Separiert oder integriert? - PRO und CONTRA Integrative Bildung und Erziehung

Gefördert werden sollen und müssen Kinder mit Handicap, aber wo – darüber ist man sich nicht einig. (Foto: Imago)
 
(Foto: Imago)
von Joachim Kreckow

In den letzten Jahren gab es gerade in Arnstadt einen exorbitanten Anstieg der Förderschüler um rund ein Drittel. Gemeint sind verhaltensauffällige oder beschränkt sprachfähige Kinder. Nach Ansicht der SPD-Landtagsabgeordneten Eleonore Mühlbauer sollen diese Kinder entweder "separiert" oder "integriert" werden. Letzteres in Klassen mit nichtbehinderten Schülern. Darüber gibt es durchaus diffizile Meinungen.

"Integrative Erziehung und Bildung steigern die Motivation, soziale Kontakte entstehen", sagt Mühlbauer. Zum Thema strahlte die ARD am 7. April einen Beitrag aus, in dem es unter anderem hieß: "Die Deutschen sortieren gern und gründlich - besonders im Schulsystem.Für Kinder mit Behinderungen leisten leisten wir uns rund zehn verschiedene Typen von Förderschulen. Diese Kinder werden von Anfang an von den anderen getrennt. Seit zwei Jahren soll das eigentlich nicht mehr so sein. Denn Deutschland hat eine UNKonvention unterschrieben, in der steht: ‚Schüler mit Behinderungen haben das Recht auf integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen"‘.

Dass gemeinsamer Unterricht ein Erfolgsmodell ist, weiß man in der Geschwister- Prenski-Schule in Lübeck. Kinder mit und ohne Behinderungen lernen zusammen in einer Klasse, man hilft sich gegenseitig...

Brunhilde Stutzig, Schulleiterin des Regionalen Förderzentrums "Willibald Alexis" in Arnstadt spricht sich mit ihrem Kollegium für den Erhalt ihrer Einrichtung aus, wie in einem offenen Brief mitgeteilt wurde. Als Gründe führt die Schulleiterin unter anderem die räumliche Nähe zu Eltern und Schülern an. "Wir schätzen die kurzen Wege zu den Kooperationspartnern im Ilm-Kreis, zu den Schulen im nördlichen Ilm-Kreis, den vier Kinderheimen und Trägern der Jugendhilfe", erklärt Stutzig. Zudem spreche die engmaschige Begleitung des Reintegrationsprozesses von Schülern und der Ausbau des sonderpädagogischen Kompetenz- und Beratungszentrums dafür.

Herbe Kritik an Kultusminister Matschie - unter anderem gegen die neue Schulordnung und die Schließung der Förderschulen - üben Kollegium und Elternvertretung der hiesigen Grundschule "Harald Bielfeld".

Winfried Neumann, diplomierter Sonderpädagoge, hat nach der Wende als CDU-Mitglied des Thüringer Landtages das Thüringer Förderschulgesetz auf den Weg gebracht. Gut weg kommt Matschie auch bei ihm nicht. "Der Minister für Bildung hat den zweiten Schritt vor dem ersten getan, indem er die Schließung notwendiger Strukturen für Behinderte und Lernschwache zuließ", schimpft Neumann. Integration brauche intensive Vorbereitung. Gerade an den allgemeinen Schulen mangele es daran aber erheblich, weiß er. "In Kürze wird die Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) eine Empfehlung verabschieden, worin Förderschulen und -zentren ausdrücklich als Komponenten der Beschulung Behinderter weitergeführt werden können", kündigt Neumann an.

Der CDU-Bildungspolitiker Tankred Schipanski hat für den Ilm-Kreis ein Integrationskonzept initiiert. Darin heißt es, dass der gemeinsame Unterricht nicht für jedes Kind die beste Lösung ist.
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