Geiles Gefühl: Morgen startet das Ilmenauer Uni-Team Starcraft mit seinem neuesten Boliden auf dem Hockenheimring

Autos gehen immer. Langsam füllt sich der Vorplatz des Humboldtbaus auf dem Unicampus Ilmenau. In zwei Stunden präsentiert das Team Starcraft seinen neuen Boliden für den Hockenheimring.
 
Die technischen Details sind schon sehr interessant.
Ilmenau: ... |

Formel fahren ist Gott sei Dank nicht nur eine Sache der Oberen Zehntausend. Starke Boliden können auch Studenten bauen. Ab morgen zeigt sich auf dem Hockenheimring, was der neue TSC-03E des "Formula student"-Teams von der TU Ilmenau taugt.

"Ich wollte mal Rennfahrer werden", gesteht Maxim Schinkoff und lächelt ein wenig verlegen. "Aber daraus wurde nichts und so baue ich eben die Autos für die Formel 1."
Seit zwei Jahren studiert der junge Mann an der TU Ilmenau Fahrzeugtechnik und ist ebenso lange Mitglied des "Team Starcraft", das dieses Jahr zehn Jahre alt ist und in weniger als einer Stunde seinen neuesten Boliden auf dem Unigelände präsentieren wird. Auf dem großzügig gestalteten Platz vor dem Humboldtbau haben die Vereinsmitglieder die fünf Vorgänger des TSC-03E im Halbkreis aufgestellt. Der Neue steckt noch unter einer roten Plane.

Kein Gag, sondern ernsthafter Sport


Die Ilmenauer gehören zur deutschen Formula Student und fahren Rennen mit Autos der Marke Eigenbau. Auf der ganzen Welt tragen Studenten diese besonderen Formelevents aus. Nicht als Gag, sondern als ernsthaften Sport.
"Am Bau sind über 50 Leute beteiligt, jedes Auto ist eine Weiterentwicklung", schwärmt Maxim Schinkoff. Das erste Auto der Ilmenauer hatte noch einen Stahlrahmen und lief mit Verbrennungsmotor. Mit Nummero Sechs ist Team Starcraft bei Karbon und Elektroantrieb angekommen. Ein Getriebe gibt es nicht, das Ganze wird elektronisch gesteuert - mit Energie aus der Batterie.
Helm, Fünfpunktgurt, Überrollbügel, feuerfester Overall - das Reglement für die Fahrer der Formula Student umfasst mehrere hundert Seiten und regelt alles, von der Sitzhöhe bis zur Akkugröße. Die Kosten für die Entwicklung eines neuen Autos liegen im sechsstelligen Bereich und wären ohne Gelder aus der Industrie nicht zu bewerkstelligen.

Es macht Spaß, zu sehen, wie das Team zusammenwächst


Ein neues Rennauto zu entwickeln, obliegt den angehenden Konstrukteuren und Mitarbeitern aus etwa zehn Bereichen. Die einzelnen Teams konstruieren Bremssysteme, Lenkungen, Pedalerie, Kühlung oder tüfteln Fahrwerksysteme für Kurven aus.
"Es macht Spaß, zu erleben, wie das Team zusammenwächst", erzählt Maxim Schinkoff, der sich mit seinen Mitstreitern mehrere Male in der Woche zum Arbeiten trifft.
Hat das Studentenleben nicht mehr zu bieten, als über Zahlen zu brüten? - "Mit Sicherheit", antwortet Konstrukteur Jochen Sommer, der im Moment seine Führung durch den Fuhrpark beendet und nun am Gespräch teilnimmt. "Aber wir wissen, wofür wir das alles tun." Und Vereinskollege Schinkoff ergänzt: "Das Spannende ist immer, zu sehen, ob das Auto zum Event läuft. Wenn es bis zum Ende durchhält, nicht ausbricht, die Systeme nicht versagen, dann springen wir hoch."
Schinkoff meint das Event auf dem Hockenheimring, zu dem vom 9. bis 14. August auch das Ilmenauer Team wieder antritt. Für die Autobauer ist das der Höhepunkt des Jahres, die Krönung ihres Schaffens.

Der Pilotensitz ist eine Wissenschaft für sich


Dass alles gelingt, ist nicht selbstverständlich, schließlich ist die Fluktuation im Team Starcraft sehr hoch. "Die Studenten wechseln, man braucht ungefähr ein Jahr, um sich kennenzulernen", erläutert Jochen Sommer. "Es gehört schon etwas dazu, ein Formelauto zu entwickeln, zu bauen, die richtigen Reifen auszusuchen. Wir sind ja keine Profis, aber jede Studentengeneration ist leidenschaftlich und mit viel Engagement dabei."
Allein der Pilotensitz ist eine Wissenschaft für sich. "Von ihm hängt das Fahrgefühl ab, deshalb muss er ergonomisch geformt sein", erklärt Maxim Schinkoff. Das neueste Modell ist aus Schaum gefräst, sehr leicht, wiegt mit 1400 Gramm sechs Kilo weniger als der Vorgänger und lässt sich aus dem Auto nehmen.
Apropos Auto. Trotz Bratwurstduft und allerlei Zerstreuung wollen die Gäste den Boliden jetzt sehen. Noch ist der TSC-03E unter der Plane versteckt, nicht einmal die Farbe lässt sich erahnen. In ihm stecken 42000 Arbeitsstunden, 55000 Euro Barmittel von 80 Sponsoren aus regionaler und überregionaler Industrie, 150000 Euro Sachmittel, 109 PS Spitzenleistung für maximal 135 Kilometer pro Stunde und 215 Kilogramm.
Als sich die Dämmerung über das Gelände legt, wird der TSC-03E endlich feierlich enthüllt. Erhaben sieht er in seiner leuchtend grünen Karbonhülle einer hoffentlich strahlenden Zukunft entgegen und fast sieht es so aus, als würde er Scheinwerferlicht und Blitzlichtgewitter genießen.

Hintergrund:
Die Geschichte der Formula Student begann in den 1970er Jahren in den USA und kam in den Neunzigern nach Europa. Seit 2010 gibt es die Elektroklasse.
Formula Student Germany (FSG) ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studenten, der seit 2006 jährlich vom Verein Formula Student Germany ausgetragen wird.
Jedes Jahr im Spätsommer treffen sich Studenten aus aller Welt für fünf Tage am Hockenheimring, um in Formel 1-Atmosphäre ihre selbstkonstruierten Rennwagen miteinander zu messen und Fachleuten aus Industrie und Wirtschaft die Leistungsfähigkeit zu zeigen.
Es gewinnt nicht das schnellste Auto, sondern das Team mit dem besten Gesamtpaket aus Konstruktion und Rennperformance, Finanzplanung und Verkaufsargumenten.
www.teamstarcraft.de
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Petra Seidel aus Weimar | 08.08.2016 | 18:51  
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