Seit sich ein Förderverein um die Kirche in Alkersleben kümmert, ist dort viel passiert

Das Holztonnengewölbe und die Orgel der Sankt-Gregorius-Kirche in Alkersleben
 
Blick durch die Emporen zur Orgel
Alkersleben: ... |

Wenn Helmut Schiel Besucher durch die Sankt-Gregorius-Kirche in Alkersleben führt, dann schwingt Stolz in seiner Stimme mit. "Im 12. Jahrhundert entstand das Gotteshaus aus einer Kapelle, das Kirchenschiff kam erst später hinzu", erzählt er. "Viele Leute wundern sich, dass das kleine Alkersleben so eine große Kirche hat. Das kommt daher, dass hier einmal 53 Dekanate vereint waren. Das erstreckte sich bis Paulinzella."

Helmut Schiel ist Vorsitzender des Fördervereins "Für die Kirche in Alkersleben e.V.", der sich 1997 mit der Maßgabe gründete, zunächst die 1824 gebaute Holland-Orgel wieder bespielbar zu machen. Mit Fördergeldern und viel Engagement aus den eigenen Reihen war dies bereits ein Jahr später geschafft. Seitdem finden in der Kirche wieder Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen statt. Es gibt Gospel und Konzerte.
Sehr spendenfreudig sind die Alkerslebener heute noch, honoriert Vereinschef Schiel. Denn an der Kirche gibt es noch viel zu tun. In diesem Jahr wurde die Südseite stabilisiert, Entwässerungsleitung und Dachrinne saniert, eine neue Treppe zu beiden Emporen eingebaut. Als nächstes soll die Steintreppe saniert werden.

Man muss dran bleiben, damit etwas passiert


"In Anbetracht schrumpfender Kirchgemeinden sind wir glücklich darüber, dass sich so viele junge Menschen bei uns engagieren", sagt Schiel. 22 Mitglieder hat der Förderverein jetzt. Stolz zeigt Schiel auf den Moses nahe der Kanzel. "Auch ein Ergebnis Alkerslebener Engagements gemeinsam mit dem Denkmalamt und dem Kirchenbauamt Meiningen. Der Sandsteinsockel war brüchig, jetzt steht die Figur auf Edelstahl." Helmut Schiel lächelt. "Man muss immer am Ball bleiben, damit sich etwas bewegt."
Wenn alles Notwendige erledigt ist, geht es an die Ästhetik der im romanischen Stil erbauten Kirche hoch oben auf dem Kirchberg. Ein Restaurator soll alte Malereien freilegen. "Die hat man irgendwann mit heller Farbe überstrichen, um mehr Licht in die Kirche zu bringen", erklärt der Vereinschef.
Auf die Freilegung der Malereien freut sich auch Ortschronist Klaus Wagner, der sich seit seiner Pensionierung um die Ortsgeschichte kümmert. Ist es doch wieder ein Puzzleteil zur weiteren Erhellung seiner Einträge. Geschichtliche Daten haben es dem ehemaligen Landwirt angetan. Um ihnen auf die Spur zu kommen, fährt er in Archive und wälzt stundenlang alte Akten und Kirchenbücher. „Es ist interessant, zu erfahren, wo und wann jemand geköpft wurde und wie das Wetter vor zweihundert Jahren war. Übrigens gab es auch damals schon milde Winter.“

Die Glocke und "Die Glocke"

Dass im Jahr 1720 die Kanzel gebaut wurde und im Voraus eine Genehmigung einzuholen war, steht ebenso in Wagners Aufzeichnungen. „Die erste Predigt hielt ein Superintendent aus Arnstadt und die Gemeinde spendierte ein Fass Bier.“
Auch über die Geschichte der Glocken können Vereinschef Schiel und der Ortschronist berichten. „Bis 1739 befanden sich die Glocken im Turm, dann wurden sie zu schwer“, hat Klaus Wagner recherchiert. Die jetzige Glocke steht in einem Glockenhaus gleich neben der Kirche. „Sie wurde 1792 in der Gießerei Meyer in Rudolstadt gegossen. Genau dort, wo sich Friedrich Schiller für seine ‚Glocke‘ inspirieren ließ.“



Zur Sache:
Die barocken Malereien in der Kirche und am Holztonnengewölbe zeigen den Leidensweg Christi.
Das Glockenhaus wurde 2003 restauriert und enthält die kleinste der ursprünglich drei Glocken. Die beiden größeren wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.
Die Geschichte des Ortes Alkersleben kann in einer Broschüre nachgelesen werden, die in Kürze beim Förderverein erhältlich ist.
In der Kirche zu Alkersleben wurde Adam Drese, einer der bedeutendsten Musiker des 17. Jahrhunderts, getauft (Lied 391 im Gesangbuch).
Termin: Am 4. Advent spielt eine Revivalband der „Kastelruther Spatzen“ in der Kirche. Sie spielen Lieder aus dem Repertoire der Spatzen, dazu Weihnachtslieder aus Deutschland und Tirol. Höhepunkt ist der Andachtsjodler á capella.

de.m.wikipedia.org/wiki/Sankt-Gregorius-Kirche_(Alkersleben)
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 15.10.2014 | 18:05  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 15.10.2014 | 21:45  
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