Abriss oder Erhalt? - Endspurt für den Schiefen Turm - mit einem Imagefilm - Gerettet!

Der Schiefe Turm in Bad Frankenhausen. Foto: Rosenkranz
 
Bad Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc
      Bad Frankenhausen/Kyffhäuser: Oberkirche |

Am 31. Dezember endet die Frist für den Erhalt / Frankenhausens Bürgermeister Matthias Strejc bleibt hoffnungsvoll während ein Kinospot noch einmal auf das Problem aufmerksam macht

In der Thüringer Rhön haben sich die Bürger am Wochenende gegen den Neubau eines schiefen Turmes entschieden. Dagegen steht der 633 Jahre alte Schiefe Turm in Bad Frankenhausen, mit 4,60 Meter aus dem Lot, kurz vor dem Abriss. Bürgermeister Matthias Strejc und die Stadt hoffen immer noch auf einen Fördermittelbescheid, um den Turm zu erhalten. Am 31. Dezember ist Schluss mit dem Kämpfen und Hoffen. Wenn dann keine Gelder vom Land fließen, muss der Turm auf Kosten der Stadt abgerissen werden. Aber auch im Endspurt bleibt der Bürgermeister noch ganz entspannt.

Wieviel Geld fehlt noch?
Wir gehen immer von der Bausumme von 1,1 Millionen Euro aus. Circa 200000 bis 300000 Euro sind vorhanden. Als fehlen 800 000 Euro.

Wäre doch schön, wenn die Fördermittel aus der Rhön jetzt nach Frankenhausen fließen?
Man muss bedenken, dass in die Rhön Mittel aus dem Wirtschaftsministerium geflossen wären. Worum es bei uns geht, sind Mittel aus dem Bauministerium, also völlig unterschiedliche Fördertöpfe. Das Wirtschaftsministerium hat uns aber bestätigt, dass es für den Erhalt des Schiefen Turmes ist und Fördermittel für die touristische Erschließung bereitsstellen würde. Nur rein die Stabilsiierung, das wurde geprüft, kann vom Wirtschaftsministerium nicht gefördert werden. Da gibt es Richtlinien.

Besteht immer noch die Aussicht auf Fördermittel?
Also bis zur Landtagswahl bestand sie nicht. Wir haben immer wieder Absagen vom Bauministerium bekommen.

Können Sie die bisherige Ablehnung des Bauministeriums nachvollziehen?
Überhaupt nicht. Wir sind hier, ich auch, neben dem Turm groß geworden. Der gehört zur Stadtsilhouette und ist für uns Frankenhäuser etwas ganz Besonderes. In den letzten Jahren kam die touristische Entwicklung hinzu, die Stadt erfuhr eine nachweisliche Belebung, der Bekanntheitsgrad ist deutschlandweit gestiegen.
Der Bauminister hat sich auch widersprochen. Einerseits ist der Turm städtebaulich prägend für das Bauministerium und muss erhalten werden – das war 2006 auch der Fördergrund – und acht Jahre später ist er auf einmal nicht mehr so. Er gehört nach wie vor noch zur Stadtansicht. Es gibt Konzepte. Man will die Nachnutzung nur nicht wahrhaben. Ich freue mich, und das habe ich dem Minister auch gesagt, dass wir den Hausmannsturm mit Fördermitteln für eine Million sanieren. Aber da fragte niemand: Welchen Nutzen hat die Stadt? Was wollt ihr damit machen. Da wird mit zweierlei Maß gemessen, das stört mich. Bei Herrn Carius spielen persönliche Dinge eine Rollen und das hat man in einem Satz auf dem CDU-Parteittag auch gemerkt: „Er setzt dem Bürgermeister kein Denkmal.“ Es geht nicht um mich. Es geht um die Stadt und die Region.

Jetzt haben wir gewählt. Die neue Landesregieung steht noch nicht. Doch die Ergebnisse liegen vor. Wie sehen ihre Hoffnungen dazu aus?
Wir haben noch große Hoffnung, weil wir seitens der SPD auf Landesebene immer unterstützt wurden. Und wir haben eigentlich auch die Zusage, egal in welcher Regierungskonstellation es weitergeht, dass die SPD das Thema „Schiefer Turm“ in die Koalitionsverhandlungen mit aufnehmen will. Und so hoffen wir, dass wir Ende des Jahres den Fördermittelbescheid bekommen, sodass wir im nächsten Jahr die Baumaßnahme realisieren können.

