Chefcoach Andreas Greßler, FSV Martinroda: Von Joachim Löw kann man was abgucken

Spielszene mit dem FSV Martinroda (Foto: Christoph Vogel)
 
Cheftrainer Andreas Greßler
Martinroda: .... |

Die 1. Männermannschaft des FSV Martinroda spielt in der Thüringer Landesliga und gehört damit zu den erfolgreichsten Fußballmannschaften des Ilm-Kreises. Statt Tabellenplatz 8 würde Andreas Greßler, seit Sommer 2013 Haupttrainer des Vereins, lieber eine 5 sehen. AA-Autorin Jana Scheiding sprach mit dem Gymnasiallehrer für Sport und Geografie über Motivation, Taktik und die Affinität zum Profisport.

Ist Bundestrainer Joachim Löw jemand, an dem Sie sich orientieren?
Man sollte Profi- und Amateursport nicht direkt vergleichen. Sicherlich kann man von Löw Ansätze abgucken, aber niemand sollte den Fehler machen, jemand anderen zu kopieren. Das funktioniert nicht. Ich muss mein Training individuell an meine Spieler anpassen.

Fühlen Sie sich als Trainer durch den Weltmeistertitel der Deutschen bestätigt? Schließlich wird in der Vereinsarbeit der Grundstein dafür gelegt.
Ich denke, dass sich in erster Linie die Nachwuchstrainer bestätigt sehen sollten. Nach der Jahrtausendwende gab es ein neues Konzept des Deutschen Fußballbundes. Die Funktionäre schauten sich viel vom Hockey ab und zogen das Resümee, dass auch Fußball nur im Team funktioniert. Zur Fußball-WM haben die Deutschen als Team sehr gut agiert. Die Euphorie der Weltmeisterschaft sollte man mitnehmen – ganz gleich ob im Nachwuchs- oder Amateurbereich. Der DFB ist ja der größte Fußballverband der Welt, zu dem auch wir gehören. Insofern sind wir alle Weltmeister.

Wie motivieren Sie Ihre Spieler?
Unterschiedlich. Manchmal ist eine klare Ansage, manchmal Gelassenheit die bessere Methode. Vor einem Derby muss man natürlich besonders pushen. Ich lasse mich meistens von Trainingseindrücken leiten. Je nach Lage und Situation der Mannschaft entwickle ich eine Woche vor der Begegnung einen Spielplan.

Nach welcher Taktik gehen Sie vor?
Es wird wohl meist auf die 4-2-3-1-Kette hinauslaufen, die sich auch im Profifußball bewährt hat. Wichtig ist, den Ball möglichst weit vom eigenen Tor wegzuhalten. Die meisten Aktivitäten sollten in der gegnerischen Hälfte stattfinden. Wir versuchen, eine dominante Rolle einzunehmen.

Wie verschaffen Sie sich ein Bild über Ihre Gegner?
Das ist eine Frage der Erfahrung. Die Spieler kennen sich untereinander ziemlich gut. Ich hole mir da auch öfter Rat bei meiner Mannschaft.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Ich brauche ungefähr zwei Tage, um einen Tiefschlag zu verdauen. Dann beginne ich mit der Analyse, aus der das Team entsprechende Lehren zieht.

An welchen Schwächen müssen Sie arbeiten?
Den Ball nicht zu lange zu behalten, mehr in die Tiefe, weniger quer zu spielen. In der letzten Saison haben wir den Ball oft zu schludrig gespielt. Das müssen wir verbessern.

Wodurch unterscheidet sich Ihrer Auffassung nach heutiger Fußball von gestrigem?
Es wird schneller gespielt, enger. Das ist eine Konsequenz der Umstellung vom Libero auf die Viererkette. Fußball ist heute einfach facettenreicher – die Weltmeisterschaft hat davon einige Beispiele gezeigt. Sicher auch eine Folge vieler Maßnahmen in der Nachwuchsarbeit.

Jürgen Klopp soll im Schlaf über Fußball sprechen. Passiert Ihnen das auch?
(Lacht). Da müssen Sie meine Frau fragen. Aber im Ernst: Der Fußball hat mich schon durchdrungen. Vor wichtigen Spielen schlafe ich schwer ein oder wache mit dem Gedanken an Fußball auf. Da steckt mein Herzblut drin.

Würden Sie Ihre Töchter (5, 1) zum Fußball schicken?
Ungern. Ich war zwei Jahre lang Frauentrainer. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber für mich ist das eine ästhetische Frage. Ich denke, es gibt weiblichere Sportarten als Fußball.

Wie wichtig ist Ihnen Anerkennung von außen?
Ich lege viel Wert auf die fachlich qualitative Meinung derer, die unserer Mannschaft und dem Fußball nahestehen.

Worauf kommt es Ihnen an?
Auf den Zusammenhalt in der Mannschaft. Denn davon hängen die Erfolge ab. Wir haben gute Spielerpersönlichkeiten, die sich ihrer Aufgabe bewusst sind. Die Arbeit macht sehr viel Freude und ich denke, dass meine Spieler gern zum Training kommen.

Wie lautet Ihr Ziel für diese Saison?
Platz 5 und besser.


Zum Verein:
1928 gegründet
1945 durch Hans Geiß wiedererweckt
1948 Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor Martinroda
Seit 1950er Jahren intensive Nachwuchsarbeit
Zurzeit steht der FSV auf Platz 8 der Tabelle Verbandsliga

www.fsv-martinroda.de
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.09.2014 | 19:48  
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