Regelschüler aus Roßleben kreieren Sonnenuhr auf Schulhof

Wann? 21.05.2012

Wo? Regelschule , Roßleben DE
Die ersten Zeitangaben entstehen mit Kreide auf dem Schulhof
 
Die Zehntklässler der Regelschule Roßleben vor der vollendeten Sonnenuhr
Roßleben: Regelschule | von Katrin Willmitzer

Unerwartete Unterrichtsstunden bescherte am vergangenen Montag Markus Willmitzer den Zehntklässlern der Regelschule in Roßleben. Für seine wissenschaftliche Hausarbeit zum Erwerb des ersten Staatsexamens mit der Thematik „Physikalisch-astronomische Aspekte des Baus von Sonnenuhren und deren Kulturgeschichte in Thüringen“ wurde ein kleines Projekt ins Leben gerufen und eine vergängliche Sonnenuhr auf dem Schulhof errichtet.
Zunächst erhielten die Schüler im ersten Teil der Doppelstunde einen theoretischen Einblick in die Grundlagen der Gnomonik (Lehre der Sonnenuhren). Mit einem Power-Point-Vortrag wurden zu Beginn verschiedene Bauarten von Sonnenuhren vorgestellt und das Interesse der Schüler geweckt. Zwar hat wahrscheinlich jeder schon einmal einen Schönwetter-Zeitanzeiger an einer Haus- oder Kirchenwand – vielleicht sogar den bekannten „Tod von Gorsleben“, bei der als Schattenwerfer das Sensenblatt oder die Heugabel eines Gerippes dient – oder eine Äquatorialsonnenuhr, wie man sie an der Klosterschule in Roßleben oder vor der Kyffhäusertherme in Bad Frankenhausen bewundern kann, gesehen. Horizontale Sonnenuhren dagegen, bei denen ein ausgerichteter Schattenstab aus dem Erdboden ragt oder der eigene Schatten die Zeit anzeigt, sind in unserer Gegend sehr rar gesät. Dies sollte sich an der Regelschule ändern. Vorher wurden weitere theoretische Grundlagen, wie der Verlauf der Sonne, das Zustandekommen des Analemmas an der scheinbaren Himmelskugel und die Einführung der Zeitzonen, gelegt. Viele Schüler haben verdutzt nach vorn gesehen, als sie erfuhren, dass in Deutschland erst seit der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs im 19. Jahrhundert eine einheitliche Zeit existiert. Vorher zeigten die Uhren in Bonn eine andere Zeit als in Berlin. Im Anschluss wurde die Thematik der Winter- und Sommerzeit beziehungsweise der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) behandelt und die Schüler erhielten Einblicke in die wichtige Berechnung der Azimutwinkel zum Bau von Sonnenuhren. Die Sonnenuhr sollte so berechnet werden, dass sie die Zeit anzeigt, die auch auf der Armbanduhr abgelesen wird.
Nachdem die Grundlagen gelegt waren, konnte man sich nun um die Konstruktion und den Bau der horizontalen Sonnenuhr kümmern. Dazu zeigte Markus Willmitzer den Schülern, wie man auch ohne Kompass – dieser zeigt leider nur den magnetischen, nicht aber den geforderten geografischen Nordpol an – Norden und Süden bestimmt. Mit der errechneten Kulminationszeit für den Standort in Roßleben und einem senkrechten Stab konnte die Nord-Süd-Linie schnell auf dem Schulhof aufgetragen werden. Anschließend haben sich die Schüler darauf geeinigt, dass der Schatten eines jeden Schülers die Zeit anzeigen soll. Dazu wurden kurzerhand Markierungen für bestimmte Körpergrößen berechnet. Nachdem alle Schüler sämtliche wichtige Werte zum Bau der Sonnenuhr übernommen hatten und in Gruppen eingeteilt waren, konnte der Bau des Zeitanzeigers beginnen. Jeder Schüler war eifrig bei der Konstruktion und in kurzer Zeit konnte auf dem Schulhof eine vergängliche Sonnenuhr entstehen, bei der der eigene Schatten die Uhrzeit anzeigt. Über die exakten Uhrzeiten staunten die Schüler nicht schlecht, als der Schatten des Kopfes die gleiche Zeit wie die Armbanduhr anzeigte. Mit Begeisterung und einem Lächeln auf den Lippen, etwas gemeinsam auf dem Schulhof erstellt zu haben, wurde die Stunde beendet.
Auch die Schulleitung ließ es sich in der ersten großen Hofpause nicht nehmen und probierte selbst die Sonnenuhr aus. Schulleiter Hans-Jürgen Weilepp war begeistert und plant in naher Zukunft eine Sonnenuhr an der Regelschule zu installieren. Hoffen wir, dass auch diese den Schülern so viel Freude bereitet wie die vergängliche – auch wenn der nächste Regen die Kreide verschwinden lassen wird.
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