Eine Handbreit Wasser unterm Kiel! - Am Wochenende große Modellschau im Schwimmbad Großbreitenbach

Seit 15 Jahren hält Steffen Lier im Verein das Ruder in der Hand.
Großbreitenbach: ... |

Steffen Lier liebt das nasse Element und alles, was sich über und unter der Wasseroberfläche bewegt. Wer sein Büro in Großbreitenbach betritt, wird sofort von einem überdimensionalen Aquarium mit afrikanischen Raubfischen in Bann gezogen. In einem wesentlich kleineren Aquarium an der gegenüberliegenden Wand tummeln sich Neons. Obenauf steht das Modell der "Gorch Fock". Liers Bildschirmschoner zeigt natürlich ein Segelschiff und als sein Handy klingelt, ertönt die Titelmelodie aus "Das Boot".

"Was sonst?", fragt Steffen Lier und lacht. Dann beendet er schnell sein Gespräch und erzählt, dass er als Kind Pirat werden wollte. "Naja, irgendwas mit Seefahrt sollte es zu tun haben", sagt Lier und schickt wieder sein rauhes, freundliches Lachen in den Raum.
"Als ich älter war, habe ich mir meinen Kindheitstraum tatsächlich erfüllt und wurde Vollmatrose." Von 1979 bis 1985 fuhr er zu See. Sah - außer Australien - die ganze Welt. "Dann wollte ich Nautik studieren, doch ein falsches Wort an falscher Stelle hat diesen Traum zerplatzen lassen." In mancher Hinsicht verstanden die DDR-Funktionäre keinen Spaß. Und so ging Lier eben in Richtung Heizungstechnik. Mittlerweile leitet er zwei Firmen und ist nebenbei Energieberater für die Verbraucherzentrale.

Noch heute spürt Lier manchmal den Boden unter den Füßen schwanken. - "Wenn ich von einem Segeltörn zurückkehre", präzisiert er. "Wer einmal Seeluft geschnuppert hat, den lässt sie nie mehr los." Wenn es die Zeit erlaubt, teilt der Bug seines Bootes die Wellen des Heydaer Stausees, den er scherzhaft "Ilm-Kreis-Meer" nennt. Seit fünfzehn Jahren ist der Heizungstechniker erster Vorsitzender der 1992 gegründeten Marinekameradschaft Ilmenau-Arnstadt, nach Erfurt der zweitgrößte Verein dieser Art in Thüringen. Mit über 30 Mitgliedern und einer eigenen Jugendmannschaft, die irgendwann einmal an Meisterschaften teilnehmen will. Steffen Lier ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied.

Modellboot & Co. im Schwimmbad Großbreitenbach


Ein Höhepunkt des Vereinslebens ist seit 18 Jahren die Modellbootshow im Großbreitenbacher Schwimmbad - auf 4000 Quadratmetern Wasseroberfläche eine der größten in Deutschland. Seit diesem Jahr heißt sie nur noch Modellshow. "Voriges Jahr waren Teilnehmer mit Flugzeugmodellen dabei, was bei den Zuschauern sehr gut ankam. Deshalb haben wir die Show für alle Modelle geöffnet", erklärt Lier.
Obwohl er lieber hinterm Steuerrad steht, geht ihm beim Anblick der Flotte im Schwimmbad jedesmal das Herz auf. "Da sieht man Modelle von fast drei Metern Länge", schwärmt Lier. Zur Show in Großbreitenbach reisen Modellbauer aus ganz Thüringen und halb Deutschland an. Dieses Jahr ist erstmals ein Händler dabei, der - im Falle eines Falles - mit Ersatzteilen aushelfen kann. Steffen Lier erinnert sich: "Als das U-Boot eines Bäckermeisters aus Mühlhausen unbeabsichtigt sank, mussten wir sogar einen Taucher hinzuziehen."
Meist sind es Funktionsmodelle, die im Schwimmbad zu Wasser gelassen werden. "Großes Aufsehen erregten ein Mississippidampfer und ein Raketen abschießendes U-Boot", weiß der Vereinschef. Auch wenn unter den Modellbauern einige Freaks sind, die ihr Hobby megaernst nehmen - weiß Lier um die fröhliche Atmosphäre im Schwimmbad. "Voriges Jahr zog ein Schlepper ein Schlauchboot voller Kinder übers Wasser. Das sah wirklich lustig aus."


Zur Sache:
Modellshow im Schwimmbad Großbreitenbach: 16./17. Mai, jeweils ab 10 Uhr.
Zum ersten Mal sind Schiffsmodellbauer vom Deutschen Marinebund dabei.
www.mk-ilm-arn.de; www.marinejugend-suedthueringen.de
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