Wie sicher ist es, dass der Schiefe Turm gerettet werden kann? Denn es gibt Kritiken, dass beispielsweise der Untergrund nicht stabil genug ist.

Es gab einen jahrelangen Streit. Wie kann der Turm gerettet werden? Und in den vergangenen sieben Jahren ist das Rettungskonzept gereift, so wie es jetzt daliegt mit dem Stützkorsett. Die Baugenehmigung vom Landratsamt liegt vor. Der Prüfstatiker gab sein Ok. Ich verlasse mich auf die Experten. Die haften persönlich dafür und wissen schon, was sie machen.

Wie sieht das Nutzungskonzept aus?
Das Konzept muss entwickelt werden. Seit Mai 2013 steht der Info-Pavillon am Turm und seit dem zählen wir die Gäste. Im ersten Jahr kamen im Schnitt 20 000 Besucher. Das ist schon einmal eine Hausnummer.
Das touristische Konzept sieht vor, im alten Kirchenschiff Konzerte durchzuführen und den Turm vielleicht in den nächsten Jahren begehbar zu machen. Die letzte Stufe ist dann eine Aussichtsplattform. Aber darauf kann man in fünf bis zehn Jahren hinarbeiten. Wichtig ist der Erhalt des Turmes. Er ist jetzt schon Anziehungspunkt.

Wenn keine Fördermittel fließen werden, muss der Turm definitiv abgerissen werden?
Ja, dann droht 2015 der Abriss. Wir sind vor Gericht als Kommune mit einem Anwohner, der 2012 geklagt hat, einen Vergleich eingegangen. Bis zum 31. Dezember 2014 muss die Baumaßnahme abgeschlossen sein. Und jetzt haben wir September und noch nicht mal einen Fördermittelbescheid.
Aber ich persönlich habe noch Hoffung. Wenn wir im November vielleicht den Fördermittelbescheid bekommen, dann geht es definitiv los, sodass die Maßnahme im Herbst 2015 abgeschlossen ist. Der Turm stand jetzt 633 Jahre schief. Da wird es auf diese halbe Jahr auch nicht mehr ankommen. Zumal ein elektronisches Pendellot den Turm permanent überwacht. Der Turm wird nie innerhalb von einer Sekunde umfallen. Der Prozess zeichnet sich langsam ab. Dann hat man Zeit zu reagieren. Die Sicherheit ist gewährleistet.

Wer würde den Abriss finanzieren?
Die Stadt, denn wir sind Eigentümer. Aber als wir die Kirche für einen symbolischen Euro in unser Eigentum übernommen haben, bekamen wir von der Landeskirche 150 000 mit übertragen. Das war die Bedingung, um eventuell Abrisskosten davon zu bezahlen. Auch die Kirche hätte den Turm sonst abreißen müssen. Wir können natürlich, sollte es positiv ausgehen, diese 150 000 Euro für die Sanierung einbringen. Das sind die Eigenmittel der Stadt.

Gäbe es für einen Abriss Fördermittel?
Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt. Gefühlt würde ich sagen: nein. Aber wir könnten vielleicht auch einen Antrag stellen.

Derzeit macht noch ein Imagefilm in Kinos und im Internet auf den Schiefen Turm aufmerksam. Warum gerade ein Kinospot?

Einen Imagefilm kann man auch in Facebook und auf der Homepage verwenden beziehungsweise im Kino zeigen. Zudem erreichen wir vielleicht eine Zielgruppe, die man mit der Presse nicht erreicht, die wir aber auch auf den Turm und den möglichen Abriss dieses Denkmals hinweisen wollen.

