Sehen geht vor Hörensagen (1)

  Engel- oder Osterhasen-Schule (Teil 1)
Einst las ich: „Wenn im Alter die geistigen Fähigkeiten nachlassen, so liegt das nicht am menschlichen Gehirn, sondern am allmählichen Nachlassen der fünf Sinnesorgane. Das Denkorgan selbst ist bei entsprechendem Training bis ins hohe Alter lernfähig, erhält aber vom Gesichts-, Gehör-, Geschmack-, Geruch- und Tastsinn nicht mehr genügend bzw. falsche Sinneseindrücke.“
Ich dachte: „Kluge Hirnforscher! Wie tröstlich! Also heißt es: Training unseren grauen Zellen! Training für ihre Zulieferer: Augen, Ohren, Nase, Mund, Haut! Lässt sich machen. Nutze die Zeit!“
Einst riet die Augenärztin: „Lesen sie trotz AMD, so lange es irgend möglich ist!“ Ich las Großdruck-Bücher, las am PC Großschrift, las und lese mit Lupe, jetzt meistens mit beleuchteter, auch wenn das Lesen immer anstrengender wird. Meine kranken Augen erhalten jede mögliche Unterstützung: viel Bewegung, gute farbige Nahrung, teure Zusatzstoffe, drei Liter Flüssigkeit pro Tag, hoffentlich ausreichend Ruhepause aller vier Stunden.
Bewusst trainiere ich meinen Gehörsinn. Als ich „Anders sehen“ im Internet gelesen hatte, versuchte ich, es den Blinden gleich zu tun, mit den Ohren zu sehen: Kommt ein Auto? Wie viel Tropfen Mundwasser oder chinesisches Minzöl fallen ins Glas? - Mit geschlossenen Augen zählte ich, zählte bei laufender Bad-Lüftung, später bei laufender Waschmaschine. Es klappte auch, wenn zusätzlich im Nachbarzimmer eine Maschine lärmte. Es klappte nicht mehr, als ich zwei Wochen Gehörtrainingspause eingelegt, als ich wie alle Leute mit den Augen kontrolliert hatte, wie die Tröpfchen ins Glas fielen.- Also dran bleiben!
Mit den Ohren im Straßenverkehr zu sehen, ist gefährlicher. Deshalb sagte die besorgte Nachbarin: „Du musst erst um die Ecke gucken, ehe du über die Straße gehst. Nicht umsonst heißt sie die SCHARFE ECKE.“ Meiner Erklärung lauschte sie, erwiderte aber bestimmt: „Du MUSST GUCKEN, noch bist du nicht blind!“ Dass sie Recht hatte, sah ich ein, als ein egoistischer Verkehrsrowdy bei offenem Fenster, volle Pulle Musik hörend mit erhöhter Geschwindigkeit an mir vorbeiraste. Danach waren meine sensibilisierten Ohren wie taub. Ich rief wutentbrannt: „Egoistischer Idiot!“; denn ich musste an die Eltern und ihr blindes Kind aus dem Internet denken. Es kann nicht wie ich mit den Augen kontrollieren, ob seine Ohren richtig gesehen haben.
Zum Spaß ertaste ich beim Aufhängen der Wäsche das Material der Klammern. Plaste oder Holz? Das klappte schnell. Die Temperaturen helfen mir bei diesem leicht zu kontrollierenden Spiel. Unterschiedliche Farben gleichförmiger Wäscheklammern kann ich aber nicht ertasten. Wer behauptet, das zu können, ist in meinen Augen ein Lügner.
Aber unsere fünf Sinne lassen sich bestimmt alle bei gezieltem Training auch im Alter noch schärfen. Man darf nur nicht ALLE FÜNF GERADE SEIN LASSEN! Außerdem muss man wissen, was Wahrnehmung und Denken noch beeinflussen kann. Dies erfuhr ich, als Engel und Osterhasen aus der Spielzeugkiste befreit, vor meinen und der Tochter Augen davon schwebten bzw. hoppelten.
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4 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 02.02.2014 | 16:55  
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Regina Kleiber aus Sondershausen | 02.02.2014 | 17:40  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 02.02.2014 | 17:56  
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Petra Seidel aus Weimar | 03.02.2014 | 08:59  
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