Das ist die Krönung: Am Samstag erhält Aue am Berg bei Saalfeld geweihte Osterkrone

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Was es in Städten kaum noch gibt, wird auf dem Land meist noch hochgehalten: die Gemeinschaft. Man hilft sich, man trauert und feiert miteinander. Ein Paradebeispiel für ein ausgefülltes Dorfleben ist Beulwitz mit den Ortslagen Aue am Berg, Crösten und Wöhlsdorf - nahe Saalfeld. Gemeinsam bringt man es auf einen 85 Mitglieder starken Feuerwehrverein, der unverzichtbarer Bestandteil des Dorflebens ist.

Es ist Donnerstag. Ich statte Beulwitz einen Besuch ab und treffe Ortschronist Klaus Wiefel in seiner Garage. Draußen scheint die Sonne und wirft ihr Licht auf die hübschen Blumen, die Frau und Tochter in Kübel, Schalen und Kästen gepflanzt haben. Der Mann im blauen Arbeitsanzug befestigt eine Plane an der Wand. "In einer halben Stunde wollen die Frauen die Osterkrone für Aue am Berg binden. Dafür will ich die Garage ein wenig herrichten", sagt er und zurrt die Plane fest. Die Beulwitzer Krone thront schon seit ein paar Tagen auf dem Brunnen in der Dorfmitte und sieht stattlich aus. Klaus Wiefel unternimmt extra einen Minispaziergang von seinem Haus bis zur Krone, um sie mir stolz zu präsentieren.
Währenddessen sind die Frauen aus dem Dorf auf dem Wiefel'schen Grundstück eingetrudelt und stürzen sich in einem Nebenraum sogleich auf die Zweige, die die Männer besorgt haben. Die sitzen derweil in der Garage und schneiden Zweige.

"Ich fühle mich hier wohl", sagt Armin in breitem Schwäbisch


Von der Einfahrt her naht Hilfe. Armin, Feuerwehrvereinschef und Import aus Baden-Württemberg, will ebenfalls Hand an die Schere legen. Mit Hut und in Feuerwehrkluft ist er eine imposante Erscheinung. Er gehört zu jenen, die einen Raum - und sei er noch so groß - nicht unbemerkt betreten. 1992 zog er nach Beulwitz und war sofort in die Gemeinschaft integriert. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt er in breitem Schwäbisch, was aber sehr charmant klingt.
"Wir brauchen gleich lange Zweige", tönt es aus dem Nebenraum. "Wir könnten die Zweige fünf Zentimeter kurz schneiden. Dann sind sie auch gleich lang", witzelt einer aus dem Feuerwehrverein. Dies in die Tat umzusetzen, traut sich natürlich keiner vom starken Geschlecht. Nur einer ist mutig und packt ein paar dicke Äste unter die brauchbaren Zweige. Dann werden die Sekunden gezählt. Prompt fliegt der Ast in hohen Bogen zurück. Die Jungs grinsen, weil der Streich wieder mal gelungen ist.
Klaus Wiefel setzt Glühwein an, denn die Sonne ist inzwischen Schneetreiben gewichen, das eine Kälte mitbringt, die durch alle Fasern der Kleidung kriecht. Von den Schuhen ganz zu schweigen.

Viele Hände, schnelles Ende

Nach anderthalb Stunden ist die Krone fertig. Sie muss nur noch geschmückt werden. Vom Drahtgestell ist nichts mehr zu sehen. Alles mit sattem, duftendem Grün bedeckt. Ich staune. "Viele Hände, schnelles Ende", sagt eine der fleißigen Binderinnen und nestelt die Ostereierketten aus einem Plastiksack.
In der Zwischenzeit haben ein paar Frauen in der Küche Brötchen belegt und Gurken geschnitten. Gemeinsam wird der arbeitsreiche Abend beendet.
Die Osterkrone transportieren die Beulwitzer am Samstagnachmittag nach Aue am Berg. Dort wird sie der Pfarrer in der bezaubernden kleinen Kirche weihen. Anschließend kommt sie an ihren Platz in der Dorfmitte und darf dort mindestens vier Wochen bestaunt werden.
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Renate Jung aus Erfurt | 08.04.2015 | 00:47  
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