Verbundenheit per Stoßstange

Deutschland im Kennzeichenwahn. Die Kennzeichen alter Verwaltungsbezirke leben wieder auf. (Foto: Imago)
"Ich habe gar kein Altkennzeichen", witzelt die junge Frau aus Kirchheim, "denn ich hatte von Anfang an IK." Für andere, die nicht um die Jahrtausendwende zugezogen sind, sieht die Sache anders aus. Wer nach der Kreisreform in den Neunzigerjahren schweren Herzens sein Auto-Kennzeichen aufgeben musste, kann das Kürzel der ehemaligen Kreise Arnstadt und Ilmenau wieder beantragen (Kosten für Wunschkennzeichen 10,20 Euro) oder IK behalten. Bis dato sind etwa vierzig Anträge gestellt worden.
Am 1. November war die Regelung wirksam geworden, nach der Länder auf Wunsch Kfz-Kennzeichen für nicht mehr existierende Verwaltungsbezirke wieder neu vergeben können. Und seit dem 29. November geht das auch im Ilm-Kreis. Fried Dahmen, Pressesprecher des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr: "Verkehrsminister Carius hatte 2011 eine entsprechende Initiative gestartet." Künftig sollen daher die früheren Kennzeichen von Artern (ART), Eisenberg (EIS), Lobenstein (LBS), Bad Langensalza (LSZ), Meiningen (MGN), Mühlhausen (MHL), Neuhaus (NH), Pößneck (PN), Rudolstadt (RU), Schleiz (SCZ), Schmölln (SLN), Bad Salzungen (SLZ) Stadtroda (SRO), Apolda (APD), Arnstadt (ARN), Heiligenstadt (HIG), Ilmenau (IL), Sondershausen (SDH), Worbis (WBS) und Zeulenroda (ZR) wieder verwendet werden. Das Bundesverkehrsministerium prüft, ob das Kennzeichen bereits vergeben oder die Buchstabenkombination sittenwidrig ist.
Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill reagiert auf den Antrag mit der Nummer 2012/0681 der Fraktion Pro Arnstadt entspannt: "Die Altkennzeichen stehen auf der Prioritätenliste zwar nicht ganz oben, aber Bürger, die ihr altes Kennzeichen wiederhaben möchten, werden es bekommen." Als Argument hatte der Fraktionsvorsitzende Georg Bräutigam eine "stärkere Verbundenheit mit Arnstadt" ins Feld geführt. Dill versteht zwar den Wunsch nach regionaler Identität via Stoßstange, gibt aber zu bedenken: "Das heißt nicht, dass dies von außen auch so wahrgenommen wird."
Über die Wiedereinführung der alten Kennzeichen wird seit längerem diskutiert. Laut einer Studie der Initiative Kennzeichenliberalisierung der Hochschule Heilbronn wünschen sich 73 Prozent der Bundesbürger die Rückkehr zu den alten Zeichen. Der Deutsche Landkreistag hingegen lehnt die Aktion ab und kritisiert sie als "nostalgische Kleinstaaterei".

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5 Kommentare
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 07.12.2012 | 15:47  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 07.12.2012 | 21:29  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 07.12.2012 | 23:48  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.12.2012 | 00:51  
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Hannelore Grünler aus Artern | 08.12.2012 | 02:01  
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