Bericht eines Marktschreiers

Der Marktschreier beim Kontrollgang (Foto: Kathrin Kämpfe)
   
Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Etzleben weisen jedem Gast einen Parkplatz zu
Ungeahntes Engagement vieler machte 2. Etzlebener Flohmarkt zum Erlebnis


„Die Zeit ist nun heran, da zum 2. Male der hochherrschaftliche Warenmarkt zu Etzleben seine Pforten öffnet!“ Als ich diesen Satz am Samstag um 9.00 Uhr über den Schulplatz und durch die Lindenstraße erschallen ließ war für viele Dorfbewohner schon die meiste Arbeit getan- dachten wir. Die Familien Schneider, Stang, Mendler, Windrich, Fiebrich, Keßler und Kämpfe, bereiteten schon seit Tagen ihre Höfe vor, stationierten Kaffeemaschine und Kühlschrank nahe der Sitzecken der Gäste und haben gebacken, gebacken und gebacken. Frau Stang fing mit ihrem Zwiebel- Schmalzkuchen extra erst um Mitternacht an, damit er am nächsten Tag noch recht frisch schmeckt. Manchmal kamen ihr auch Zweifel auf, ob der vielen Arbeit, aber Dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Freundin aus Sonneberg und nach dem gelungenen Markttag schaute sie schon wieder voraus: „Was kann ich wohl bei der dritten Auflage noch besser machen?“ Und während des Markttages, weil sie mit der Bewirtung der Hofgäste wahrscheinlich noch nicht „genügend“ ausgelastet war führte die ehemalige Lehrerin zusammen mit dem Pfarrer Bechtloff viele interessierte Gäste durch die Kirche Etzlebens und informierte über architektonische Besonderheiten, die Geschichte der Orgel und dem Kampf um den Erhalt des größten Gebäudes des Dorfes.
Am Vorabend, als ich gerade damit fertig war die Standplätze gemeinsam mit den Händlern auf das Pflaster zu malen, klapperte eine Leiter in der Gasse- nun ja, da wird wohl noch jemand letzte Hand anlegen, dachte ich. Am Markttag um 7.00 Uhr, als wir begonnen hatten unseren Hof mit Trödel zu bestücken, sah ich erst die Ursache des Leiterklapperns vom Vorabend- da hatte jemand die Lindenstraße, den Schulplatz und die Nebengassen mit Wimpelketten geschmückt. Später erfuhr ich dass das schon lange geplant war, aber terminlich nicht eher umgesetzt werden konnte. So begann dann Erik Schramm am Abend allein mit der Leiter die Wimpelkette aufzuhängen, aber kaum hat er begonnen, kam Ralf Grasal unaufgefordert zu Unterstützung. Diese Hilfsbereitschaft ist für mich nach wie vor sehr beeindruckend.
Dann, begann der Trubel, aber nicht nur in den Straßen und Gassen des Marktbereiches! Durch die Freiwillige Feuerwehr von Etzleben wurden Parkplätze geschaffen (ein ganzes Feld wurde von der Agrar GmbH zur Verfügung gestellt), die Besucher eingewiesen und beraten, und das über den ganzen Tag bei 45 °C in der Sonne! In Stoßzeiten kamen über 150 Autos in 20 min unter und sogar der Wiesenparkplatz mit seinen über 300 Standplätzen musste zwischenzeitlich wegen Überfüllung geschlossen werden.
Ohne zu übertreiben haben wir auch in diesem Jahr die 1000 Besucher Grenze geknackt. Und so viele Besucher geben sich nicht nur mit Kaffee und Kuchen zufrieden, da muss schon etwas Handfestes für den Bauch angeboten werden. Dies übernahm in diesem Jahr der Feuerwehrverein Etzleben mit einem reichhaltigem Grillangebot und die Freiwillige Feuerwehr Gorsleben mit ihrer Gulaschkanone.
Ich kündigte dies auch entsprechend an:
„Zum Schmausen laden wir euch ein,
bei gut Gebratenen und kühlem Wein.
Die Feuerwehr löscht jeden Durst,
und Brätel zieren den großen Rost.
Auch Suppenkasper werden nicht vergessen,
den Saft des Hülsenfrüchtestampfes kannste essen,
der in dem Menschen tiefsten Eingeweiden,
wird später dann sein Unheil treiben.“
