Glücksverlosung am Ostersonnabend

Der Korb ist fast leer.
 
Bis zum nächsten Familienfest werden wieder Gaben gesammelt.
Das etwas andere Ostereiersuchen
Wochen vor Ostern hatte ich einen Wäschekorb geleert aufgestellt. Gaben für die Enkel sollte er aufnehmen, Dinge, die für uns überflüssig waren, aber in einem jungen Haushalt nützlich sein konnten. Nach und nach füllte sich das Plastebehältnis mit Garnen, Gummis, gehäkelten Topflappen, einer winzigen Porzellanplatte, Untersetzern, Stiften, Mokkatässchen u. a. praktischen Sachen des Alltags sowie Schnulli mancher Art. Noch hatte ich nicht in jedem Schrank ausgewählt, noch war kein Buch in den Korb gewandert. Die Zeit wurde knapp. Ich spielte mit dem Gedanken, die Aktion, von der sowieso keiner wusste, ausfallen zu lassen. Ostereier mochten die Enkel schon im Jugendalter nicht suchen. „Kindisch!“ - Verlost sollte werden.
Am Ostersamstagvormittag letzte Vorbereitungen, sonst würde am Nachmittag nichts klappen. Immer hatte ich die Berlinerin um mich. Unmöglich! Sie bekam einen Arbeitstisch zugeteilt, schrieb auf meine Bitte hin Lose, wickelte die Dinge in Zeitungspapier, füllte den Korb neu. Ihre Aktivität verschaffte mir Zeit und Platz. Die Oster-Glücksverlosung konnte am Nachmittag stattfinden.
Nach Aufhebung der Kaffeetafeln verkündete ich: „Da unsere Enkel nicht gern Ostereier suchen, gibt es heute für sie und ihren Anhang eine Verlosung. Die gewonnenen Sachen dürfen verschenkt, vertauscht, auch abgelehnt werden.“ Der Korb wurde von der Bank im Hof hereingeholt. Der elterliche Enkelanhang forderte lauthals seine Teilnahme. Diese wurde gnädig gewährt. Das Gaudi begann: Lose wurden gezogen, Verwickeltes ausgerufen, Geheimnisvolles ausgewickelt, Unbekanntes erfragt. Nachdem der Zwiebelschneider, das Rädchen zum Herausrädeln eines Schnittmusters, die Kinderhosenträger, Minivasen erklärt waren, begann das Tauschgeschäft. Pärchen berieten, Singles befragten Elternteile. Alle wurden Ausrufer. „Tausche Stickgarn gegen Stopftwist.“ „Habe Hosengummi suche zum Ausrädeln Rockschnitt für meine Liebste.“
Am glücklichsten war Hannes, hatte er ja ein wildledernes Täschchen für sein Nähzeug ergattert, füllte es nun mit Näh-und Stopfgarn, Sternzwirn und Nadelsortiment. Wegen eines defekten Seitentäschchens war das Utensil aus meiner Handarbeitsunterrichtszeit kurzer Hand aussortiert, aber von mir für noch tauglich befunden, wieder einsortiert worden. Geringschätzig hatte die Berlinerin gemeint: „Ach, die nähen ja heute sowieso nicht mehr.“ Nun fanden die Enkelmänner im Seitentäschchen Omas Unterrichtsvorbereitung, klein zusammengefaltet, in Bleistiftschrift, aber nach über 20 Jahren noch gut lesbar, die Gedächtnisstütze einer Nichtstickerin fürs Tafelbild, Kreuzstichbeschreibung. Sie lasen, schüttelten die Köpfe. Auch die jungen Frauen verstanden nichts. Damals hatten über zwanzig Schüler, Mädchen wie Jungen einer vierten Klasse vor mir gesessen, hatten Häkeln und Stricken erlernt, Knöpfe angenäht, Löcher gestopft, gestickt. Nur das Nähmaschinenähen aus dem Lehrplan war uns aus Mangel an Maschinen erspart geblieben. Jetzt erinnerte ich mich an eifrige Jungen, akkurate Handarbeitsergebnisse sowohl der Mädchen als auch der Jungen, zwei linke Mädchenhände, Mädchentränen auf misslungenem Gestrick.
Tochter drehte einen Gegenstand in den Händen, der ein eingewickelter Handspiegel sein konnte. Lustig erklang: „Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist die Schönste…?“ Es folgte mehrstimmig: „Auspacken, auspacken! Mutti pack aus!“ Lautes Lachen begrüßte das gestielte Holzbrettchen, eine echte Handwerkerarbeit unseres Schwagers. Als Highlight hatte ich sie zur Verlosung freigegeben. Würde unsere Große das Holzbrett einem ihrer Söhne gönnen?
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13 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 18.04.2012 | 10:59  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 18.04.2012 | 11:19  
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Karin Jordanland aus Artern | 18.04.2012 | 11:37  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.04.2012 | 19:54  
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Karin Jordanland aus Artern | 18.04.2012 | 20:44  
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 18.04.2012 | 21:04  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.04.2012 | 21:38  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.04.2012 | 01:48  
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Karin Jordanland aus Artern | 19.04.2012 | 08:23  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.04.2012 | 11:39  
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Karin Jordanland aus Artern | 19.04.2012 | 11:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.04.2012 | 11:51  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 19.04.2012 | 21:06  
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