Lernen Sie ein Industriedenkmal kennen!

Kompetenter Verantwortlicher für das Industriedenkmal "Zuckerfabrik Oldisleben" und seine aufmerksamen Zuhörer
Ein Herz für alte Technik
Treppauf, treppab wurden wir von dem in Sachen Zucker und Maschinen kompetenten Leiter des technischen Denkmals geführt. Sein Herz und sein Verstand gehören dem Industriedenkmal. Während der Führung schwärmte er von der Schönheit des Industriebaus, der Leistungsfähigkeit alter Maschinen, dem erfinderischen Geist der Arbeiter, dem Zusammenspiel der Maschinen in drei Ebenen. Stets hatte er Vergleiche zwischen heutiger und damaliger Zuckerproduktion parat, konnte Geschichten vom Fleiß und Erfindergeist unserer Vorfahren erzählen, demonstrierte uns die Schwere ihrer Arbeit. Alles ließ er uns sehen, begreifen, erfragen und bewundern.
Am Schluss der fast zweistündigen Führung war ich wie sicher alle am Ende meiner Kräfte, aber vorm inneren Auge lief die Zuckerproduktion ab: Waschen und Zerkleinern der Rüben, Transport der Rübenschnitzel im warmen Wasser zum Auslaugen der Saccharose, schwarz-blauer Rohsaft, Entfernung organischer und anorganischer Stoffe mit Kalkmilch. Ich sah, wie der benötigte gebrannte Kalk vor Ort gebrannt wurde, so dass gleich das entstandene Kohlendioxyd eingeleitet werden konnte, sah Filtration zur Entfernung des Kalkes und dessen Abtransport als Dünger, sah den gelb-grünen Dünnsaft mit nur 12-15 % Zucker, der zur Erhöhung des Zuckergehaltes Verdampfer durchläuft, als Dicksaft in Zwischenbehältern gelagert und portionsweise den Kochkesseln zugeführt wird. Ich sah den Zuckerkocher vor diesen die Auskristallisierung des Zuckers überprüfen, sah die Zentrifuge zur Trennung des Restsaftes, sah diesen als Melasse abfließen, sah den Weißzucker in Säcke rieseln, die Rübenschnitzel mit geringem, nicht mehr gewinnbarem Zuckeranteil als Futtermittel auf Pferdewagen zu den Bauern fahren.
Wer annimmt der Direktor des Industriedenkmales habe nur Augen für Maschinen und Anlagen gehabt, irrt. Er behielt uns Besucher im Blick, fragte fürsorglich die Kollegin mit Krücken: „Werden sie auf den Treppen zurechtkommen?“ Er sprach mich persönlich an: „Geht`s mit ihren Augen noch?“ und fuhr erst nach meiner Bestätigung beruhigt mit seinem Vortrag fort.
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6 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 08.10.2011 | 19:38  
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Hannelore Grünler aus Artern | 08.10.2011 | 19:50  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 08.10.2011 | 20:00  
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Hannelore Grünler aus Artern | 08.10.2011 | 20:18  
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 10.10.2011 | 22:22  
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Hannelore Grünler aus Artern | 11.10.2011 | 22:10  
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