Rumpelstilzchen

  Märchenhafte Tradition
Am Nikolaustag besuchten wir die 3. Märchenvorstellung der Gruppe Wiehe/Donndorf im Stadtpark Wiehe. Lange vor Beginn war der Festsaal voll besetzt. Wie bei Vormittag- und Nachmittagvorstellung waren alle Besucher vom „Rumpelstilzchen“ hell begeistert. Lachen und anhaltender Beifall zeigten, dass es allen gefiel. Die Laiendarsteller erhielten wohlverdiente Anerkennung. Schon vor der relativ kurzen Probezeit hatten sie sich mit dem Märchenstoff vertraut gemacht, gelesen, beobachtet, wie andere es machen, sich gegenseitig angespornt, weil sie ihre Zuschauer nicht enttäuschen wollten.
Ich überlegte, warum Sturm Xaver, Kälte und Schnee die Besucher nicht vom Kommen abgehalten hatten, worin das Besondere der zur Tradition gewordenen vorweihnachtlichen Märchenspiele besteht. UNSERE SCHAUSPIELER lieben Kinder und Märchen. Sie wollen IHREM PUBLIKUM Freude bereiten. Im Saal und auf der Bühne kennen alle einander. Gäste von auswärts werden mitgerissen.
Die Erzählerin (K J) ist mir aus der Wiehe-Information, als Mutter, Oma, BRin, Mitglied der Frauengruppe Donndorf, Radler- und Schwimmerin bekannt. Von früheren Veranstaltungen weiß ich, dass sie gut organisieren kann. Heute ist sie Märchenoma, liest vor, als stände alles in dem großen, dicken Märchenbuch.
Rumpelstilzchen spielt H K, eine ruhige Bürgerin, Ehefrau und Mutter. Auch sie ist eine gute Organisatorin, bewies es bei vielen Hoffesten. Heute übertrifft sie sich in der Rolle des Koboldes selbst, spinnt Stroh zu Gold. Als Lohn nimmt er lieber etwas Lebendiges als Schmuck. Um das zu erhalten ist er listig, ja hinterlistig, tanzt schadenfroh singend ums lodernde Feuer. Mit Sturm und Donner (gefährlicher als Tief Xaver) dringt er ins Schloss. Als sein Name genannt wird, stampft er wütend, dass die Bühnenbretter beben und krachen.
In der Rolle des Müllers Kunz sehen wir U K. Ich kenne sie aus dem Volkshochschul-Englischunterricht, als Mitglied der Tischler-GmbH, als Karnevalistin, Ehefrau, Mutter, Schwimmerin nur fleißig, ehrlich, bescheiden. Heute spielt sie einen Faulpelz, Prahlhans, im ganzen Königreich als Lügner bekannten Müller, der zur Freude aller seine Lügengeschichten sogar selbst glaubt. Bravo! Gut gefaulenzt, geprahlt, gelogen, überzeugend andere zur Arbeit angetrieben!
Auf seine Tochter Marie (S B) nimmt der Müller keine Rücksicht, lügt, prahlt sie fast ins Verderben. Marie ist fleißig, scheint den Müllerburschen Hans (D B) zu lieben, aber kurzsichtig verspricht sie ihr erstes Kind ihrem Helfer in der Not und wird so zur Prinzgemahlin, zieht die bevorzugte Stellung und das bequeme Leben am Hof vor.
Ich hätte dem fleißigen, wahrheitsliebenden Müllerburschen Hans (D B) die Erfüllung seiner Liebe zu Marie gegönnt. Das wäre gerechter gewesen, aber nicht im Sinne des Volksmärchens. Zum Glück macht der Prinz (S L) im Verlauf der Märchenhandlung eine Wandlung durch. Er wird vom gelangweilten, spielsüchtigen Königssohn zum verliebten Jüngling, zum liebenden Gatten und Vater, der mit Ausdauer reitend sein Söhnchen vor dem Kobold rettet, indem er dessen Namen erlauscht.
Das zärtlich geliebte Knäblein wird also am Schloss aufwachsen, zwischen der goldgierigen Königin (I B), dem liebedienernden Schatzmeister (R S) und eilfertigen Boten (K L sowie L B). Ich fragte mich, ob er da ein wertvoller Mensch werden kann.
Über das Spiel des jüngeren Boten komme ich ins Grübeln: „Wie die Zeit vergeht! Einst spielte die Botenmutter als Schülerin eine Hauptrolle. Als junge Mutter erlebte ich sie in verschiedenen Rollen erfolgreich auf der Bühne. Beim „Schneewittchen“ saß ihr Söhnchen auf Omas Schoß und weinte bitterlich, als seine Mama sterben sollte. Jetzt stand er zum wiederholten Male mit seiner Mutter auf den Brettern, die die Welt bedeuten.“ Wie ich wird manch älterer Besucher ins Grübeln gekommen sein.
Zum Lachen aber bringt uns des Müllers Nachbar Schulz (K K). Gewichtig, plump kommt er daher, fläzt auf der Bank, trinkt mit dem Faulpelz Wein, ergattert mit List ein paar Goldkrümel. Seine Texte sind kurz, dummdreist, naiv und doch so witzig und hintergründig.
Auch dieser Bezug zum örtlichen und bundesweiten Geschehen ist Merkmal der Theatermärchen in Wiehe, ist es von Anfang an gewesen. Heute wird z. B. ans Googeln und Lauschen erinnert. Wir lachen herzlich, merken, dass nicht nur die märchenhaften Kulissen, Kostüme und Geschehnisse ins rechte Licht gerückt werden, sondern auch die städtische und große Politik.
Geschickt holt die Theatergruppe Wiehe/Donndorf weitere Mitglieder ins Märchenboot, so die Musiklehrerin, einen Beleuchter. Stolz erklärt mir meine Sitznachbarin, mein Nähengel, welche Kostüme sie geschneidert hat.
Euer dankbares Publikum dankt Euch für eine weitere zauberhafte Märchenaufführung. Weiter so! Wir freuen uns schon jetzt auf das Nikolausmärchen 2014.
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1 Kommentar
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Uwe Zerbst aus Gotha | 26.12.2013 | 19:06  
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