Sie haben nicht gleich noch eine Spendenbox aufgestellt?
Es ging uns nicht darum, in den Kinos in Größenordnungen Spenden zu sammeln. Sondern wir wollten einfach nocheinmal die Leute sensibilisieren. Auch im Hinblick auf die Landtagswahl. Die Landtagsabgeordneten können ihre persönliche Meinung haben. Aber letztendlich werden sie gewählt, um die Interessen ihrer Region gegenüber der Landesregierung zu vertreten. Und man muss in Frankenhausen zur Kenntnis nehmen: Es gibt zig Stadtratsbeschlüsse zum Erhalt des Schiefen Turmes, Unterschriftensammlungen und die Petition. Da ist es merkwürdig, dass sich Gudrun Holbe auf Landesebene nicht einsetzt. Zumal in der Lenkungsgruppe für die Wachstumsinitiative alle dafür gestimmt haben, dass der Schiefe Turm ein prioritäres Projekt für den ganzen Kyffhäuserkreis bleibt. Es ist auch nicht die Einzelmeinung, das Einzelprojekt der Frankenhäuser, sondern eine ganze Region steht dahinter. Man kann nicht nur von heut auf morgen denken. Man muss auch Visionen für eine Stadt haben. In Pisa sind die Millionen Leute auch nicht von jetzt auf gleich gekommen. Deshalb bin ich optimitisch.

Können die Bürger noch etwas tun außer zu spenden?
Sie haben in den letzten Monaten immer wieder symbolisch bei verschiedenen Aktionen gezeigt, dass sie für den Erhalt sind. Was sie noch tun können: persönliche Briefe an die politisch Verantwortlichen im Land schicken. Dann merken sie, dass es nicht die Einzelmeinung der Stadt ist, und nicht nur die Stadt ist, die schreibt. Ansonsten haben wir schon viele Spenden eingesammelt. Da verstehe ich auch, dass für die Bürger irgendwann mal der Zenit erreicht ist.

Reichen Ihre Nerven noch?
Ja. Ich bin ganz entspannt. Wir haben noch nie die Hoffnung aufgegeben und wir hoffen, dass jetzt nach der Landtagswahl der Turm noch einmal Thema ist auf Landesebene. Ich hoffe, dass man zu der Erkenntnis kommt, dass man so ein Denkmal nicht einfach abreißt. Sollte tatsächlich der letzte Strohhalm knicken, muss man sich leider damit abfinden. Aber wir als Verwaltung, als Stadtrat, als Bürger der Stadt haben bis zum Letzten gekämpft.

Der Schiefe Turm ist bereits ein Eigenname?
Wir haben uns den Namen „Der Schiefe Turm“ und das Logo schützen lassen, weil es viele verschiedene Präsente und Souvenire in den letzten Jahren gab. Beim einen war es der Oberkirchturm, beim anderen der schiefe Kirchturm, beim nächsten der schiefe Turm und immer wieder auch ein anderes Logo. Und wenn wir ihn zur Marke entwickeln wollen, brauchten wir auch ein einheitliches Logo.

Aktionen der Stadt Bad Frankenhausen und des Fördervereins Oberkirche Bad Frankenhausen e. V. zur Rettung des Schiefen Turms im Überblick


2007 Offizielle Sonderprägung einer Gedenkmedaille anlässlich des 625jährigen
Bestehens „Der Oberkirche“ durch die Kyffhäusersparkasse

1.2.11 Start der Spenden-Marathons zur Rettung des Schiefen Turms (01.02.-31.05.11)

Feb. 2011 Start der neuen Homepage www.der-schiefe-turm.de

26.02.-06.03. Infostand und Spendensammlung bei der Thüringen-Ausstellung

03.04.11 Einweihung des „1. Thüringer Leuchtturmes“ durch Staatssekretär des Thüringer Wirtschaftsministeriums Jochen Staschewski: Der Schiefe Turm leuchtete wie ein Leuchtturm (mittels Spezial-Scheinwerfer, welcher auch schwenkte) über der Stadt

10.02.11 1. Demo zur Rettung zwischen Schiefen Turm & Bornstraße

11.03.11 Benefizkonzert mit Marietta Zumbült & Peter Frank im Festsaal des Schlosses (Veranstalter: Gewerbeverein)

23.03.11 Kreativtag zur Rettung des Schiefen Turmes im Rathaus-Saal (Ideensammlung)

26.03.11 Spendenlauf mit Olympiasieger Nils Schumann mit Warm-Up und 3
Läufergruppen (Nordic-Walking, Anfänger, Fortgeschrittene)

