Laufzeit von zunächst zwei Jahren genehmigte.

“Mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September findet an zwei Abenden in der Woche und samstags hier Teilzeitunterricht statt“, kündigt die Schulleiterin an. Etwa 90 Plätze stehen zur Verfügung, auf die sich junge Menschen bewerben können. Wohnheimplätze sind vorhanden, so dass das Angebot auch für Schüler aus Thüringer Randgebieten interessant sein könnte.

Die Fachoberschule in Teilzeit ist eine staatliche Einrichtung, die kein Schulgeld verlangt. “Wer die Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und dem Schwerpunktfach besteht, erlangt die Allgemeine Fachhochschulreife, die zum Studium aller Studiengänge an Fachhochschulen in Deutschland berechtigt“, erklärt Ines Eckardt und fügt hinzu: „Sie ist sogar Übergangsmöglichkeit an eine Universität.“

Hintergrund:

In der Staatlichen berufsbildenden Schule Arnstadt existieren verschiedene Schulformen: Schüler mit Zehnte-Klasse-Abschluss lernen zwei Jahre in Vollzeit. Schüler mit Berufsabschluss lernen ein Jahr in Vollzeit. Auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) kann man hier ableisten. Ab Herbst besteht die Möglichkeit, in Teilzeit (18 Wochenstunden) die Allgemeine Fachhochschulreife zu erlangen. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2014.
Voraussetzungen: 1. Realschul- oder gleichwertiger Abschluss, 2. abgeschlossene Berufsausbildung oder Laufbahnprüfung im öffentlichen Dienst, 3. sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. An der Schule unterrichten 42 Lehrer inklusive Schulleiterin. Branchen: Metalltechnik und Informationstechnik, Ernährung/Hauswirtschaft, Gestaltung (Frisöre, Schneider, Goldschmiede/Graveure).

Information:
www.sbbs-arnstadt.de Kontakt: 03628/56280, E-Mail: sekretariat@sbbs-arnstadt.de
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.03.2014 | 20:07  
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