Blüten am Wegesrand

genügsame Wegwarte
Wegwarte

Ich liebe diese Blume der Wegränder mit ihren himmelblauen, strahlenden Blüten, schon so lange ich denken kann. Seit kaum noch ein Straßen- oder Wegrand mit der Sense gehauen wird, bange ich um ihren Fortbestand und freue mich, wenn ich sie im nächsten Sommer wieder entdecke. Zwar bleiben die krautigen Stängel von Sommer zu Sommer immer etwas kürzer, doch die Pflanze ist robust. In diesem Juni sah ich Wegwarteblüten auf einem Bauplatz direkt auf der Erdoberfläche, also fast ohne Stängel. Dabei kann die Wegwarte bis zu einen Meter und fünfzig Zentimeter hoch werden. Das ist kaum zu glauben.
Einmal erkannt, dass meine Lieblingsblume zu den Heilkräutern gehört, weil ihre verdickten Wurzeln und grünen Pflanzenteile Milchsaft mit verschiedenen Bitterstoffen enthalten, begann ich zu lesen und stieß auf Interessantes. Wegwarteextrakte sind in Präparaten enthalten, die kräftigende sowie verdauungsfördernde Wirkung haben. Das war in der Volksheilkunde auch schon bekannt. Die Pflanze, deren Blüten sich auffällig nach der Sonne drehen, wurde Sonnenwirbel oder Sonnengespons genannt. Ihre Verwendung in den Hofküchen und Apotheken ist in Abrechnungen belegt. Die Entwicklung der Thüringer Heilkräuterverwertung und Vermarktung wurde durch den Dreißigjährigen Krieg sehr abgebremst.
Das hatte ich auch nicht gewusst, dass man die Wegwarte früher feldmäßig anbaute, weil man aus ihrer getrockneten Wurzel Zichorienkaffee herstellte. Heute werden gebleichte Kulturformen als Chicoree gegessen. Dieses Wintergemüse bereite ich gern als Salat zu. Während einer Kur im Dezember 1989 war ich als Knollenputzende sogar an der Chicoree-Produktion beteiligt.
Hoffentlich gibt es in Zukunft auch die hübsche Wegwarte noch als Blume der Wegränder. Die Pflanze hat es schwer, sich gegen das übergroße, ach so menschliche Nutzdenken durchzusetzen. Wie lange wird sie siegreich sein gegen Mortorsensen, die regelmäßig die Straßenränder scheren, aber ganze Brennesselwälder verschonen, weil sie die Sicht der Autofahrer nicht stören?
Die prächtigsten Wegwartepflanzen sah ich während unserer Heimfahrt auf vielen Kilometern, wo sicher auf Drängen der Bauern auch die an die Felder grenzenden Hänge von Brennesseln befreit wurden. Da war aus Gewinndenken vernünftig gehandelt wurden. Das kam, wenn auch unbeabsichtigt, meiner geliebten Wegwarte zugute.
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10 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 22.06.2011 | 21:08  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 22.06.2011 | 21:42  
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Antje Hellmann aus Jena | 22.06.2011 | 21:55  
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Hannelore Grünler aus Artern | 22.06.2011 | 22:06  
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Hannelore Grünler aus Artern | 22.06.2011 | 22:46  
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Renate Jung aus Erfurt | 23.06.2011 | 00:03  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 24.06.2011 | 09:07  
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Hannelore Grünler aus Artern | 24.06.2011 | 13:47  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.06.2011 | 17:41  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 27.06.2011 | 18:06  
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