Und bald merkten dann die Gorslebener auch, dass sie die Anziehungskraft des Flohmarktes in Etzleben und den großen Appetit unterschätzt hatten, denn nach nicht mal einer Stunde waren die 300 Portionen der Erbsensuppe alle. Auch der Feuerwehrverein musste noch einmal Brätel und Würstchen nachholen. Sie bauten ihren Stand direkt vor dem alten Feuerwehrgerätehaus auf und richteten die Tische so her, dass die Gäste unter der alten und neuen Dorflinde einen schattigen Platz fanden. „Unter den Linden“ kann auch in Berlin nicht schöner sein, bloß lauter. Die Kameraden des Feuerwehrvereins selbst standen am Rand, mitunter auch in der Sonne, an einem Grill mit 300° C heißen Dämpfen.
Ich muss hier ein großes Dankeschön an alle Mitstreiter, ob privat oder organisiert in den FFW Etzleben und Gorsleben bzw. dem Feuerwehrverein Etzleben loswerden. Man möge mir verzeihen, dass ich nicht alle Mitstreiter persönlich nenne, einerseits liegt es an meinem mangelnden Namensgedächtnis, andererseits daran, dass ich nicht die ungenannt lassen möchte, die ich persönlich nicht gesehen habe. Danke Jungs und Mädchen, Frauen und Männer- ohne euch wäre der Tag nicht gelungen!
Für mich als Marktschreier spielten natürlich die zufriedenen Gesichter der Hobbyhändler eine wichtige Rolle, und vom Aufstellen, Aufbauen, Verhandeln bis zum Abbauen und Abreisen, es klappte wie am Schnürchen. Man half sich, zog sich gegenseitig auf, vermittelte Geschäfte und nahm wieder alles mit, was man nicht los wurde. Auf den Straßen blieb kein Müll zurück.
Und was alles von den über 40 Ständen und 6 offenen Höfen zum Verkauf angeboten wurde: von Anglerzubehör über Jugendstilmöbel bis zu Zugmaschinen. Sogar bei einem Kleinwagen stand auf dem zu Hochglanz poliertem Nummernschild: „Zu verkaufen“. Einmal musste ich aber einschreiten. Da verkaufte doch tatsächlich eine Händlerin eingepackte Ware mit einem Etikett! Neuware darf aber auf unserm Markt nicht verkauft werden. Mit dem Blick auf das Etikett klärte sich aber alles auf: „EVP: 12,50 M“! Es war Neuware aus einem nicht mehr existenten Land, also- es war Geschichte.
Die Besucher strömten aus allen Richtungen herbei. Neben einem Abstecher den sich A 71 Nutzer, durch ein Hinweisschild verführt, gönnten, kamen auch viele Radler von dem nur 50 m entfernten Unstrutradwanderweg vorbei. Und alle waren begeistert! Nur die Frage eines Gastes: „Findet das hier jede Woche statt?“ machte sogar mich sprachlos.
Nach 16.00 Uhr, dem offiziellen Ende des Marktes, lag das Dorf in völliger Stille. Aber am Abend trafen sich schon wieder viele Bewohner, Teilnehmer und Organisatoren und lachten über die ein oder andere Anekdote, ihren Sonnenbrand oder über die zahlreichen Vermutungen der Gäste, wie sich wohl so etwas organisieren lässt.
Die Familienmitglieder der offenen Höfe offenbarten in diesem Rahmen auch ihre erzielten Spendensammlungsergebnisse. So gelang es den Familien Windrich, Mendler, Stang und Schneider über die erbetenen Spenden 160 € für das Kinderhospiz in Tambach- Dietharz zu sammeln. Durch die Familien Kämpfe und Keßler kamen immerhin 99,75 € für den neuen Anstrich der Lossaradbrücke zusammen.
Ich persönlich mag besonders diese Eigendynamik in dieser Veranstaltung, dieses Engagement für ein großes, gemeinsames- und für viele kleine, persönliche Ziele. Ein Dorf rückt sich wieder näher, hat Spass daran und zeigt das auch stolz anderen. Möge der Weg lang noch so weiter gehen. Eine weitere Auflage wurde ja inoffiziell auch schon längst beschlossen…

Peter Keßler
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 28.07.2014 | 12:58  
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