Faulenzertag

    Spieltag für Urgroßeltern
Es wurde nicht hell an diesem Mittwoch, es würde in absehbarer Zeit nicht hell werden. Bei solchem Wetter legen sich andere auf die faule Haut, lassen Petrus einen guten Mann sein. Was aber mache ich??? Hausarbeit ist getan, Zeitungsschau war schon zu lang, Linsensuppe dauert dank Vorbereitung, Schnellkochtopf und Küchengehilfe höchstens 30 Minuten. Ich muss mich bewegen, muss, muss bei Strafe von Gliederschmerzen Arme, Beine, Schultern, Hals und Kopf betätigen. Mein Befehl an mich lautete: „Verbinde Notwendiges mit Nützlichem, Schönem! Räume auf!“
Ich stieg hinauf ins Hobbyzimmer. In die große Schüssel mit dem Spielzeugwirrwarr legte ich noch zwei Kleinigkeiten, Spielkarten vom Verlag für Unterrichtsmittel VEB Pösneck. So beladen ging`s wieder hinab; denn dort sind der größte Tisch, Radio und Hörbücher.
Binnen zweier Minuten herrschte in der aufgeräumten kleinen Stube ein ungewohntes Spielzeugchaos. Der Tulpenstrauß hatte seinen Platz gewechselt, prangte rot zwischen Grünpflanzen auf der Fensterbank. Robinson-Quartett und Märchen-Legespiel lagen auf dem Laptop. Auf den Esstisch kippte ich den Inhalt einer Plastetüte: Bausteine in Bunt, viele naturbelassen, einige Holzhäuschen eines Dörfleins, Zäune, Bäume, Häuser, ein einsames Pferd, Plastehütchen, Eisen- sowie Holzkugeln und anderer Kram.
Ein Blick zur Uhr zeigte mir mein Zeitlimit. Eine Stunde. Pünktlich um 12 Uhr sollte der Linseneintopf auf dem Tisch stehen. Der Krempel wanderte ungeordnet in die Plastetüte zurück. Übrig blieb ein Holzzug mit Baumaterial. Ich ordnete: vier Waggons, einfache Holzverbindungsstücke, Würfel, Quader, Säulen mit runder bzw. quadratischer Grundfläche. Urenkels Lehrmaterial in Transporttechnik zierte den Esstisch.
Das Robinson-Quartett-Spiel fand auf ihm noch genügend Platz. Zwei Karten mit kleiner Schrift. Text über Daniel Defoe und Robinson Crusoe. Deutsch-Lehrstoff der 5. oder 6. Klasse in der DDR. Auch auf den Quartett-Karten Text. Die Durchsicht ergab Vollständigkeit und Ordnung. Gut gemacht Kinder! Also alles zurück in die Hülle und beiseite gelegt.
Das Märchen-Legespiel hatte trotzdem keinen Platz; denn es sollte laut Beschreibung aus zwei pädagogischen Anleitungskarten, neun einfarbig gedruckten Lösungskarten, sechs Märchenbildern zu je 12 farbigen Karten und drei zu je neun Farbkarten bestehen. Obenauf lag die Spielbeschreibung. Der Rest war ungeordnet; denn damit hatte ich mit den Enkelsöhnen oft und gern gespielt. Ich erinnere mich. Die Überprüfung auf Vollständigkeit war eine echte Herausforderung. Es galt neun Farben zu unterscheiden, 99 Einzelbilder zu neun Märchenillustrationen zusammenzufügen. Die Lösungskarten aber waren für mich viel zu klein, zu undeutlich.
