Frau im Flug: Margit Müller ist eine von wenigen Frauen im männlich dominierten Motocross-Sport

Motocrosspilotin Margit Müller mit ihrer Yamaha 250.
Whippen oder scrubben (seitliche Sprünge in der Luft) wird Margit Müller in Zukunft wohl weniger. Die 24-Jährige Motocrosspilotin aus Volkmannsdorf ist seit zehn Wochen Mama. Im Oktober wechselte sie sozusagen vom Wochenbett auf die Maschine, um als einzige Frau am Schelli-Gedenklauf in Arnstadt teilzunehmen. Frauen bangen heute nicht mehr nur um ihre Männer und versorgen deren Wunden, sondern fliegen selbst durch die Lüfte. Seit 2005 tragen Frauen Motocross-Weltmeisterschaften aus - die Deutsche Steffi Laier führt die Weltrangliste an. Weltweit gibt es eine Handvoll Spitzenpilotinnen.
So hoch will Margit Müller nicht hinaus. „Für uns geht es um die goldene Ananas“, sagt sie. Soll heißen: Wir müssen mit dem Sport nicht unsere Brötchen verdienen. Wenngleich ein paar Sponsoren zusätzlich nicht schlecht wären. Gefahren wird in Familie - Müllers Lebensgefährte Denis Böttner (31) ist dabei, wenn es fast jedes Wochenende mit dem Wohnwagen und den beiden Crossmaschinen auf dem Anhänger ins Fahrerlager geht. Jetzt ist erst einmal Pause, trainiert wird nur in der Halle, um fit zu bleiben. Die neue Saison beginnt im April. Dann geht auch Söhnchen Tobias mit auf Tour - „für ihn sind es ja vertraute Geräusche“, findet sein Vater. Margit kann die crossfreie Zeit gut gebrauchen. Die angehende Kommunikationskauffrau steckt die Nase statt in den Fahrtwind jetzt lieber in die Bücher.
Ihr erstes Motorrad, eine 50 Kubik Suzuki, bekam sie mit sieben Jahren. „Dafür musste ich lange quengeln“, erinnert sich Müller und lacht. „Mein Vater nahm mich immer mit zu den Rennen und ahnte nicht, was er damit anrichtete.“ Mit ihrer 65 Kubik wurde sie später Thüringenmeisterin. Ein herausragendes Erlebnis war 2011 das 24-Stunden-Rennen auf dem Lausitz-Ring. „Ich gehörte zum einzigen Frauenteam am Start.“ Das Lächeln der Männer verwandele sich schnell in Respekt, wenn man Leistung bringe, sagt Margit Müller, die mit ihrer Yamaha für den MV Zella-Mehlis und das Team Parthen aus Gehren startet.
Und wovor hat sie Respekt oder sogar Angst? „Angst ist ein schlechter Ratgeber. Respekt sollte man vor dem Sport haben, um sich nicht zu überschätzen.“ Deshalb prüfen die Fahrer vor jedem Rennen die Strecke auf Gefahrenstellen, um sich mental darauf vorzubereiten. „Motocross ist meine Leidenschaft, trotzdem bin ich jedes Mal aufgeregt.“ Kein Wunder. 20- bis 30-Meter-Sprünge durch die Luft sind riskant. Weltmeisterin Laiers Krankenakte ist so dick wie ihre Erfolgsliste lang. Margits Verletzungen beschränken sich auf einen Arm- und einen Beinbruch.
Wird zu Hause bis in die Nacht über den Sport diskutiert? „Wir leben in einer motorradverseuchten Gegend“, erklärt Margit. „Unter Freunden gibt es fast nur Benzingespräche. Aber zu Hause reden wir auch mal über etwas anderes.“

Zur Sache:
Motocross ist eine Motorrad- und Quadsportart. Gefahren wird auf geländetauglichen Fahrzeugen mit langen Federwegen. Da Wettkämpfe auf nichtöffentlichen Fahrwegen stattfinden, müssen die Fahrzeuge nicht über eine Straßenzulassung verfügen. Sie brauchen somit keine Anbauteile wie Blinker, Licht, Ständer oder Kennzeichenhalter.
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4 Kommentare
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Joachim Kerst aus Erfurt | 19.11.2013 | 16:15  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 19.11.2013 | 17:27  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 19.11.2013 | 17:38  
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Renate Jung aus Erfurt | 20.11.2013 | 00:16  
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