Musher aus Leidenschaft: Hans-Jürgen Ebert führt ein Leben mit Schlittenhunden und organisiert Rennen in Thüringen

Wann? 14.02.2015 10:00 Uhr

Wo? Sportplatz, Frauenwald DE
Schlittenhunderennen sind ein Ausdauersport für Mensch und Hund. 25 km/h bis 35 km/h beträgt die gefahrene Geschwindigkeit. Da bedarf es schon guter Kondition, um nebenher zu rennen. (Foto: Ebert)
 
Auf der Rennstrecke am Pillersee wurde Hans-Jürgen Ebert 2015 Dritter. (Foto: Ebert)
Frauenwald: Sportplatz | Dienstagmorgen 6.30 Uhr. Das Thermometer zeigt minus drei Grad. Gierig saufen Fox und Falstaff ihre Kraftsuppe aus Wasser, Öl und Fleischstückchen. Hans-Jürgen Ebert befestigt mit geübten Handgriffen den Schlitten am Auto. Die beiden Siberian Huskys haben längst mitbekommen, dass es gleich auf die Strecke geht. Auf dem Rennsteig ist über Nacht Neuschnee gefallen, er hat alle Spuren der vergangenen Tage verwischt. Über allem liegt eine absolute Ruhe, nur das Hecheln der Hunde und das gleichmäßige knarzen der Schlittenkufen im Schnee sind zu hören. Hans-Jürgen Ebert lebt hier als Musher in Thüringen seinen Traum – heute ist er nach nur 60 Minuten wieder zu Ende. Schnell werden die Sportsachen gegen Anzug und Krawatte getauscht. Punkt 8.30 Uhr sitzt er an seinem Schreibtisch. „So eine Trainingseinheit mit meinen Hunden beflügelt mich den ganzen Tag“, sagt Hans-Jürgen Ebert, der als Standortleiter eines Callcenters einen ausgefüllten Arbeitstag hat.

Viermal wöchentlich trainiert er mit seinen Tieren. An vielen Winter-Wochenenden stehen Wettkämpfe an. Auf vielen Rennstrecken in Europa fühlt sich der Thüringer mittlerweile Zuhause, mehrere tausend Kilometer legt er dafür pro Saison mit dem VW- Bus und Wohnanhänger zurück. 2015 stehen schon wieder erste Erfolge zu Buche: 3. Platz beim Pillersee-Rennen; 1. Platz in Werfenweng – jeweils in der D-Klasse - Sprintdistanz mit zwei Hunden.

Seit 1991 ist Hans-Jürgen Ebert dem Schlittenhundesport verbunden, ist seit 2001 Vorsitzender im Schlittenhundesportclub Thüringen. Der Verein zählt heute 48 Mitglieder, 12 davon sind aktiv in das aktuelle Wettkampfgeschehen eingebunden. „Anfang der 90er Jahre gab es einen Boom im Schlittenhundesport, nach 2000 wurde es merklich weniger. Der Aufwand für diese Sportart ist enorm. Hunde, Schlitten, Trainingswagen mit Rollen, Wohnwagen und ein passendes Auto müssen angeschafft werden. Dazu weiteres Equipment für Mensch und Hund“, erklärt Hans-Jürgen Ebert. „Wir freuen uns im Verein deshalb über jeden, der das Hobby neu für sich entdeckt oder der Unterstützung braucht.“

Die Thüringer Musher fahren meist mit reinrassigen Schlittenhunden, wie den Siberian Huskys. Diese sind am leichtesten zu halten und es sind sehr verträgliche Hunde. Es gibt Gespanne mit zwei, vier, sechs und acht Hunden sowie offene Gespanne. Beim Skijöring geht sogar nur ein Hund mit Skifahrer auf die Strecke. Hans-Jürgen Ebert ist schon viele Klassen gefahren, heute bestreitet er nur noch Rennen mit zwei Hunden. Dafür hat er eine ganz einfache Erklärung: „In dieser Sportart ist viel Kondition gefragt, die mit dem Alter leider nachlässt. Denn nicht nur bergauf erleichtere ich meinen Hunden die Arbeit, indem ich in ihrem Tempo nebenher renne.“

Ist der Musher nicht selbst unterwegs, so ist er tatkräftig mit dem organisieren von Veranstaltungen beschäftigt. In Frauenwald feiert Hans-Jürgen Ebert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum, er zeigt sich hier für sein 20. Internationales Schlittenhunderennen verantwortlich. In diesem Jahr sind es die Deutschen Meisterschaften im Sprint/WM-Qualifikationslauf, vom 14. bis 15. Februar. „Ich kümmere mich um die Ausschreibung, treffe Absprachen mit den Vereinen vor Ort, sorge dafür, dass die Stake-Out-Plätze (das Schlittenhundecamp) hergerichtet werden, teile Leute zum Streckenaufbau ein, sorge für Urkunden, Medaillen und vieles mehr. Ich habe viele engagierte, freiwillige Helfer vom Verein und dem Ort Frauenwald an meiner Seite, ohne die das alles gar nicht möglich wäre. Der schönste Dank ist für uns, wenn wieder viele Zuschauer die Strecken säumen.“ An beiden Wettkampftagen wird es in Frauenwald wieder viel zu sehen geben, mehr als 150 Starter aus Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich, Niederlande und Schweiz haben mit ihren Gespannen gemeldet. Und einer von ihnen wird garantiert der Thüringer Hans-Jürgen Ebert mit Fox und Falstaff sein.


Mein Erlebnis der Superlative:

" Zu viert sind wir von Muonio in Finnland 650 Kilometer mit unseren Hunden und voller Ausrüstung zum Nordkap gefahren. Geschlafen wurde im Zelt oder im selbstgebauten Iglu. Dabei erlebte ich die enge Bindung zwischen Mensch und Hund auf eine ganz besondere Weise. Ich habe mir einen Kindheitstraum verwirklicht.“
Hans-Jürgen Ebert, Vorsitzender Schlittenhundesportclub Thüringen

Termin:
20. Internationalen Schlittenhunderennen in Frauenwald am 14. und 15. Februar, mehr als 150 Starter, Sportplatzgelände, Rennen jeweils ab 10 Uhr, Streckenlängen von 5,2 km bis 23 km, ausreichend Parkplätze am Ortseingang vorhanden.
Weitere Informationen beim Schlittenhundesportclub Thüringen
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 08.02.2015 | 22:25  
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