Ich brauchte Platz. Deshalb verstaute ich Güterzug samt Ladung geschichtet in einem stabilen Schuhkarton. Obwohl mein Mann durch mein Kramen und die Einordnung kommentierendes Murmeln neugierig geworden war, verblieb mir zu wenig Zeit. Aber ich war nicht mehr allein beim Spielen und Erinnern. Er legte seine Zeitung weg, ich keine neue CD auf. Wir ordneten mit vereinten Kräften auf Ess- und Couchtisch. Zwischengelagert wurden Märchenbilder-Bruchstücke auf Tabletts, weil wir schnell einsahen, dass bis 12 Uhr kein Fertigwerden sein würde. Mir rannen vor Überanstrengung Tränen. Die Zeit rann ebenfalls. Sie verrann viel zu schnell.
Um 12, 30 Uhr Löffeln der Linsensuppe. Vorm Mittagschlaf machten wir in der Küche Klarschiff. Ausgeruht setzten wir um 14,30 Uhr das Spiel fort. Ich, auf einem Sessel sitzend, legte auf einem Tablett auf dem Hocker vor mir Märchen um Märchen, er hatte dafür den Esstisch zur Verfügung. Jedes neue Märchenbild bestaunten wir gemeinsam.
Zwei Märchenbruchstücke fehlten. Leider! Wir stapelten unsere Arbeitsergebnisse in der Plastehülle, vermerkten das Fehlende, verschlossen alles mit zwei Gummis. Nun verspürten wir Kaffeedurst. Zum Decken des Tisches brauchte ich das Tablett, nahm es vom Polsterhocker. Darunter hatten sich die zwei Ausreißer versteckt. Groß war unsere Freude über die Vollzähligkeit des Märchenlegespieles nach so langer Spielpause.
Abends stellten wir fest: „Heute ist ja der NOTHING-DAY. Na, den haben wir würdig mit Spielen begangen. Weiter tun wir heute NICHTS. Gegessen wird im Ca`fe RABENSWALDE vor dem Vortrag „Lese- und Reiselust“. Auf nach Island! Schlechter kann da das Wetter auch nicht sein.
Spieltag für Urgroßeltern
Es wurde nicht hell an diesem Mittwoch, es würde in absehbarer Zeit nicht hell werden. Bei solchem Wetter legen sich andere auf die faule Haut, lassen Petrus einen guten Mann sein. Was aber mache ich??? Hausarbeit ist getan, Zeitungsschau war schon zu lang, Linsensuppe dauert dank Vorbereitung, Schnellkochtopf und Küchengehilfe höchstens 30 Minuten. Ich muss mich bewegen, muss, muss bei Strafe von Gliederschmerzen Arme, Beine, Schultern, Hals und Kopf betätigen. Mein Befehl an mich lautete: „Verbinde Notwendiges mit Nützlichem, Schönem! Räume auf!“
Ich stieg hinauf ins Hobbyzimmer. In die große Schüssel mit dem Spielzeugwirrwarr legte ich noch zwei Kleinigkeiten, Spielkarten vom Verlag für Unterrichtsmittel VEB Pösneck. So beladen ging`s wieder hinab; denn dort sind der größte Tisch, Radio und Hörbücher.
Binnen zweier Minuten herrschte in der aufgeräumten kleinen Stube ein ungewohntes Spielzeugchaos. Der Tulpenstrauß hatte seinen Platz gewechselt, prangte rot zwischen Grünpflanzen auf der Fensterbank. Robinson-Quartett und Märchen-Legespiel lagen auf dem Laptop. Auf den Esstisch kippte ich den Inhalt einer Plastetüte: Bausteine in Bunt, viele naturbelassen, einige Holzhäuschen eines Dörfleins, Zäune, Bäume, Häuser, ein einsames Pferd, Plastehütchen, Eisen- sowie Holzkugeln und anderer Kram.
Ein Blick zur Uhr zeigte mir mein Zeitlimit. Eine Stunde. Pünktlich um 12 Uhr sollte der Linseneintopf auf dem Tisch stehen. Der Krempel wanderte ungeordnet in die Plastetüte zurück. Übrig blieb ein Holzzug mit Baumaterial. Ich ordnete: vier Waggons, einfache Holzverbindungsstücke, Würfel, Quader, Säulen mit runder bzw. quadratischer Grundfläche. Urenkels Lehrmaterial in Transporttechnik zierte den Esstisch.