05.05.11 Gourmetschloss-Gala: Benefizgala im funkelnden Achtecksaal des Schlosses Sondershausen zugunsten des Schiefen Turmes mit großer Tombola

18.05.11 Benefiz-Fußballspiel zwischen FC Carl-Zeiss-Jena (1. Mannschaft) gegen Blau-Weiss-Frankenhausen zugunsten des Schiefen Turmes

29.05.11 1. Großes Ballrennen mit „Schräger Festmeile“ in Bad Frankenhausen

22.12.11 Historische Schlüsselübergabe des Schiefen Turmes von der Evangelischen Kirche an die Stadt Bad Frankenhausen zum symbolischen Kaufpreis von 1,-€

29.06.12 Benefizkonzert des Thüringer Polizeimusikkorps in der Unterkirche Bad F.

14.07.12 1. Großes Turmfest an der Oberkirche

7.-9.6.13 Info-Stand beim Thüringentag in Sondershausen

03.07.13 Frankenhäuser Grundschüler gestalteten Spendendosen für den Schiefen Turm und Übergabe an den Förderverein & Stadt

06.07.13 2. Großes Turmfest und Eröffnung des Info-Pavillons am Schiefen Turm

08.09.13 Tag des offenen Denkmals (Führungen)

13.-15.9.13 Promotionstand beim Bauernmarkt in Bad Frankenhausen

29.-01.12.13 Hütte mit Souvenirverkauf zum Frankenhisser Weihnachtsmarkt

14.12.13 Weihnachtlicher Nachmittag im Kirchenschiff

24.01.14 Start der ersten Fan-Facebook-Seite des Schiefen Turmes

10.01.14 MDR in BFH mit der Sendung „Mach dich ran!“, Turm wird vorgestellt im Zusammenhang mit einer verlorenen Wette des Moderators Mario D. Richardt
(Sendung lief am 3.2.14 im MDR um 19.50 Uhr)

02.03.14 Klassisches Benefizkonzert mit Laura & Christian Schildmann inkl. 3-Gänge-Menü im Hotel Residenz Bad Frankenhausen

29.03.14 Trommler des WCC Rottleben spielten bei romantischen Fackelambiente am Schiefen Turm zur Nordthüringer Kulturnacht

05.04.14 Frühjahrsputz am Schiefen Turm/ Oberkirche

25.04.14 Benefizkonzert des Bundespolizeiorchester Hannover in der Unterkirche zugunsten des Schiefen Turmes

30.04.14 Maibaumparty mit eigenen Stand und Losverkauf fürs 2. Große Ballrennen

09.-11.5.14 Promotionstand beim Fliederfest in Bad Frankenhausen

06.04.14 Rock-Konzert mit der Losers-Live-Band für die Dreharbeiten zum Kinospot und Premiere des Turm-Songs „Heimat“

14.05.14 Demo in Erfurt vor dem Thüringer Landtag zum Erhalt des Schiefen Turmes, Mitglieder des Fördervereins und Unterstützer vor Ort, Übergabe einer breiten Unterschriftensammlung und einer Filmrolle mit dem neuen Kinospot an Bauminister C. Carius

24.05.14 2. Großes Ballrennen in Bad Frankenhausen

07.06.14 Dreharbeiten am Schiefen Turm zur MDR-Sendereihe „Unterwegs in Thüringen“ Vorstellung der „Weltwunder rund um den Kyffhäuser“
(tolle Sendung lief am 07.06.14 um 18.15 Uhr im MDR)

17.06.14 Benefiz-Fußballspiel zwischen Rot-Weiß Erfurt (1. Mannschaft) gegen Blau-Weiss-Frankenhausen zugunsten des Schiefen Turmes

23.08.14 Premiere des Kinospot zum Schiefen Turm im Sondershäuser Kino „Cinema64“

19.11.14 Über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des
Städtebaus“ erhält der Schiefe Turm eine Förderung von 950 000 Euro. Hier steht, wie es weitergeht.
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4 Kommentare
460
Lutz Blobner aus Artern | 13.10.2014 | 14:52  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 02.12.2014 | 07:53  
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Lutz Blobner aus Artern | 02.12.2014 | 13:54  
Sandra Rosenkranz aus Sömmerda | 02.12.2014 | 19:27  
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