Lohn der Arbeit

geöffnete Schreibmappe mit Büttenbriefpapier, Brieföffner (Finnendolch=Kriegsgeschenk), Briefwaage
Mein Dachdeckergroßvater hatte ein schweres, entbehrungsreiches Leben. Aber er besaß einen Schreibtisch und ein Harmonium. Wie kamen diese Gegenstände in einen Handwerkerhaushalt? Seine Schreibarbeiten hätte er am Küchentisch erledigen können. Der musikalische Herr hatte nie ein Instrument erlernt, sang aber gern und mit klarer Stimme zu Hause und im Kirchenchor. "Wieso besitzt Opa ein Harmonium," fragte ich mich oft. "er hatte doch nie viel Geld?" Er hatte Schreibtisch und Harmonium auch nicht mit Geld gekauft, sondern beides in einem Tauschgeschäft erhandelt. Seine Arbeit gegen einen gearbeiteten Gegenstand, Arbeit gegen Arbeit. So weit zurück warf die Inflation die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland. Opas Schreibtisch, jetzt meiner, war aber einst ein Harmonium. Weil ein Dachdecker nie und nimmer zwei Harmonien brauchte, musste der Harmoniumbauer das Instrument in einen Schreibtisch umbauen, um notwendige Dachdeckkerarbeiten begleichen zu können.
Ich sitze also an einem zu Beginn des vorigen Jahrtausend umgebauten Harmonium, das durch Tauschhandel in meiner Großeltern Haus gelangte, schreibe auf dem Laptop ins Mitmachportal des AA, lese die neusten Nachrichten über die Finanzkrise und denke über den gesellschaftlichen Fortschritt nach.
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6 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 25.10.2011 | 14:49  
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Bärbel Jähnert aus Gera | 25.10.2011 | 18:28  
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Renate Jung aus Erfurt | 25.10.2011 | 23:48  
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Petra Seidel aus Weimar | 26.10.2011 | 17:25  
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 26.10.2011 | 22:50  
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Hannelore Grünler aus Artern | 27.10.2011 | 01:05  
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