Noch 'n Toast, noch 'n Ei, noch 'n Kaffee, noch 'n ..... Vortrag: Jeden zweiten Dienstag Frühstück für Schwangere in Ilmenau

Der Kaffee ist fertig... - von links Julia Predelli, Christin Fabig und Stephanie Dorst.
Ilmenau: ... |

Dienstagmorgen, 10.30 Uhr, in der Schwangerenberatungsstelle Ilmenau. Es duftet nach Kaffee und frischen Brötchen. Geschirr und Bestecke klappern. Die Luft ist erfüllt von Stimmengewirr und Gelächter. Alltag in der Beratungsstelle?

"Wir laden jeden zweiten Dienstag zum Schwangerenfrühstück ein. Das ist ein zusätzliches Angebot zu unseren anderen Leistungen", erklärt Diplom-Pädagogin Julia Predelli die fröhliche Atmosphäre. Die Idee hatten sie und ihre Kollegin, Sozialpädagogin Stephanie Dorst. Gemeinsam managen die beiden Frauen die Außenstelle Ilmenau der Schwangerenkonfliktberatungsstelle des Marienstifts Arnstadt.
"Unser Angebot in der Beratungsstelle ist vielschichtig. Wir bieten individuelle Beratung an, Elternkurse und demnächst eine Krabbelgruppe. Aber für die Zeit in der Schwangerschaft gab es kein weiteres Kursangebot ", sagt Predelli. Zum Frühstück eingeladen sind deshalb Schwangere, denen Elternkurs und Krabbelgruppe bevorstehen.

Eine Mutter: "Ich mag die Atmosphäre hier"


Christin Fabig freut sich auf die Dienstage in der Beratungsstelle. Im Frühjahr erwartet sie Zwillinge, zwei Jungs. In ihrem Beruf kann die Hotelfachfrau derzeit nicht arbeiten, so dass sie schon einige Zeit zu Hause ist. "Ich habe Marmelade und Apfelmus gekocht, jetzt stricke ich", erzählt die sympathische Frau lächelnd. "Langweilig ist es nicht, aber bei alldem bin ich allein. Deshalb freue ich mich jedes Mal auf den Austausch und die Geselligkeit hier."
Angst vor dem neuen Leben mit zwei Babys hat Christin Fabig nicht. "Dann haben wir es doch weg", sagt sie und lacht. In die Beratungsstelle kommt sie nicht nur zum Frühstücken, sondern vor allem, um mehr über Schwangerschaft und das Leben danach zu erfahren.
"Jeder Frühstücksdienstag ist zugleich Thementag", erläutert Stephanie Dorst. "Es wird diskutiert, wie man die Schwangerschaft am Anfang, wie am Ende erlebt, wie man sie mit Familie und Partnerschaft vereinbart und wie sich die Frauen auf das Leben mit Kind vorbereiten können. Ab und an laden wir Fachleute ein, die zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Tragetuch oder Impfungen referieren."

Politische Nachbesserung erwünscht


Bis zu einem Jahr nach der Geburt unterstützt die Schwangerenberatungsstelle Eltern. Predelli und Dorst beraten zu Elterngeld und anderen staatlichen Leistungen. Wer wenig Geld hat, kann Babys Erstausstattung hier beantragen.
"Die Angebote für Schwangere sind gut, die Frauen sind finanziell abgesichert", sagt Julia Predelli. "Anders sieht es mit ausländischen Studentinnen aus. Sie und ihre Kinder haben keinerlei Ansprüche. Außer die Erstausstattung zu beschaffen, können wir für diese Frauen meist nichts tun", bedauert die diplomierte Pädagogin und wünscht sich von der Politik Nachbesserung.
Bewegende Lebensgeschichten haben die Beraterinnen kennengelernt. Zum täglichen Brot gehören Konfliktgespräche, unter anderem zum Schwangerschaftsabbruch. "Wir wollen niemandes Entscheidung in Frage stellen, sondern alle Seiten und vielleicht Lösungen aufzeigen", versichert Stephanie Dorst. "Deshalb beraten wir ergebnisoffen. Das heißt, wir erfahren nicht, wie sich die Frauen entscheiden."

Neue Regelungen: Die vertrauliche Geburt


Viele Frauen gehen gestärkt aus diesen Gesprächen hervor. "Einige sehr junge Frauen sind an der Schwangerschaft gereift und waren plötzlich erwachsen", berichtet Julia Predelli aus der Praxis.
Die beiden Pädagoginnen beraten zudem Eltern, deren Schwangerschaft nicht glücklich endete. "Dann helfen wir so gut es geht bei der Trauerbewältigung."
Neue Regelungen gibt es auch für jene, die ihr Kind nicht wollen. Julia Predelli: "Die vertrauliche Geburt baut Hilfen für Schwangere aus und wahrt die Rechte der Kinder."


Hintergrund:
Die "vertrauliche Geburt" unterstützt Frauen, die ihre Schwanger- und Mutterschaft geheim halten möchten. Sie können das Kind mit professioneller medizinischer Hilfe zur Welt bringen. Die Identität der Mutter wird ausreichend lange gewahrt. Das Kind darf die Identität seiner leiblichen Mutter ab dem 16. Lebensjahr erfahren.
Die Kosten für die vertrauliche Geburt, Vor- und Nachsorge sowie Beratung trägt der Bund.
Das Gesetz richtet sich an Schwangere und Mütter in konflikthaften Lebenssituationen.
Falls die Frau ihrem Kind eine persönliche Nachricht zukommen lassen will, wird diese von der Beratungsstelle an die Adoptionsvermittlungsstelle oder das Bundesamt für Familie weitergeleitet.
Dazu hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Broschüre "Die vertrauliche Geburt" herausgegeben, die in den Schwangerenberatungsstellen ausliegt.

Öffnungszeiten:
Montag 9 bis 12, Dienstag 9 bis 16, Mittwoch 9 bis 12, Donnerstag 9 bis 18 Uhr.
Julia Predelli und Stephanie Dorst: Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle Ilmenau,
Marienstift Arnstadt, Bahndamm 19, Ilmenau, Telefon: 03677/202652, E-Mail: skb-ilmenau@ms-arn.de
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 14.01.2015 | 09:36  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 16.01.2015 | 14:07  
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