Erfolg motiviert: Plastikmodellbauer aus Thüringen veranstalten zweite Messe in Arnstadt

Gemeinsames Hobby: Maria und PMC-Nachwuchsbetreuer Christian Voss.
 
Oftmals artet Modellbau in Fitzelarbeit aus.
Arnstadt: AKC - Vereinshaus |

Erfolg motiviert. Weil die erste so gut lief, lädt der PMC Thüringen am 21. und 22. Mai zur zweiten Modellbauausstellung in die Stadthalle Arnstadt ein.

Wer Christian Voss in seinem Haus in Bittstädt bei Arnstadt besucht, kommt an der Panzersammlung nicht vorbei. Und das im wahren Wortsinne – die Vitrinen mit etwa 40 Panzermodellen stehen direkt im Eingangsbereich.
Der freundliche, geduldige Mann hat nicht deshalb so viele Panzer gebaut, weil er Kriegsspielzeug liebt, sondern als Reminiszenz an seine Jugend: „Zu DDR-Zeiten fuhren die Russen nach ihren Manövern direkt an unserem Haus vorbei und diese mächtigen Kettenfahrzeuge flößten mir Respekt ein“, erzählt er. Seine Modelle zeigen alle möglichen Szenen des Soldatenlebens. Soldaten bei Übungen, im Einsatz, im Konvoi, beim Biwak. Man kann gar nicht anders, als die fein gearbeiteten Modelle zu bewundern.

Früher fuhren die Russen nach ihren Manövern an unserem Haus vorbei


Seit vielen Jahren ist Christian Voss Mitglied im Plastik Modellbau Club Thüringen (PMC) und betreut dort den Nachwuchs. Stundenlang tüftelt er mit den Jungs und Mädchen über Modellen. Baut Blaulichter in Autos ein oder stellt eine Hubschrauberlandung auf dem Flugplatz Jena-Schöngleina nach. In den letzten Wochen waren es der Arbeitsstunden ein wenig mehr, denn Voss hat eine wichtige Mission zu erfüllen: „Vergangenes Jahr organisierten wir unsere erste Modellbauausstellung und hätten nicht mit solch einem Erfolg gerechnet. Deshalb gibt es dieses Jahr wieder eine“, erklärt er mit leuchtenden Augen und lädt ins Bastelzimmer ein.
Dort sitzt schon die 15-jährige Maria, die ihrem Vater beim Modellbau bislang nur assistierte. Heute soll sie ihre erste eigene Immobilie bauen – als Modell, versteht sich. „Ein ganz neues Gefühl, dass mir mal jemand die Teile zureicht“, sagt sie und lächelt. Und wie sich herausstellt, ist das Mädchen, das nebenbei noch bei der Jugendfeuerwehr Arnstadt ist, gar nicht ungeschickt. Mit Geduld und Spucke nimmt das Haus langsam Gestalt an. Sogar Blumenkästen bekommt es. Das Innenleben setzt Maria mittels bedrucktem Papierbogen ein.

Maria: Modellbau ist ein schöner Ausgleich zur Schule


Vom Modellbau ist Maria nicht so gefangen wie Christian Voss. „Es ist ein schöner Ausgleich zur Schule. Aber ich treffe mich auch gern mit Freunden oder lese Horrorbücher.“ Während Maria erzählt, schaut ihr Lehrmeister genau, dass seine Schülerin nicht zu viel vom Bastelkleber aufträgt und keine Nasen erzeugt. „Das muss schon ordentlich aussehen“, begründet der Modellbauer aus Leidenschaft seine Akribie.
Voss verfügt über eine beneidenswerte Geduld. Wenn das winzige Plastikteil zehnmal aus der Hand fällt und auf dem gemusterten Teppich erst wieder ausgemacht werden muss, gerät mancher ins Fluchen. Voss bleibt ruhig und sucht, bis er es gefunden hat. „Na also“, murmelt er schließlich und die Sache ist wieder in Ordnung.

Christian Voss: Nicht jeder stellt sich geschickt an, da muss man cool bleiben


Geduld muss er haben, denn er betreut – wenn der Verein auf Messen oder Veranstaltungen unterwegs ist – die Bastelstraße für die Jugend. „Nicht jeder stellt sich gleich geschickt an, da muss man aber cool bleiben“, sagt Voss, dem das alles riesigen Spaß macht. Seine Lebenspartnerin hat sich zwischenzeitlich mit dem Bastelzimmer, der Werkstatt, dem Lager und der Spritzwerkstatt im Keller arrangiert. Das ist auch gar nicht schwer, denn es ist alles tipptopp aufgeräumt. „Ich muss wissen, wo die Werkzeuge liegen, sonst verbringe ich ja mehr Zeit mit Suchen als mit Bauen“, sagt er lachend und schaut wieder nach Marias Bauprojekt. Aus dem Rohbau ist inzwischen ein schönes Häuschen geworden, das sie natürlich mit nach Hause nehmen darf. „Das gießt du jetzt zehn Jahre lang und dann kannst du einziehen“, gibt er ihr mit auf den Weg und strahlt übers ganze Gesicht.

Schätzchen wieder gesucht - egal, wie alt und kaputt sie sind


Voss weiß nicht nur mit neuen Bastelbögen etwas anzufangen. „Viele Leute haben richtig tolle, alte Schätze zu Hause“, weiß er von Nachbarn und Bekannten. „Vergangenes Jahr waren viele am Stand und erzählten uns, was zu Hause im Keller und auf Dachböden so herumliegt. Aber sie trauten sich nicht, es mitzubringen. Aus Scham, wir würden die Dinge als minderwertig ansehen.“ Deshalb für die zweite Auflage der Modellbauausstellung nochmals der Aufruf: „Besucher dürfen ihre Modelle mitbringen, egal wie alt und kaputt diese sind. Vielleicht können wir etwas Neues daraus machen und die Menschen haben wieder Freude daran.“
Auch Kinder können Modelle mitbringen und von den erfahrenen Modellbauern aus Thüringen manchen wertvollen Tipp bekommen.


Hintergrund:
Am 21. und 22. Mai (9.30 bis 18 Uhr, Sonntag bis 17.30 Uhr) veranstaltet der Plastik Modellbau Club Thüringen (PMC) die Internationalen Modellbautage in der Stadthalle Arnstadt. Der Erlös aus der Tombola und gesammelte Spenden werden der Kinder-Krebshilfe übergeben.
Aussteller aus Deutschland, Frankreich, Tschechien und Österreich zeigen Modelle und was man damit anfangen kann. Für Kinder und Jugendliche betreut der PMC die Bastelstraße. Außerdem gibt es einen Wettbewerb um das schönste Modell, bei dem der Besucher entscheiden soll.
www.pmc-thueringen.de
Die Modellbauer sind seit 1978 aktiv. In der DDR gründeten sie sich als „Interessengemeinschaft für historische Fahrzeuge und Modelle“ - eine Arbeitsgemeinschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 1990 sind die Modellbauer ein thüringenweit agierender, eingetragener Verein.
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