Der schiefe Turm von Bad Frankenhausen ist gerettet - Turmfest am 12. August

Bürgermeister Matthias Strejc hat immer daran geglaubt, dass der "Schiefe Turm" zu retten ist. Er hat Recht behalten. (Foto: Stadtverwaltung Bad Frankenhausen)
 
Schief, charmant und endlich gerettet. (Foto: Stadtverwaltung Bad Frankenhausen)
Bad Frankenhausen/Kyffhäuser: Schiefer Turm | Er ist schief, charmant - und endlich auch gerettet! Die Stabilisierung des "Schiefen Turms" von Bad Frankenhausen ist abschlossen / Vor dem Turmfest am 12. August mit Matthias Strejc, Bürgermeister des Ortes, im Gespräch:

Wie lange hat der Kampf gedauert?


Es war ein langer, sehr steiniger Weg. Im Grunde begann der intensive Kampf einer ganzen Region schon nach der Wende, mit vielen Höhen und Tiefen.

Wie knapp war es denn?


Mächtig knapp, der Abriss wurde fast in letzter Minute verhindert. Eigentlich hätten wir die Stabilisierungsmaßnahmen bis Ende 2014 abschließen müssen, sonst wäre der Turm abgerissen worden. Doch wir hatten nicht das nötige Geld und kaum noch Hoffnung. Gott sei Dank kam es anders: Aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" erhielt Bad Frankenhausen im November 2014 eine Förderung in Höhe von 703.000 Euro, hinzu kamen 352.000 Euro Eigenmittel. Daraufhin hat die zuständige Baubehörde den Abriss des Denkmals natürlich nicht verfügt, wir konnten weitermachen, die lang ersehnte Stabilisierung durch eine Stützkonstruktion aus Rohren, Zugankern und Stahlbetonringbalken beginnen, um das baukulturhistorische Bauwerk zu erhalten.

Dabei waren die Turmretter doch Jahre zuvor schon auf einem guten Weg...


Der Freistaat Thüringen hatte im Jahr 2006 Fördermittel in Höhe von 900.000 Euro zur Verfügung gestellt, wir als Stadt brachten 100.000 Euro auf. Das ursprüngliche Konzept sah vor, den Turm unterirdisch zu stabilisieren. Dafür waren viele Untergrundanalysen notwendig, es wurde Flüssigbeton in bis zu neun Meter Tiefe gepresst, wir mussten aber immer auch die Gegebenheiten vor Ort beachten. Die Hälfte der Mittel haben wir verbraucht, dann forderte Thüringen die restlichen Fördermittel zurück. Jahre später übernahmen wir als Stadt dann den Turm von der Evangelischen Kirche, haben um die weitere Stabilisierung gekämpft, immer wieder Spendenaktionen ins Leben gerufen, auch mit prominenter Unterstützung.

Haben Sie immer daran geglaubt, dass es gut ausgehen wird?


Wir haben bis zum Schluss nicht aufgegeben, alles versucht, uns an jeden Strohhalm geklammert, auch wenn die immer dünner wurden. Zum Glück hat alles geklappt.

Hat der "Schiefe Turm" nach der Stabilisierung etwas von seinem Charme eingebüßt?


Im Gegenteil, er ist noch viel charmanter geworden! Man erkennt den Turm kaum wieder, die Bauzäune sind weg, das Geld hat sogar für die Sanierung des Mauerwerks gereicht. Und schief ist er nach wie vor. Noch bis 2006 hatte sich der Turm jedes Jahr weitere 60 Millimeter geneigt, das wurde durch die ersten Maßnahmen schon weniger. Nun, nach der großen Stabilisierung, sind es aktuell noch 5 Millimeter pro Jahr, wir können auch jederzeit nachjustieren.

Wem sagen Sie danke?


Zuerst einmal dem 1992 gegründeten Förderverein. Wenn es den nicht gegeben hätte, würde der Turm nicht mehr stehen. Dann natürlich allen Bürgern und Unternehmen, die uns unterstützt und an uns geglaubt haben. Ein großes Dankeschön geht ebenso an den Chefplaner Dr. Josef Trabert und an den Bundestagsabgeordneten Steffen-Claudio Lemme.

Ende gut, alles gut?


