Christa Wolf, meine Lieblingsdichterin

Meine Christa-Wolf- Bibliothek
 
Christa Wolf in der Presse
Christa Wolf im Lesekreis
Nach dem Mittagsschlaf schmerzten meine Augen noch, sahen nur verschwommen, besonders das linke, scharfsichtige, bereitete Schmerzen und Angst. Nun half es nichts mehr, dass ich meine Zusage bereute, an diesem Freitag, dem 13., im Lesekreis Christa Wolfs Buch „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“ vorzustellen. Damals hatte der Augenarzttermin schon festgestanden. Aber nie waren die auf die Untersuchung folgenden Beschwerden so krass und anhaltend gewesen.
Ich packte außer den CDs, von der Autorin selbst meisterhaft gelesen, meine Merkzettel zu ihren Auslandreisen und Auszeichnungen ein, war wie versprochen um 17, 30 Uhr im Heimathaus. Anwesend schon Elke und Heinz, unser Vereinsvorsitzender. Er legte die von mir ausgewählte CD ein, erklärte mir das Radio und spielte kurz an. Ich staunte über die Klangqualität meines kleinen Apparates. Obwohl im vorigen Jahrtausend gekauft, gab er die Altersstimme der Leserin genauso gut wieder wie das moderne Gerät. Ihn hätte ich selbst bedienen können. Für die Lesung ihres Spätwerkes erhielt Christa Wolf verdienterweise den HÖRKULES-PREIS. Sie selbst würde ihr umfassendes, hervorragendes Werk den Mitgliedern des Lesekreises nahe bringen. Wer könnte das besser als sie, die Autorin!
Gebannt lauschten wir zu acht den vier Eingangstrakts. Fast 40 Minuten, fast atemlose Stille! Welch Glück: Ich sah wieder scharf, entdeckte bei den anderen Wiedererkennen des Textes, Freude an vortrefflichen Formulierungen, ein Abtauchen in eigene Erinnerungen und Zustimmung zu Christa Wolfs literarischer Verarbeitung derselben. Um die Tafel saßen Anhänger, Kenner der Autorin. Wir hatten ihre Werke als junge Menschen mit Begeisterung gelesen, lasen, bzw. hörten, sie heute noch. Eine jüngere Zuhörerin hatte sie gerade für sich entdeckt, bat mich um Ausleihe. Auch ich nahm mir vor, öfter zu Christa Wolfs Werken zu greifen, im Internet nach weiteren Hörbüchern der Autorin zu suchen.
Als ich Heinz bat, die Lesung zu stoppen, eröffnete ausgerechnet meine Sitznachbarin die Diskussion. Mit dem gesamten Körper hatte ich ihre Verwunderung über die Stimme Christa Wolfs, deren Schreibstil gespürt. Die Gelangweilte hatte meiner Meinung, nicht alle würden das Meisterwerk der Wolf verstehen, würdigen, lieben, von mir anfangs geäußert, deutlich körpersprachlich zugestimmt. Ihrer ablehnenden Haltung zum Gehörten wurde lebhaft widersprochen. Diskutiert wurde über den Vorteil des Lesens bzw. Hörens von literarischen Werken, über Stil und Inhalt der Werke der Autorin, ihre weltweite Beachtung und Würdigung, ihre Biographie und deren Beeinflussung durch Politik, über Erinnerungen und deren Verdrängung, Verfälschung, Verarbeitung. Vermisst wurde eine Gesamtausgabe der Werke Christa Wolfs, gewünscht der Nobelpreis für sie, eventuell postmortal.
Titel wie „Moskauer Novelle“, „Der geteilte Himmel“, „Unter den Linden“, „Kindheitsmuster“, „Kein Ort. Nirgends“, „Lesen und Schreiben“, „Kassandra“, „Störfall“, „Sommerstück“, „Medea“ und „ Was bleibt“ wurden genannt, einander empfohlen. Nur schwer war die Diskussion zu unterbrechen. Ich wollte sie abrunden. So hörten wir zum Schluss von der zweiten CD Trakt 5, jene Stelle, wo Christa Wolf darüber nachdenkt, wie im richtigen Leben (nämlich im Kapitalismus) ihr Leben verlaufen wäre, wo sie sich an den Moskauer Flughafen, den Madrigal-Chor aus Halle und dessen Gesang „Oh, Täler weit, oh, Höhen“ erinnert und feststellt, wie schwer es gewesen wäre, ihren Satz „Ich habe dieses Land geliebt“, zu verstehen.
Wieder wogte die Diskussion. Nun wurde nebenbei genascht, getrunken, in Grüppchen diskutiert, saß Manfried, der mich um 20 Uhr zu meiner Sicherheit abholen wollte, bis 20, 45 Uhr mit am Tisch. Ich war froh über diese Fürsorge, den gelungenen Lesekreis. Ich freue mich auf die nächsten Abende mit diesen Leseratten, auf erneute Lektüre der Werke Christa Wolfs.
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 17.07.2012 | 13:22  
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