Das Leben im Modell: PMC Thüringen lädt im Mai zu Modellbauausstellung nach Arnstadt ein

Stolze Sammlung: Christian Voß hat hier eine Frückstücksszene auf einem Panzer nachgestellt.
 
Weil die Russen zu DDR-Zeiten dicht an seinem Haus vorbeifuhren, baute Christian Voß Panzer aus Plastik. Sie füllen heute zwei große Vitrinen.

Wenn Männer mit ihrer Modelleisenbahn spielen und eine Frau hinzukommt, die bei jedem Zug ausruft: Diese Waggons hatte ich als Kind auch! Und die Lok! Das ist doch die russische... - wie aus der Pistole geschossen werden Nummer und Baujahr ergänzt - dann können über die Fachsimpelei Stunden vergehen. Zwischen Diesellok und ICE geht man, ohne es zu merken, zum vertraulichen Du über. Und das Staunen über beleuchtete Züge und Autos, die via unterirdische Elektroleitungen auf Straßen fahren, will nicht enden.

So aufregend das Leben auf Schienen auch ist - die Modelleisenbahn ist nur ein Nebenhobby von Knut Kern und Christian Voß. Sie tritt in Aktion, wenn sich die Männer vom Modellbau ausruhen wollen. Beide sind Mitglieder im Verein Plastik Modellbau Club (PMC) Thüringen. Kern kümmert sich um den Vereinsnachwuchs und hat daher wenig Zeit für den Modellbau, Voß nennt mehrere Vitrinen voller selbstgebauter Panzer sein Eigen. "Zu DDR-Zeiten waren die Russen in Bittstädt stationiert und fuhren jeden Tag an unserem Haus vorbei. Das hat mich irgendwann zum Nachbau inspiriert."

Weniger Kriegsschauplätze

"Unser Verein hat sich gewandelt. Wir bauen nicht mehr so viele Kriegsszenen, sondern sind im zivilen Leben angekommen", erklärt Knut Kern, der auch die vereinseigene Homepage betreut. Zu diesem Leben gehören Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe oder Rennwagen.
Jean-Luc, der heute mit nach Bittstädt gekommen ist, baut zu Hause in Erfurt an einem Neoplan-Bus. "Der Motor war eine Futzelei", erzählt der 16-Jährige. "Jetzt sitze ich an der Karosse und 50 Sitze muss ich auch noch einbauen." Später wird man durch das Dach in den Innenraum des Busses sehen können. Während Jean-Luc mit Kern darüber diskutiert, ob der Bus einen Fahrer bekommen soll oder nicht, holt Christian Voß eine Windmühle hervor, deren Flügel auf Licht reagieren. Ach ja, und die Szene aus der Rallye Paris - Dakar könnte man auch zeigen. Ob die Modelle irgendwann verkauft werden? Voß reagiert fast ein bisschen empört: "Natürlich nicht!"

Ein Dreivierteljahr für ein Modell


Hochwertige Stücke können einen erfahrenen Modellbauer ein Dreivierteljahr Zeitaufwand kosten. Die kleinsten Bauteile haben ungefähr die Größe eines Stecknadelkopfes. Besondere Sorgfalt muss man mit Abziehbildern walten lassen. Sind sie einmal getrocknet, lassen sie sich nicht mehr verschieben.
Die über 40 Mitglieder des PMC sind über mehrere Bundesländer verstreut und können sich deshalb nicht regelmäßig treffen. "Wir sind eben der etwas andere Verein", sagt Knut Kern und lacht. "Austauschen können wir uns auf Messen und Vereinsfahrten."
Der nächste gemeinsame Höhepunkt kommt Mitte Mai mit den vereinseigenen Modellbautagen. Mittels Startset dürfen Kinder dann an der Bastelstraße probieren, ob sie sich für den Plastikmodellbau erwärmen können. Christian Voß hat derweil ein Anliegen an die Älteren: "Wer noch ein paar Schätzchen im Keller hat, darf diese zur Ausstellung mitbringen." Vielleicht gewinnt ja ein Objekt aus alten Zeiten den Wettbewerb um das schönste Modell.


Zur Sache:
Modellbauausstellung am 16. und 17. Mai, jeweils 9.30 bis 18 Uhr, Stadthalle Arnstadt
Aussteller kommen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
Den Erlös aus der Tombola spendet der Verein an die Kinder-Krebshilfe.
Es wird ein Wettbewerb um das schönste Modell ausgeschrieben.
Eintritt: 2,50 Euro für Erwachsene, Kinder ermäßigt.
Weitere Termine: 12. bis 15. April KinderKult in Erfurt; 1. Mai Feuerwehrfest in Stadtilm
Informationen: www.pmc-thueringen.de
Den PMC kann man für Kindergeburtstage und andere Veranstaltungen buchen.
Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.
Kontakt: Christian Voß, 03628/605887 (ab 18 Uhr); knut.kern@t-online.de
Seit 1978 gab es als "Interessengemeinschaft für historische Fahrzeuge und Modelle" eine Arbeitsgemeinschaft an der Friedrich-Schiller-Uni Jena. 1998 entstand daraus der PMC Thüringen e.V. Der überregionale Verein hat heute über 40 Mitglieder, die aus Thüringen, Franken, Hessen und der Schweiz kommen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige