Gute Tradition

3. Konzert des Loh-Orchesters in Wiehe
„Bach und Söhne“, 24. Februar 2013, 17.00 Uhr, Festsaal im Stadtpark Wiehe. Das hatte ich mir im Kalender notiert. Im Kopf hatte ich die Daten und Missbehagen: „Wie kann man uns ein ganzes Bach-Konzert anbieten?! Warum nicht Abwechslung im Programm wie sonst?!“
Zum Glück hielten uns das ungemütliche, nasse Winterwetter und der Straßenzustand nicht vom Gang zum Stadtpark, am anderen Ortsende gelegen, ab. Mein Misstrauen war unbegründet. Ich hätte es wissen müssen; denn noch nie hatte uns das Orchester mit seinem musikalischen Leiter Markus L. Frank enttäuscht, immer waren wir begeistert gewesen. Zum Glück gab es so dumme Vorurteile wie das meinige sicher nur bei ganz wenig Leuten; denn nach Aussage des Hausmeisters waren über 200 Sitzplätze bereit. „Es ist kaum ein leerer Stuhl zu erblicken“, verkündete mir mein Mann, nachdem er seinen scharfen Blick hatte schweifen lassen.
Das Loh-Orchester war mit kleinerer Besetzung als sonst angetreten, hatte uns aber drei ausgezeichnete Solisten mitgebracht: Katharina Olivia Brand am Hammerflügel, Adrian Liviu Stanciu Violine und Johannes Neubert Querflöte.
Schon die kurzen, fundierten Einführungen des musikalischen Leiters ließen mich mein vorschnelles Urteil erkennen. Ich hatte nicht bedacht, dass es in der menschlichen Geschichte auch schnelle Veränderungen geben kann, also Umbrüche zwischen nur zwei Generationen, die sich auch in den Künsten widerspiegeln. So geschehen in der Musik Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) und seiner musikalischsten Söhnen, Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788) sowie Wilhelm Friedemann Bach (1710 – 1784). Vorurteile beruhen immer auf Unwissenheit, Dummheit.
Das Orchester und die Solistin auf dem Hammerflügel eröffneten den Abend mit dem Clavierkonzert a-Moll. Es war ein Ohrenschmaus, den alle Konzertbesucher genossen und mit starkem Beifall belohnten.
Auf die Sinfonia F-Dur von Wilhelm Friedemann Bach war ich besonders neugierig, hatte ich doch als Jugendliche Albert Emil Brachvogels Roman über den außergewöhnlichen Musiker mit Staunen gelesen. Wie konnte ich das bloß vergessen haben! Friedemanns Komposition unterscheidet sich sehr von der seines Bruders und natürlich von der des Bach-Vaters. Sie ist voller Dissonanzen, Überraschungen, voller Widersprüche so wie unser Leben.
Nach der Pause folgte das 5. Brandenburgische Konzert für Flöte, Violine und Klavier von Johann Sebastian Bach. Wie bisher immer war dies durch die Leistungen der Solisten und des Orchesters noch eine musikalische Steigerung, die wir mit anhaltendem Beifall belohnten.
Die Gespräche in der Garderobe und auf dem Heimweg waren von Dankbarkeit geprägt. Ich hörte: „Konzerte am Ort gute Tradition, kleine Besetzung kein Nachteil, tolles Programm, gute Leistungen, Klasse-Kammermusik, vertraute Umgebung, gute Bewirtung, Treffen Gleichgesinnter, Gelegenheit zu vielen Gesprächen.“
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4 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 28.02.2013 | 19:11  
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Karin Jordanland aus Artern | 28.02.2013 | 21:41  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 28.02.2013 | 22:25  
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Petra Seidel aus Weimar | 03.03.2013 | 22:13  
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