Das kann man so sagen. Obwohl es noch etwas weiter geht, es sind drei weitere Bauabschnitte geplant: die Sanierung der Turmhaube, die Sanierung der Außenmauern des Kirchenschiffs und die touristische Erschließung. Zu letzterem gehört dann ein kleines Museum, ein Erlebnis- und Informationspunkt mit faszinierenden Details zum Turm und Besonderheiten der Geologie, die Möglichkeit, den Turm zu besteigen und mehr. Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir das mit den Finanzen auch hinkriegen, von seiten der Landesregierung gibt es durchaus positive Signale. Das war bei der vorherigen Regierung nicht so.

Lohnt sich jetzt schon ein Besuch?


Natürlich, und wie! Schon jetzt hat unser Info-Pavillon 30.000 Besucher im Jahr, nun werden es hoffentlich noch viele mehr. Vor der beeindruckenden Kulisse des Schiefen Turms sollen künftig Veranstaltungen, Konzerte und auch standesamtliche Trauungen stattfinden. Diesen Turm muss man einfach sehen, ihn ins Herz schließen.




Das Turmfest:


Fest zur Einweihung des "Schiefen Turms" von Bad Frankenhausen: Freitag, 12. August, 14 bis 22 Uhr mit Programm von Kindergartenkindern, Schausieden, Turmführungen, Posaunenchor, Unterhaltungsprogramm und weiterer Musik. Weitere Informationen: www.bad-frankenhausen.de, www.der-schiefe-turm.de



Der Turm:


- Bereits von weitem fällt der 56 m hohe Kirchturm durch seine extreme Neigung von 4,93 Grad dem Besucher ins Auge. Mit einem Überhang von 4,60 Meter weicht er über einen halben Meter mehr vom Lot ab als sein italienischer Kollege in Pisa. Der Schiefe Turm ist Teil der 630 Jahre alten Oberkirche.

- Tief unter Bad Frankenhausen löst Wasser Salz- und Gips-Gestein auf, das sich hier vor etwa 250 Millionen Jahren in einem riesigen Meer ablagerte. Wird das Salz aus dem Untergrund gelöst, kann sich der Boden senken. Auf solch einem Senkungsgebiet steht der Schiefe Turm von Bad Frankenhausen.



Die Rettungsmaßnahmen:


Mit der Sicherungskonstruktion können Baugrundbewegungen zukünftig kompensiert werden, ohne dass eine Gefährdung der Standsicherheit eintritt. Das Prinzip des Konzeptes: Der Turm wurde mit zwei Fundamenten und einer Konstruktion aus Stahl und Stahlbeton in stabileren benachbarten Bereichen verankert. Es entstand eine robuste Dreipunktstützung, die auch bei Baugrundbewegungen die Standsicherheit des Turmes gewährleistet.



Auszug aus der Rettungsgeschichte:


- Der Einsturz eines Erdfalls in der Nähe der Oberkirche im Jahr 1908 war Anlass zur Besorgnis um das Fortbestehen der Oberkirche. Seitdem kämpfen engagierte Bürger zusammen mit Geologen und Architekten um die Rettung des Turms.

- 1911 wurden zunächst Stützpfeiler an der Ost- und Nordseite angebracht. Sie neigten sich jedoch schneller als die Kirche selbst und sind wieder abgetragen worden.

- Projektleiter Prof. Rüth ließ 1935/36 den Turm als Gesamtkörper stabilisieren. Die von ihm installierten Eisenringe um den Turm mit einer Verankerung am Langhaus erwiesen sich als sehr wirksam für den Erhalt der Kirche.

- Seit 1999 wurden mehrere Untersuchungen und Stabilisierungsmaßnahmen verwirklicht, u. a. wurde 2009 eine wirksame Baugrundverfüllung durchgeführt.

- Im Jahr 2012 konnten dank der eingegangenen Spenden weitere dringende bauliche Sicherungsmaßnahmen im Wert von 90.000 € umgesetzt werden: Das Außenmauerwerk des Turmes im Bereich der Südwestecke wurde durch Stahlteile und -seile gesichert. Die Schiefereindeckung der Laterne des Turmes wurde repariert und ab der ersten Laterne zusätzlich durch Netze gesichert. Der Baugrund wurde durch Injektionen im Bereich zwischen 3 bis in 8 Meter unterhalb der Fundamente auf der Ost- und der Nordseite vergütet. Der turmnahe Außenbereich auf der Nord- und Ostseite und im Bereich des Kirchenschiffes wurde durch eine Lehmschüttung so abgedichtet, dass ein unmittelbarer Feuchteeintrag in den Gründungsbereich eingeschränkt ist.

- Nach dem Födermittelbescheid Ende 2014 begannen die endgültigen Stabilisierungsmaßnahmen

(Quelle: www.der-schiefe-turm.de)
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