Milchhof Arnstadt soll Event-Zentrum und Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum 2019 werden

  Arnstadt: ... |

Jan Kobel klopft sich den Staub von der Kleidung und hat eigentlich gar keine Zeit zum Reden. Zeit ist heute zwar noch kein Geld, doch dieser Samstag ist ein wichtiger Tag für den Fotografen und Mit-Geschäftsführer der Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH. Das durch die DDR-Wirtschaft geschundene Gebäude soll wieder zum Leben erweckt werden und was heute geschafft wird, kann niemand mehr nehmen. 2019 wollen Kobel und seine Mitstreiter das funktionale Gebäude zum Bauhaus-Jubiläum der Öffentlichkeit vorstellen.


Während der promovierte Kobel im Sonnenschein Fragen beantwortet, wühlen jene, die er für den Arbeitseinsatz gewinnen konnte, drinnen im Halbdunkel weiter im Schutt. Ehrenamtlich, versteht sich.
Den Milchhof hat sich Kobel in den Kopf gesetzt. Vielleicht nicht um jeden, aber um einen hohen Preis. Eine Zahl, von der man heute noch nicht weiß, wie viele Nullen sie am Ende haben wird. Statik und Bausubstanz seien im grünen Bereich, wenngleich die DDR enorm in beides eingegriffen habe, sagt er. "Die Fenster entsprechen nicht ihrer bauzeitlichen Form. Sie sind entweder verkleinert oder zugemauert worden. Das muss in den ursprünglichen Zustand versetzt werden." Dafür wird Kobel eine Menge Förderanträge stellen, viele einflussreiche Menschen gewinnen und sich engagieren müssen.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Handgriff


Bis zur Nutzung des Objektes ist es ein langer und steiniger Weg. "Jeder beschwerliche Weg beginnt mit dem ersten Handgriff. Deshalb bin ich heute mit dabei, denn das Gebäude gehört zu unserer Geschichte", sagt Andreas Reuter, der sich in drei Arnstädter Vereinen engagiert und selbstverständlich auch hier mit anpackt.
"Bevor hier Vermessungsarbeiten stattfinden und Gutachten erstellt werden können, müssen wir das Gebäude von Schutt und Unrat befreien", erklärt Jan Kobel. Warum ihm der Milchhof so sehr am Herzen liegt? - "Ich halte ihn für ein im internationalen Vergleich bedeutendes Kulturdenkmal. Es zeigt in exemplarischer Weise, wie der Architekt die Idee des Bauhauses umsetzte, obwohl er selbst kein Bauhäusler war."

Das Quartier am Mühlgraben ist heute fast tot

In den 1920er Jahren hatte der Arnstädter Architekt Martin Schwarz nicht nur die Villa von Kommerzienrat Ley, sondern auch den Milchhof gebaut.
Bis zur Wende gab es viel Industrie im Quartier Am Mühlgraben. Heute ist in dem alten Gewerbegebiet fast alles tot. Dass einige Gebäude, darunter auch der Milchhof, noch stehen, verdanken sie engagierten Arnstädtern und vernünftigen Amtsträgern. Jan Kobel sieht in dem ehemaligen Betrieb ein Schlüsselgebäude für das Quartier. "Das liegt zwar seit Jahren brach, hat aber viele nutzbare Flächen." Man müsse das Areal entwickeln, um den Menschen mehr Freizeitmöglichkeiten zu eröffnen.
Eine hochwertige Veranstaltungslocation mit privat-öffentlicher Mischnutzung will er aus dem alten Milchhof machen. Ein Ort für Tagungen, Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst, Künstleratelier und Werkstatt soll er werden. Außerdem sind ein Sommercafé auf der Dachterrasse und zwei Ferienwohnungen im Obergeschoss geplant.


Hintergrund:
Neun Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar ist für Martin Schwarz der Funktionsablauf für den Milchhof von der Anlieferung der Milch über ihre industrielle und hygienische Verwandlung in Lebensmittel das herausragende Entwurfskriterium. Er baut ein Industriegebäude aus der Bauhaus-Idee.
Der Milchhof ist als Einzeldenkmal unter Schutz gestellt. Der Verfall begann mit der Einstellung der Produktion 1990. Abrissplanungen verschiedener Eigentümer wurden nicht genehmigt.
Das Gebäude ist geschädigt durch rabiate Umbauten, Plünderungen, Vandalismus und eindringenden Regen. Seit Ende 2014 ist er im Besitz der Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH.
Der Milchhof steht auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück. Zur Innenstadt sind es fußläufig 1000, zu Hauptbahnhof und Schlossgarten 500 Meter.
Ziel ist unter anderem, die Grünflächen an der Gera, den Gera-Radweg und den alten kanalisierten Mühlgraben als Freizeitzone nutzbar zu machen.
Termin: 30. April, 15.30 Uhr: Präsentation des Projektes Wiederherstellung und Neunutzung des Baudenkmals Milchhof Arnstadt (Quenselstraße 14). Der Architekt Walter Grunwald, Retter der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, stellt das Nutzungskonzept vor.

www.stadtrandnotiz.de
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Simone Mergell aus Arnstadt | 30.05.2015 | 12:30  
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