Das Robinson-Quartett-Spiel fand auf ihm noch genügend Platz. Zwei Karten mit kleiner Schrift. Text über Daniel Defoe und Robinson Crusoe. Deutsch-Lehrstoff der 5. oder 6. Klasse in der DDR. Auch auf den Quartett-Karten Text. Die Durchsicht ergab Vollständigkeit und Ordnung. Gut gemacht Kinder! Also alles zurück in die Hülle und beiseite gelegt.
Das Märchen-Legespiel hatte trotzdem keinen Platz; denn es sollte laut Beschreibung aus zwei pädagogischen Anleitungskarten, neun einfarbig gedruckten Lösungskarten, sechs Märchenbildern zu je 12 farbigen Karten und drei zu je neun Farbkarten bestehen. Obenauf lag die Spielbeschreibung. Der Rest war ungeordnet; denn damit hatte ich mit den Enkelsöhnen oft und gern gespielt. Ich erinnere mich. Die Überprüfung auf Vollständigkeit war eine echte Herausforderung. Es galt neun Farben zu unterscheiden, 99 Einzelbilder zu neun Märchenillustrationen zusammenzufügen. Die Lösungskarten aber waren für mich viel zu klein, zu undeutlich.
Ich brauchte Platz. Deshalb verstaute ich Güterzug samt Ladung geschichtet in einem stabilen Schuhkarton. Obwohl mein Mann durch mein Kramen und die Einordnung kommentierendes Murmeln neugierig geworden war, verblieb mir zu wenig Zeit. Aber ich war nicht mehr allein beim Spielen und Erinnern. Er legte seine Zeitung weg, ich keine neue CD auf. Wir ordneten mit vereinten Kräften auf Ess- und Couchtisch. Zwischengelagert wurden Märchenbilder-Bruchstücke auf Tabletts, weil wir schnell einsahen, dass bis 12 Uhr kein Fertigwerden sein würde. Mir rannen vor Überanstrengung Tränen. Die Zeit rann ebenfalls. Sie verrann viel zu schnell.
Um 12, 30 Uhr Löffeln der Linsensuppe. Vorm Mittagschlaf machten wir in der Küche Klarschiff. Ausgeruht setzten wir um 14,30 Uhr das Spiel fort. Ich, auf einem Sessel sitzend, legte auf einem Tablett auf dem Hocker vor mir Märchen um Märchen, er hatte dafür den Esstisch zur Verfügung. Jedes neue Märchenbild bestaunten wir gemeinsam.
Zwei Märchenbruchstücke fehlten. Leider! Wir stapelten unsere Arbeitsergebnisse in der Plastehülle, vermerkten das Fehlende, verschlossen alles mit zwei Gummis. Nun verspürten wir Kaffeedurst. Zum Decken des Tisches brauchte ich das Tablett, nahm es vom Polsterhocker. Darunter hatten sich die zwei Ausreißer versteckt. Groß war unsere Freude über die Vollzähligkeit des Märchenlegespieles nach so langer Spielpause.
Abends stellten wir fest: „Heute ist ja der NOTHING-DAY. Na, den haben wir würdig mit Spielen begangen. Weiter tun wir heute NICHTS. Gegessen wird im Ca`fe RABENSWALDE vor dem Vortrag „Lese- und Reiselust“. Auf nach Island! Schlechter kann da das Wetter auch nicht sein.
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5 Kommentare
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 23.01.2014 | 18:46  
2.126
Silke Dokter aus Erfurt | 24.01.2014 | 09:03  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 24.01.2014 | 12:51  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 25.01.2014 | 00:27  
2.126
Silke Dokter aus Erfurt | 08.02.2014 | 18:37  
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