Poetik gegen Politik

Meine Wochen der Poesie
Dieser Tage hörte ich, auf dem Schreibtisch solle man immer einen freien Platz von der Größe eines Buches haben. Schön und gut! Aber seit Wochen muss ich stapeln; denn über Blumensprache, Blumenorakel, Blumenwörterbücher sowie Blumenuhren in dem Buch „BLUMEN und wie du sie bindest, so wird nun erst ein Leben daraus“ kam ich zu Lyrikern wie Hermann Hesse und seinem Buch „Im Garten“ und Eva Strittmatters Lyrikband „Die eine Rose überwältigt alles“(Aufbau Taschenbuch Verlag, 2. Auflage 1998). Die Königin der Blumen, die Rose, scheint alle empfindsamen Menschen am meisten zu beeindrucken. Verse über Rosen fand ich in allen drei Blumenbüchern.
Hermann Hesse „Im Garten“ Betrachtungen und Gedichte, mit farbigen Abbildungen, herausgegeben von Volker Michels, Insel Taschenbuch, 1. Auflage 1991
Zitat auf der Rückseite: „Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“ Also meditieren wir mit Hermann Hesse!
aus Düfte:
Der Duft der Rose
nimmt dich in einen süßen Bann,
rührt dich liebkosend leise
wie eine Liederweise
mit Ahnung voller Schönheit an,
ist ohne Gleichnis rein und zart:
Du kannst es nicht ermessen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine süße Gegenwart.

Weiße Rose in der Dämmerung
Traurig lehnst du dein Gesicht
übers Laub dem Tod ergeben,
atmest geisterhaftes Licht,
lässest bleiche Träume schweben.

Aber innig wie Gesang
weht im letzten leisen Schimmer
noch den ganzen Abend lang
dein geliebter Duft durchs Zimmer.

Deine kleine Seele wirbt
ängstlich um das Namenlose,
und sie lächelt, und sie stirbt
mir am Herzen, Schwester Rose.
(Hermann Hesse, deutscher Schriftsteller, 1877 – 1962)

Eva Strittmatter
Mondrose
Komm in mein Zimmer, wenn Mondlicht ist!
Es hat sieben Fenster mit Seidengardinen.
Die werden vom vollen Mondlicht
wie Rosenblätter durchschienen.

Das bin ich sicher: Du hast noch nicht
in einer Rose gelegen.
Wir lassen uns vom Mondeslicht
im Innern der Rose bewegen.

Julinacht
In der Stille schlafen die Düfte
der kleinen Blumen beim kleinen Licht.
Aber leise leben die Lüfte:
Die Rosen schlafen nicht.

Die eine Rose
Die eine Rose überwältigt alles,
die aufgeblüht ist aus dem Traum.
Sie rettet uns vom Grund des Falles,
schafft um uns einen reinen Raum,
in dem nur wir sind und die Rose
und das Gesetz, das sie erweckt.
Und Tage kommen reuelose
vom Licht der Rose angesteckt.
( von Eva Strittmatter, deutsche Lyrikerin, 1930 – 2011)

„BLUMEN und wie du sie bindest, so wird nun erst ein Leben daraus“

Scherzhafte Gedanken über die Rosen
An Rosen such ich mein Vergnügen,
an Rosen, die die Herzen ziehn,
an Rosen, die den Frost besiegen
und hier das ganze Jahr durch blühn,
an Rosen, die wir bei den Linden,
sonst nirgends leicht so reizend finden.

Man lobt die bräunlichen Violen,
sie sind auch ihres Lobes wert;
doch weil sie nur die Kinder holen,
so bin ich nicht vor sie erklärt
und wähle mir die holden Strahlen,
womit die vollen Rosen prahlen.

Erhebt mir nicht die Kaiserkronen,
die sonder Kraft und Balsam sind,
entfernt euch mit den Anemonen,
ihr Nam` und Ruhm ist nichts als Wind;
Narzissen sind im besten Lande
ein Abriss von dem Unbestande.

Die Rose trägt das Blut der Götter
und ist der Blume Königin,
ihr Antlitz sticht das schönste Wetter
und selbst Aurorens Wangen hin,
sie ist ein Stern der milden Erden
und kann von nichts verfinstert werden.

Die Ros` erquickt die blöden Sinnen
und hat das beste Zuckerrohr;
ihr goldner Umfang bricht von innen
so wie die Sonn` aus Nacht hervor;
die Rose nährt die süßen Triebe
und reizt die Liebe selbst zur Liebe.

Mit Rosen schmück` ich Haupt und Haare,
die Rosen tauch` ich in den Wein,
die Rose soll vor meine Jahre
die allerbeste Stärkung sein,
die Rose zieret meine Flöten
und krönt mich mächtigen Poeten.

Auf Rosen mach` ich gute Reime,
auf Rosen schläfet meine Brust,
auf Rosen hab` ich sanfte Träume
von still- und warm und weicher Lust,
und wenn ich einst von hinnen fahre,
so wünsch` ich Rosen auf der Bahre.

Oh dörft` ich nur bei einer Rose
wie Bienen Honig naschen geh`n!
Ich ließe wahrlich unserm Bose
den schön und teuren Garten stehn
und wollt es mir bald angewöhnen
mich nie nach fremder Kost zu sehnen.

Mit dieser Rose will ich scherzen,
und hier erschröckt mich nicht der Dorn;
denn bei verliebt und schönen Herzen
ergötzt uns oft ein kleiner Zorn,
und so viel Anmut abzubrechen,
verachtet man ein kurzes Stechen.
(von Johann Christian Günther, deutscher Schriftsteller, 1695 – 1723))
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 25.03.2014 | 22:53  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 04.04.2014 | 10:06  
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