Der Weg der leeren Hand

  „Eine besondere Herausforderung ist beim Karate die Arbeit mit Kindern“, sagt
Carsten Schnieke. Sie seien keine kleinen Erwachsenen und müssten deshalb anders trainiert werden. Seit 33 Jahren ist der Chef des Karatevereins Arnstadt aktiver Karateka. Gemeinsam mit anderen Übungsleitern trainiert er jene, denen Katas (Abfolge festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken), Kihon
(Basistechniken) und Kumite (Wettkämpfe) einen guten Teil der Freizeit wert sind.

Die Ursprünge des Karate reichen bis 500 Jahre nach Christus zurück. Was bedeutet der Sport jungen Menschen heute?

Die meisten Kinder assoziieren mit Karate etwas Besonderes. Im Training wird
aber schnell klar, dass das, was in Filmen gezeigt wird, kaum realistisch ist. Sprünge von fünf oder sechs Metern sind das Ergebnis vieler und harter Trainingsjahre. Heute gilt es, die Kampfkunst neu zu erleben. Es ist ein Sport für Körper und Geist, eine moderne und wirksame Selbstverteidigung. Karate ist heute athletisch – „schneller, höher, weiter“ lautet das Motto.

Sie sind seit 33 Jahren aktiv. Wie war das vor der Wende?
Zu DDR-Zeiten war dieser Sport eigentlich nur Militär, MfS und Polizei vorbehalten. Private Karateka wurden nicht gern gesehen. Ich habe erlebt, wie ein Staatsanwalt in die Turnhalle kam und forderte, den Trainingsbetrieb
einzustellen – wegen antipazifistischer Haltung.

Und, haben Sie das Training eingestellt?
Natürlich nicht.

Was bedeutet Ihnen der Sport?

Karate formt den Menschen. Es bedeutet „leere Hand, Faust“, Karate-Do wird
übersetzt mit „der Weg der leeren Hand“. Das heißt, der Karateka ist waffenlos, seine Hand ist leer. Sinnbildlich bezeichnet diese Philosophie den langen Weg des Reifens. Nicht Sieg oder Niederlage sind das Ziel, sondern die Entwicklung
der Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und Konzentration. Oberstes Gebot ist dabei die Achtung des Gegners.

Was ist charakteristisch?

Beim Karate gibt es keinen ersten Angriff, die Beteiligten stehen sozusagen
über den Dingen. Karate birgt also einen hohen moralischen Aspekt. Anfang
des letzten Jahrhunderts entstand in Japan aus der traditionellen Kampfkunst
ein Kampfsport mit eigenem Regelwerk, das viele athletische Elemente enthält. Die gefährlichen Elemente wurden entfernt.

Kinder müssen anders angeleitet werden als Erwachsene. Warum?

Weil Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie erwarten Erfolge, sind manchmal ungeduldig. Mit Misserfolgen umzugehen, müssen sie lernen.
Sie zu motivieren, ist Sache von uns Übungsleitern. Bedauerlicherweise
sind die Leistungsgrenzen und Anforderungen in den letzten Jahren nach unten
korrigiert worden. Doch Nachwuchs ist für den Sport und die Vereine wichtig. Die jungen Leute sind unsere Zukunft. Im Karateverein hat die Jugend einen
hohen Stellenwert.

Sie kümmern sich aber auch um die Frauen?

Wir kümmern uns um alle Mitglieder gleichermaßen. Aber Sie haben Recht, vor
kurzem begann ein neuer Kurs „Prävention, Fitness und Selbstbehauptung für Frauen“. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Die Damen trainieren mittwochs, 20 Uhr, in der Turnhalle der Neideckschule.

Hintergrund:
Qualifikation der Trainer: alle haben einen Trainerschein von Landessportbund
und Kreissportbund und wurden vom Deutschen Olympischen Sportbund ausgebildet
• Graduierung vom 1. Kyn bis 3. Dan; drei Trainer haben eine C-Lizenz
• Training Turnhalle Schlossplatz: Montag, Donnerstag, Freitag, 17 Uhr Kinder; Mittwoch und Freitag, 21 Uhr, Erwachsene; Sonntag freies Training.
Kontakt: 0 15 77 / 4 47 50 73; Internet: www.karate-arnstadt.de
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3 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 24.02.2014 | 20:05  
1.048
Regina Kleiber aus Sondershausen | 24.02.2014 | 22:22  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 25.02.2014 | 05:44  
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