Die Bären sind los: Der Waschbär ist ein Erbe aus dem Dritten Reich und gehört mittlerweile zu den invasiven Eindringlingen

Dr. Horst Sproßmann ist Sprecher von ThüringenForst. (Foto: ThüringenForst)
Thomas Baum aus Gehren traut seinen Augen nicht. Zwei Waschbären tummeln sich in seinem Garten und zeigen, selbst als er sich ihnen nähert, kaum Scheu. Nachbarn hatten berichtet, das sich die nordamerikanischen Nachtjäger in beachtlicher Population in der Gegend herumtreiben. Was tun? Wer hat eine Falle, wer ein Gewehr? - Stopp!, sagt Dr. Horst Sproßmann von ThüringenForst mit Sitz in Erfurt. Privatleute dürfen keine Hand an die Waschbären legen. Woher der Räuber wirklich kommt und wer ihm zu Leibe rücken darf, erfuhr Jana Scheiding im AA-Interview.

Wie kommt der Waschbär aus Amerika nach Gehren?
Diese Tiere findet man nicht nur in Gehren. Wir sprechen von einer Waschbärenplage in ganz Thüringen. 1936 kam der Bär zu Zuchtzwecken nach Hessen. In den Vierzigerjahren wurden auf Geheiß Hermann Görings, der passionierter Jäger war, zwei Pärchen in die Freiheit entlassen. Waschbären sind extrem reproduktionsfreudig, sie führen sechs bis sieben Junge pro Jahr. Obwohl er ein guter Kletterer ist, stellte die innerdeutsche Grenze für ihn ein Hindernis dar. So kam er erst 1989 über das Eichsfeld nach Thüringen. Zwischenzeitlich ist die Population geradezu explodiert. In zwei Dritteln der thüringischen Jagdreviere ist der Waschbär zu Hause.

Inwieweit richtet er Schaden an?
Der Waschbär hat sich in unserem ökologischen System gut eingerichet. Und zwar nicht nur auf Bäumen, wo er Vogelnester ausräubert, sondern auch am Boden. Er streift an Gewässerufern umher und macht sich dort über alle Arten von Amphibien her. Feuersalamander und Frösche zählen mittlerweile zu den seltenen Arten. Seine Leibspeise ist übrigens der Uhu, der ebenfalls geschützt ist.

Was tun Sie dagegen?
Der Waschbär ist ein Jagdtier, deshalb darf er geschossen werden. Allerdings kommen die Jäger kaum nach. Gestatten Sie mir einen Vergleich: 2009 schossen die Jäger in Thüringen 500 Waschbären, im Jahr 2012 waren es 6000. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um ein nachtaktives Tier handelt. Deshalb werden Fallen eingesetzt.

Verstößt das nicht gegen Tierschutzrichtlinien?
Nicht wenn die richtigen Fallen eingesetzt werden. Der Waschbär nimmt - anders als der Fuchs zum Beispiel - die Nahrung nicht mit dem Fang (Schnauze), sondern mit der Vorderpfote auf. Beim Fuchs schlägt die Falle zu und bricht ihm das Genick. Dem Waschbären würde sie die Pfote abschlagen, was den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen würde. Deshalb wird der Waschbär lebend gefangen und anschließend tierschutzgerecht getötet.

Wer darf Fallen aufstellen und wer darf den Waschbären schießen?
Jagdrecht hat der Bodeneigentümer beziehungsweise Waldbesitzer. Er ist jagdausübungsberechtigt, weil er in einer Jagdgenossenschaft oder einem Eigenjagdbezirk organisiert ist. Privatpersonen, die Waschbären sehen oder begegnen, werden gebeten, den Kammerjäger oder den für das Revier zuständigen Jäger zu rufen.

Wütet der Waschbär eigentlich nur in Thüringen, respektive Deutschland?
Nein, er ist bereits ein Fall für die EU-Bürokratie, weil viele Behörden ratlos sind und das Problem nicht in den Griff bekommen. Der Waschbär ist aber nicht der einzige „Alien“, so nennt man Eindringlinge, fremde Arten, die invasiv vorkommen und sich in unserem Ökosystem gut zurechtfinden. Der Welthandelsverkehr bringt allerlei Getier nach Europa. Die Wissenschaftler unterscheiden Neophyten - Pflanzen, wie den Riesenbärenklau, und Neozoen - das sind Tiere wie die chinesische Wollhandkrabbe, die in Balasttanks via Schiff zu uns kam. Ein aufmerksamer Bürger entdeckte in Worbis einen seltenen Käfer im Pflaster, den er aus Neugier sofort zum Forstamt brachte. Es handelte sich um den asiatischen Laubholz-Bockkäfer, einen der größten Schädlinge in China. Er saß im Palettenholz und war der Giftbedampfung - das gehört zu den Quarantänebestimmungen - entgangen. Ungünstig wirkt sich auf unser Ökosystem aus, dass sich die fremden Schädlinge mit den heimischen ergänzen. Zum Beispiel mit der sich ebenfalls ausbreitenden Zecke und dem Eichen-Prozessionsspinner.
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36 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 06.01.2014 | 17:55  
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.01.2014 | 18:10  
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Holger Greilach aus Erfurt | 06.01.2014 | 18:59  
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Renate Jung aus Erfurt | 06.01.2014 | 19:46  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 06.01.2014 | 19:57  
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Antje Hellmann aus Jena | 07.01.2014 | 13:16  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 08.01.2014 | 10:06  
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Antje Hellmann aus Jena | 08.01.2014 | 10:49  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 08.01.2014 | 18:45  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 08.01.2014 | 19:47  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 08.01.2014 | 19:59  
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Renate Jung aus Erfurt | 09.01.2014 | 01:12  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 09.01.2014 | 18:14  
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Renate Jung aus Erfurt | 10.01.2014 | 02:12  
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Holger Greilach aus Erfurt | 10.01.2014 | 11:23  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 15.01.2014 | 07:20  
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Antje Hellmann aus Jena | 15.01.2014 | 10:29  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 15.01.2014 | 20:09  
meinanzeiger .de aus Erfurt | 17.01.2014 | 10:05  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 17.01.2014 | 17:45  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 22.01.2014 | 19:23  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 22.01.2014 | 19:59  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 22.01.2014 | 21:02  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 22.01.2014 | 21:52  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 23.01.2014 | 07:16  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 23.01.2014 | 15:20  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 23.01.2014 | 19:03  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 23.01.2014 | 21:10  
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Harald von Fehr aus Gotha | 24.01.2014 | 13:46  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 24.01.2014 | 22:58  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 24.01.2014 | 23:24  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 26.01.2014 | 19:54  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 26.01.2014 | 20:15  
Wolfgang Rewicki aus Eisenach | 29.01.2014 | 10:46  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 06.02.2014 | 14:40  
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Ronald Koch aus Ilmenau | 07.02.2014 | 12:46  
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