Zuviel Reglement hemmt Kinder - Chefcoach Ruben Arnold vom HSC aus Neuhaus ist für lange Testphasen

Der Handball-Nachwuchs aus Neuhaus am Rennweg.
 
Cheftrainer Ruben Arnold (links) und Thomas Keller.
Neuhaus am Rennweg: ... |

Die Nachmittagssonne bricht sich in den Fensterscheiben der Guts-Muths-Sporthalle im Wintersportort Neuhaus am Rennweg und taucht das farbenfrohe Gebäude in goldenes Licht. Letzte Schneefetzen glitzern und erinnern daran, dass der Winter selbst in den Höhenlagen vergänglich ist.

Drinnen hat man für derlei Naturschönheiten keine Zeit. In der abgeteilten Drei-Felder-Halle ist heute Training für die Kleinsten. Kaum zwei Jahre alt sind die Steppkes, die mit Feuereifer Turngeräte erobern, so dass ihre Mütter kaum hinterherkommen.

Drill hat keinen Sinn


Etwas abseits mit aufmerksamem Blick auf das bunte Treiben steht Thomas Keller, Trainer und 1. Vorstand des vor einem knappen Jahr gegründeten Handballsportclubs Neuhaus am Rennweg, kurz HSC. "Bei den Kleinsten kann man mit der Trillerpfeife nichts ausrichten. Sie jetzt schon an vorgeschriebene Bewegungen zu gewöhnen, würde ihre Entwicklung einschränken. Sie müssen erst ein Körpergefühl entwickeln", erklärt der dunkelhaarige junge Mann, der selbst zwei Kinder in dem Alter hat. "Für diese Altersgruppe gibt es wenig Angebote in der Region", fügt Keller hinzu. "Wir wollen die Basis für eine gute Nachwuchsausbildung schaffen. Ein strukturierter Aufbau ist wichtig. Der ermöglicht, dass man später von der Breite in die Tiefe gehen kann."
Allerdings kommt die Jugend als sogenannter Unterbau für spätere Frauen- und Männermannschaften regelmäßig abhanden. Wer zu Ausbildung und Studium in die Fremde aufbricht, kehrt meistens nicht zurück.
Dennoch hatte der HSC in den vergangenen zwölf Monaten enormen Zulauf. Auch Sportbegeisterte aus dem wenige Kilometer entfernten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt nehmen die Anfahrt gern in Kauf, um sich in Neuhaus auszupowern.

Erst probieren, dann Regeln lernen

Hinter der Trennwand - beim Handballtraining der Grundschüler - geht es geordneter zu. Doch auch Cheftrainer Ruben Arnold lässt die bekannte Trillerpfeife vermissen. Er bevorzugt andere Trainingsmethoden: "In der DDR-Zeit lehrten die Trainer explizit - mit genau vorgegebenen Bewegungsabläufen. Ich bin ein Anhänger des impliziten Lernens. Die Kinder sollen sich ausprobieren. Testen, was ihnen liegt." Arnold ist einer der wenigen Übungsleiter in Thüringen, die nach diesem System trainieren und an dessen Erfolg er fest glaubt. "Wir wollen eine E- und eine F-Jugend aufstellen. Derzeit verhandeln wir mit dem Handballverband über eine Lockerung der Regeln. Zuviel Zwang im Spielsystem ist nicht gut für Kinder."
Ruben Arnold trainiert mit seinen Schützlingen die Koordination, damit sie lernen, schnell zu denken - der Körper merkt sich jede Bewegung, die er einmal ausgeführt hat. "Kreativität im Spiel ist meine Maxime. Viel Technik, hohes Tempo. Die Kinder sollen über das Spielen spielen lernen. Das Reglement kommt später", erklärt Arnold, selbst aktiver Handballer.

Kinder entspannen bei Bewegung

Das Trainerteam erhält gutes Feedback von Eltern und Lehrern. Die staunen, wie konzentriert ihre Kinder und Schüler plötzlich sind. "Anders als Erwachsene entspannen Kinder bei Bewegung", erläutert Ruben Arnold, der immer wieder beobachtet, dass viele Kinder Probleme haben eine Vorwärtsrolle hinzubekommen oder auf einem Bein das Gleichgewicht zu halten. Sportlehrer beklagen sich, dass die Kinder Bälle weder fangen noch werfen können.
Diese Probleme hält Arnold allerdings für hausgemacht. "Die zur Verfügung stehenden Bälle sind zu hart und zu groß für Kinderhände. Deshalb trainieren wir im Verein ausschließlich mit Softbällen und planen, diese der Grundschule zur Verfügung zu stellen."
An Geduld mit seinen aufgeweckten jungen Handballern mangelt es ihm nicht. "Gut Ding will Weile haben. Ich halte nichts von kurzfristigen Erfolgen, weil ich lieber von langer Hand plane. Dann gewinne ich möglicherweise zwei Jahre lang nichts, aber dann richtig."


Zur Sache:
Der Handballsportclub (HSC) Neuhaus am Rennweg wurde am 22. April 2014 von zehn Handballern gegründet. Heute zählt der Verein 100 Mitglieder.
Ziel ist es, Kleinkinder mit unterschiedlichen Bewegungsformen vertraut zu machen. Erst später folgt eine sportartenspezifische Ausbildung.
Der Verein ist Mitglied im Kreissportbund Sonneberg und im Thüringer Handballverband. Er verfügt über acht lizenzierte Übungsleiter, die jüngste ist 15 Jahre alt.
Handball-Mannschaften: A-Jugend Männer (Landesliga), Frauen (Verbandsliga), Männer (Verbandsliga)
Trainingszeiten in der Guts-Muths-Halle siehe Webseite: www.hsc-neuhaus.de
Kontakt: 1. Vorstand Thomas Keller (0172/8242479) und Cheftrainer Ruben Arnold (0162/4254367)
Facebook: www.facebook.com/hscneuhaus
www.facebook.com/HBNhsRwg/


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