Nicht "alles easy"!

Textilarbeit einer Freundin anlässlich der Goldenen Hochzeit
Nachgeschlagen
in „alles easy“, einem Wörterbuch des Neudeutschen, habe ich zufällig. Ich hatte das gewichtige Lexikon der Medizin an seinen Platz in der Reihe meiner Nachschlagewerke zurückgestellt und dabei das schmale Bändchen von Elke Schönfeld heruntergestoßen. Leicht war es nicht gewesen, das Büchlein hervorzuholen. Ich musste unter den Schreibtisch kriechen, mich recken und strecken, damit mein Arm bis unters Bücherregal langen konnte. „Ach, bist du alt geworden“, stöhnend, erhob ich mich, sank auf den Schreibstuhl, begann zu blättern, zu lesen, zu vergleichen, mich zu erinnern.
GEIL: Dieses Wort hatte ich einst unserer Nichte im Zusammenhang mit Pflanzen erklärt. (geiler Trieb) Für seinen Bezug auf Sex war sie mir zu jung erschienen. Ich verabscheute Ausdrücke wie geiler Bock, geile Alte wegen ihrer Menschenverachtung. In der Sprache unserer Kinder (Jg. 1957, 1961) war mir dieses hässlich klingende Wort nie aufgefallen, wohl aber viel später immer öfter als Verächtlichmachung von Alterssexualität. In der modernen Psychologie gilt Sexualität als Lebensbedürfnis vom Säuglingsalter bis zum Lebensabend. Gut so! Nun las ich als 75-Jährige nach, was Elke Schönfeld Ende des vorigen Jahrtausends (3. unveränderte Auflage, erschienen 1997) zum häufig gebrauchten Wort GEIL notiert hatte.
„GEIL: eigentlich zu jung für dieses Buch, aber unausrottbar, bis vor etwa 15 Jahren noch ausschließlich sexuelle Komponente, nun in selten schöner Rückwendung zu den alt- und mittelhochdeutschen Wurzeln wieder in seiner alten Bedeutung: GEIL = kraftvoll, lustig, schön.
Ich staunte, hatte ich doch einen interessanten Bedeutungswandel gar nicht wahrgenommen, war mit einem Kommentar im BürgerPortal erst neulich einem jüngeren BürgerReporter zu nahe getreten. Ich fuhr meinen Laptop hoch, suchte und fand GEILE SCHEIßE. Gut, die gehörte Musik konnte kraftvoll, auch lustig, schön gewesen sein, nie aber SCHEIßE. Oder hatte sich die Bedeutung des Sch-Wortes ganz in sein Gegenteil verkehrt?
„Jeder vernünftige Mensch will, dass man ihn versteht.“ (estnischer Dichter Tammsaare aus „ Der Satan mit gefälschtem Pass“, 1939) - Wie schwer VERSTÄNDIGUNG ist, sogar in der Muttersprache!
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6 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 21.10.2011 | 11:27  
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Herbert Rietz aus Erfurt | 21.10.2011 | 11:31  
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Petra Seidel aus Weimar | 22.10.2011 | 16:38  
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Renate Jung aus Erfurt | 24.10.2011 | 10:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 25.10.2011 | 12:04  
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Renate Jung aus Erfurt | 25.10.2011 | 23:45  
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