Etzleben trifft Bach

Die Etzlebener Kirche war fast bis auf den letzten Platz gefüllt

Es mutete ein wenig verschwörerisch an. Da hielt vor der Kirche von Etzleben letzten Mittwoch gegen 20.00 Uhr ein Bus. Es entstiegen ihm in Vorfreude auf das Kommende viele aufgeregte Personen, die sich heftig in einer fremden Sprache unterhielten. Plötzlich strömten aus allen Ecken des Dorfes die Einwohner herbei und bevölkerten ebenfalls die Kirche. Die Tür schloss sich und nach außen drang nur sehr wenig- gibt es einen neuen Geheimbund im Kyffhäuserkreis...?

Tatsächlich war es was Besonders für Etzleben, den Johann Sebastian Bach gab sich die Ehre. Nach seinem Umzug 1723 wo er Weimar verließ, um die Stelle als Thomaskantor in Leipzig anzutreten, besuchte er nun das zweite Mal Etzleben.
Der Reisegruppe aus Vugt und Bergen- op- Zoom (Niederlanden), die momentan zu Gast im Kloster Donndorf ist, gehört auch ein Organist an. So kam der Geschäftsführer der Ländlichen Volkshochschule Koster Donndorf Herr Arno Brombacher auf die Idee, ihm in einer Kirche der Region die Möglichkeit zu geben, seine Kunst demonstrieren zu lassen. Ganz unkompliziert stimmte Pfarrer Jens Bechtloff zu. Da es ja keine offizielle Veranstaltung war, wollte er auch keine offizielle Einladungen aushängen- nur Mundpropaganda war zugelassen. Aber wie das auf einem Dorf eben so ist... - die Kirche war voll!
Der Organist, Herr Wilem Visser, führte das Publikum in den Abend mit einigen biographischen und menschlichen Geschichten aus dem Leben eines der bedeutendsten Komponisten ein. So erfuhr man, dass das Genie, welches den "Geist Gottes" in seiner Musik widerspiegelt, auch ein streitsüchtiger Mensch war und sich von der holden Weiblichkeit sehr angezogen fühlte. Er zeugte 11 Söhne und 9 Töchter. Seine Kunst sah er selbst in einer anderen Welt- zwischen dem Realem, der Natur und Gott. Er erkannte die versteckten Geheimnisse der Harmonien und begründete sie mathematisch. Die Zahl 14, die sogenannte Bach- Zahl (nach der Summe der Position der Buchstaben seines Namens im Alphabet- B+A+C+H= 2+1+3+8=14), spielte bei ihm immer eine besondere Rolle und taucht in allen seinen Spätwerken in irgendeiner Form auf.
1729 wurde sein wahrscheinlich größtes Werk, die Matthäuspassion in der Thomaskirche in Leipzig uraufgeführt, indem er ein geheimes Selbstbildnis in Form von 63 Christus- Anrufungen (7x7+14) versteckt hat. Aus diesem Werk spielte der Organist Herr Visser einige Stücke, unter passagenweise Begleitung des Chores der Niederländischen Reisegruppe. Neben dem beeindruckenden Können des Organisten, dass Pfarrer Bechtloff umschrieb:" ...es ist nicht zu glauben was aus der alten Orgel noch herauszuholen ist!", sorgte auch die gute Akustik der Kirche für einen besonderen Klanggenuss. Was mir als relativ ungeübtem Klassikhörer in Erinnerung bleibt, wenn man sich vorurteilslos der Musik hingibt, ist ein Zitat von Helene Grimaud (franz. Pianistin) sehr zutreffend: "Wenn ich an Bachs Musik denke, dann habe ich das Gefühl, dass Gott Bach eine Menge schuldet."

Peter Keßler
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Svitlana Dontsova aus Ilmenau | 18.06.2014 | 08:10  
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