In öffentlichen Bädern lebte man im Mittelalter erotische Gelüste aus. Heute ist man davon weit entfernt

Wer ist hier noch in die Fluten gesprungen? Das Becken im Arnstädter Bad gibt es noch. Es ist lediglich verfüllt worden. Wäre toll, wenn es als Außenbecken genutzt werden könnte. Leider sind das in Anbetracht des städtischen Haushalts utopische Vorstellungen. (Foto: Archiv)
 
Erste Badehäuser entstanden im frühen Mittelalter. (Foto: Archiv)
Arnstadt: ... |

Hoch her geht es am Sonntag ab 10 Uhr im Sport- und Freizeitbad Arnstadt, wenn der Aktiv-Tag angepfiffen wird. Im Bad gibt es Aquafitness, Aquazumba, Meerjungfrauenschwimmen und Unterwasser-Fotoshooting. Außerdem Vorträge, Wasserballett und Rettungsvorführungen der Wasserwacht.

Im Außenbereich ist eine Showbühne aufgebaut, auf der Musik und Liveshows laufen. Für Kinder: Hüpfburg, Water Walking-Bälle, Kletterwand, Torwandschießen. Für die Eltern: Infostände, Bodycrossvorführungen und Bademodenschau, wo gezeigt wird, was man früher im Bad so trug. Apropos früher: Öffentliche Bäder waren nicht immer sportlichen Zwecken vorbehalten. Da gings zuweilen ganz schön erotisch zu. Im Eingangsbereich des Arnstädter Bades hat der Verein Stadtgeschichte Arnstadt eine Ausstellung dazu aufgebaut, die noch bis Sonntag zu sehen ist. Zu danken ist hier insbesondere Dr. Janny Dietrich vom Schlossmuseum Arnstadt und Hartmut Fuhrmann, die wesentlich zum Zustandekommen der Ausstellung beitrugen. Die historischen Fotos stammen aus Archiven und sind auf den Schautafeln abgebildet.

Wie hat die Ära der Bäder eigentlich begonnen? Wir haben die Nase in die Geschichte gesteckt. Mehr Infos verraten die Schautafeln im Arnstädter Schwimmbad.

Badestuben gab es in Arnstadt schon 1348, zum Beispiel An der Weiße und in der Badergasse. Ein Badehaus war im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein öffentliches Bad, das im Auftrag der Gemeinde von einem Bader betrieben wurde. Dort wurde Körperpflege betrieben, der Bader behandelte aber auch Krankheiten. Außerdem war es ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Ein historischer Vorläufer von facebook, wenn man so will. Gebadet wurde mit und ohne Geschlechtertrennung, meist samstags und vor hohen Feiertagen.
Aus dem gemischen Baden wurde mit der Zeit ein erotisches Vergnügen, welches in Badeprostitution ausartete. Die Bader waren als notorische Kuppler bekannt. Gebadet wurde nackt oder in Badehemden, die bis zur Wade und bei den Frauen bis zu den Knöcheln reichten.
Die Bader wurden Ärzte der kleinen Leute genannt: Sie mussten etwas von Körperpflege, Kosmetik, Chirurgie, Zahn- und Augenheilkunde verstehen. Außerdem wurden im Bad Haare geschnitten und Bärte gestutzt.
Für die Befeuerung der Anlage wurden im Jahr einige hundert Festmeter Holz benötigt. Später kamen Dampfstuben auf, in denen erhitzte Steine mit Wasser übergossen wurden. Das Wasser in den Wannenbädern war mit Schwefel oder Harzen versetzt.
In den besseren Häusern setzten die Betreiber hübsche Bademägde ein. Außerdem gab es Musik und erlesene Speisen. Blütezeit dieser Badehäuser war das Spätmittelalter.
Irgendwann war diese schöne Zeit vorbei - das Brennholz ging zurück, wodurch das Baden teurer und somit für viele unerschwinglich wurde. Aber auch Krankheiten und der Dreißigjährige Krieg trugen dazu bei.

Die Geschichte des Arnstädter Solbades beginnt 1845 in Rudisleben. Dort stieß man nach umfangreichen Bohrarbeiten auf Salz. 1851 gründete sich der Solbadverein. Fortan gab es Badestuben mit Solbädern, die Krankheiten linderten oder sogar ganz heilten. Beinahe wäre Arnstadt eine Kurstadt geworden. Dieses Unterfangen scheiterte aber am Geld und am Willen der Mehrheit.
Ärzte sprachen sich schließlich dafür aus, das öffentliche Baden in jeglicher Form zu erlauben. Dies erforderte billige Badegelegenheiten: Die Ära der Freibäder begann. 1886 gründete sich der Schwimmbadverein, 1895 wurde die Schwimmhalle am Wollmarkt gebaut. Später nutzte man das Bad für Schwimmunterricht, Schwimmvereine, Wasserballer, Tauchsportler und Rettungsschwimmer. Heinz Gleichmar, Kurt Zentgraf, Olympiateilnehmerin Sabine Kahle und Tauchsportler Bernd Reißland gehörten zu jenen, die im Arnstädter Bad trainierten.
Heute, nach mehreren Umbauten und Sanierungen, ist das Bad modern und wellnesstauglich.


Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.
www.bad-arnstadt.de
www.asw-club.de
Information: Wer sich die Schautafeln ausleihen möchte, kontaktiere den Verein Stadtgeschichte e.V.: rg.roeser@web.de
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Renate Jung aus Erfurt | 09.06.2015 | 21:06  
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