Ski heil - Schulter kaputt: Wie sind Schüler auf der Klassenfahrt versichert? Allgemeiner Anzeiger fragt Experten

Steht bei der Klassenfahrt Sport im Mittelpunkt, kann schnell ein Unfall passieren. (Foto: Imago)
Den Schreck wird Holger Schmidt wahrscheinlich sein Lebtag nicht vergessen. Voller Vorfreude war sein Sohn Tim (10) im Februar mit der Schulklasse zum Skilaufen nach Italien gefahren. „Am zweiten Tag rief der Sportlehrer an und sagte, dass unser Tim gestürzt sei und eine Schlüsselbeinfraktur erlitten habe. Wir sollten entscheiden, ob wir den Jungen abholen oder er das Ende der
Klassenfahrt abwarten solle.“
Ein Anruf bei der Versicherung der Schule ergab, dass weder die Fahrt noch die
Kosten für den Rücktransport übernommen würden, weil die Verletzungen nicht lebensbedrohlich seien. In Italien hatte Tim einen Rucksackverband
und Schmerzmittel erhalten. „Zunächst wussten wir uns keinen Rat“, erinnert
sich Tims Vater. „Geholfen hat uns schließlich der ADAC, wo wir Mitglied sind".
Weil Tim Leistungssportler im Rennrodeln ist, wurde das Schlüsselbein in Deutschland operiert. Vergangene Woche ist der Ilmenauer Schüler aus
dem Krankenhaus entlassen worden. Holger Schmidt macht sich trotzdem Sorgen: „Nächstes Jahr geht die Klassenfahrt nach England. Wie sollen wir uns nun verhalten?“
Der AA fragt Experten Mike Lörtzing, Rechtsanwalt aus Ilmenau: Wichtig ist, dass es sich um eine offizielle Klassenfahrt handelt. Dann besteht auch eine gesetzliche Schülerunfallversicherung. Dort ist man für Fahrten in das In- und
Ausland grundsätzlich versichert. Was den Rücktransport betrifft, so ist diese Versicherung eingeschränkt. Hier kommt es nämlich auf die medizinische
Notwendigkeit an. Zum Beispiel wird der Rücktransport nicht übernommen, wenn der Schüler am Zielort genauso gut medizinisch versorgt werden kann wie zu Hause. Die Schule ist verpflichtet, Unfälle der gesetzlichen Unfallversicherung zu melden – und zwar innerhalb von drei Tagen. Darauf sollten Eltern unbedingt bestehen.

Bernd Hilpert, Versicherungsmakler aus Erfurt: Zwischen den EU-Mitgliedsstaaten existiert ein Sozialversicherungsabkommen, das
eine medizinische Behandlung am Unfallort garantiert. Ein Rücktransport wird nur bei medizinischer Notwendigkeit übernommen. Man kann aber eine private
Auslandsversicherung abschließen. Es gibt dann eine Ausweichvariante, wenn zum Beispiel die Versorgung am Unfallort nur unzureichend möglich ist. Kassenpatienten haben die Möglichkeit, eine private Krankenzusatzversicherung abzuschließen. Vor Reisen ins Ausland sollte man sich auf alle Fälle nach dem optimalen Schutz erkundigen.
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 14.03.2012 | 18:42  
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Petra Seidel aus Weimar | 14.03.2012 | 19:08  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.03.2012 | 23:37  
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