Kein blauer Dunst: Ulrike Baumann unterstützt Raucher, die vom Tabak wegkommen wollen

Entwöhnung nach Programm: Ulrike Baumann hilft Rauchern, von der Zigarette wegzukommen.
Arnstadt: ... | Für Veränderungen ist es nie zu spät, findet Ulrike Baumann. Das gilt auch fürs Rauchen. Entwöhnungskurse für jene, die dem Tabak entsagen wollen, bietet die selbstständige Gesundheitspädagoin sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen an. Am 5. Oktober beginnt in Arnstadt ein neuer – von den Krankenkassen anerkannter – Kurs. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit Kursleiterin Baumann über den Briefkasten für Nikotinbotschaften, den es zu schließen gilt.

Frau Baumann, haben Sie selbst geraucht?

(Lacht.) Ja, als Studentin habe ich versucht, mir das Rauchen anzugewöhnen. Natürlich auf Lunge. Ich wollte wissen, wie die Ringe entstehen. Mir wurde
aber sofort schlecht, also paffte ich fortan. Ich habe das Rauchen also nie genossen.

Was finden Raucher am blauen Dunst?

Das Gemeine am Tabak ist, dass er für wenige Augenblicke scheinbar positive Gefühle bringt. Da denkt niemand an Langzeitwirkungen wie Krebs oder Durchblutungsstörungen. Und weil es sich so gut anfühlt, wird es schnell zur
Sucht. Die WHO nennt das Abhängigkeitserkrankung. Ich bezeichne eine Sucht als Holzweg, den man irgendwann im Leben gegangen ist, der in einer Sackgasse endete, aus der man aber wieder herausfindet.

In Deutschland rauchen etwa 8,5 Millionen Frauen. Nicht immer wegen des
Genusses...

Das liegt, denke ich, an ihrer Sozialisierung. Frauen müssen immer verfügbar sein, oft ohne anerkannt zu werden. Das geht über Menschenmaß hinaus. Die Zigarette verhilft hier zu einer kleinen Auszeit.

Ist ein Entwöhnungskurs der letzte Ausweg?

Oftmals ja. Viele brauchen etwa drei ernsthafte Anläufe mit verschiedenen Ansätzen. Nur wenige Raucher schaffen es aus eigener Kraft. Und der Wille allein genügt auch nicht. Das ist wie beim Fußball: Allein bekomme ich den Ball nicht ins Tor. Dafür bedarf es Unterstützung, Training und Motivation.

Wie muss man sich die Arbeit im Kurs vorstellen?

Grundlage ist das verhaltenstherapeutisch begründete Programm des Instituts für Therapieforschung und Raucherentwöhnung (IFT) München. Rauchen passiert im Gehirn. Dort gibt es einen Briefkasten für Nikotinbotschaften. Im Kurs soll die Briefklappe versiegelt werden. Das ist für viele Teilnehmer nicht einfach, denn der Weg zum angenehmen Gefühl ist verdammt kurz. Rauchen
macht wach, fröhlich, managt die Gefühlswelt. Den Abschied vom Rauchen handhaben die Menschen in meinen Kursen ganz unterschiedlich: Die einen werfen die letzte Schachtel weg, vergraben sie oder tragen sie noch eine Zeit
lang mit sich herum.

Viele ehemalige Raucher beklagen sich über zunehmend gepolsterte Hüften.
Dafür gibt es eine ganz simple Erklärung: Der Stoffwechsel bei Rauchern ist beschleunigt, ohne Nikotineinfluss arbeitet der Darm langsamer und gründlicher. Der Mensch braucht etwa 200 Kalorien weniger. Wer aufhört zu
rauchen, sollte also auch sein Essverhalten überprüfen.

Informationen unter www.rauchfrei-programm.de und www.gesund-entspannen.de,
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3 Kommentare
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Constanze Fuchs aus Gotha | 18.09.2013 | 17:29  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.09.2013 | 21:18  
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Renate Jung aus Erfurt | 19.09.2013 | 00:40  
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