B. Pasternaks Revolution auf der Bühne

Zeitgemäße Träume?
Schiwagos Odyssee
Nach Motiven von Boris Pasternak (1890 – 1960)
in einer Fassung von Konstanze Lauterbach
Premiere: 19. Januar 2013 im Deutschen Nationaltheater Weimar
Wir sahen „Schiwagos Odyssee“ in der zweiten Vorstellung am 1. Februar 2013. Um ehrlich zu sein: Meine Vorfreude hielt sich in Grenzen; denn die Kritik der Uraufführung sagte wenig aus. Im Gedächtnis blieben mir die Worte: „Die Menschen fehlen.“ Ich kannte den nach dem Roman gedrehten Film, war von ihm nicht begeistert wie viele andere, wusste aber noch, dass in ihm viele Personen agierten. So war es dann auch: Vierzehn Darsteller verkörperten viel mehr Rollen. Hinzu kam eine große Anzahl von Statisten.
Wider Erwarten war das Theater nicht voll besetzt. Wieso hatten wir nur Plätze im 1. Rang bekommen? Hatten so viele der Kritik geglaubt. Das sollte man nie tun. Unsere Plätze erwiesen sich übrigens als gut. Wir hatten den Überblick und waren, als die sibirischen Schneemassen säckeweise ausgeschüttet wurden, weit genug vom Geschehen entfernt, um das karge Bühnenbild als Ganzes auf uns wirken zu lassen. Außer dem Schnee gab es auf der Bühne eine Schaukel, Schneeschieber und schwebende Sterne, die vom Himmel geholt werden konnten. Sie erinnerten sicher nur ältere Zuschauer an Sowjetsterne, weil sie im Gegensatz zum Stern als Symbol rot und nicht golden waren.
Die rote, symbollose Fahne der Revolution wurde kraftvoll geschwungen. Die revolutionären Forderungen der Arbeiter und Bauern waren zusammengeschrumpft auf: „Arbeit und Brot“. In schneller Folge wechselten die Szenen zwischen großen historischen Massenauftritten und Einblicken in individuelle Lebensgeschichten, die vom gesellschaftlichen Geschehen geprägt waren wie überall in der Welt zu jeder Zeit.
Die Leistungen der Künstler waren enorm und wurden gebührend mit Applaus bedacht. Die Einschätzungen des heimstrebenden Publikums hätten nicht weiter auseinanderklaffen können. Sie reichten von „So ein Scheiß!“ bis „Wunderbar!“, „Erschütternd!“, „Nachdenkens wert!“, “Erfrischend neu!“ Schon im Mantel, mit Regenschirm ausgerüstet, erwarben wir doch noch ein Programmheft, weil ich hoffte, in ihm Klarheit über den Künstler B. Pasternak, sein Wirken in seinen Werken und viele Fragen zur Inszenierung zu erhalten.
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Karin Jordanland aus Artern | 13.02.2013 | 19:52  
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