So geht das

Weg mit dem Rotstift!
Durchschauen
Seit dem 29. 10. ist im Radio Figaro der Roman „Schlachthof Nr. 5 oder der Kinderkreuzzug“ vom amerikanischen Schriftsteller Vonnegut zu hören. Anfangs dachte ich verwundert: „Nanu, wieso der Antikriegsroman aus der Zeit des Vietnamkrieges jetzt?“ Schon damals hielten mich Titel und Stil vom Griff zum Buch ab. „Aha“, ging es mir durch den Sinn, „Vonnegut wäre am 11. 11. 90 Jahre geworden. Wie gut wäre es, gäbe es nur diesen äußeren Anlass, dieses Hörbuch des RBB aus dem Jahre 2005 zu senden. Leider ist es aber auch heute wieder äußerst aktuell.“ Über die Aktualität fand ich nichts im Programmheft und dachte zum ersten Mal verstehend: „So geht das!“
Jetzt hören wir die Lesezeit ab 9.05 und ab 19.05.; denn ich will wissen, warum, wie und für wen Vonnegut sein Antikriegsbuch schrieb. Der Stil ist schrill, vulgär, auch grausam wie das Soldatenleben, wie Menschenschicksale zu Kriegszeiten. Vonnegut reißt alle beschönigenden Vorhänge vom Fratzengesicht aller Kriege, benennt Kriegsursachen und –folgen, appelliert an der Menschen Vernunft, beunruhigt ihr Gefühl. Hat er Gedanken sowie Empfindungen der Leser aufgerüttelt, schreibt er lakonisch: „So geht das!“ in der Hoffnung, Leser bzw. Hörer hätten Kriegstreiber und ihre Verbrechen durchschaut wie er. Jan Josef Liefers liest das Antikriegswerk meisterhaft. Mir hat sich das „So geht das“ wie ein Ohrwurm eingeprägt. Oft bohrt er schmerzhaft, zerfrisst mein Wohlbefinden.
Mehrmals dachte ich am 1. 11: „So geht das!“ Der Rat der Stadt hatte im „Stadtboten“ zum Gespräch über Sinn und Möglichkeiten der Gründung eines SCHWIMMBAD-VEREINES eingeladen. Lang lag das zurück. Keine Erinnerung am Schwarzen Brett. Keine persönliche Einladung. Wir Schwimmer erinnerten uns gegenseitig. Das war alles. Die Zahl der Anwesenden war begrenzt, keinesfalls der Bedeutung des Themas angemessen. „So geht das!“
Der Versammlungsleiter bewies mit Zahlen, dass das Schwimmbad der Kommune zu teuer komme, dass in der Region zu viele Bäder seien, dass das Schwimmbad ohne Gründung eines Vereines von oben nicht genehmigt werden würde, da Wiehe mit seiner geringen Einwohnerzahl ein Schwimmbad nicht zustehe. Auf einer Liste trugen sich Anwesende ein, die an einem Verein interessiert sind. Ist das Nötigung, wenn es heißt: „ Nur mit der Gründung eines Vereines kann das Schwimmbad überleben.“?
Anwesende ohne Ahnung vom Vereinsrecht schlugen vor, den Sportverein um die Sparte SCHWIMMBAD zu erweitern. Sie beabsichtigten bürokratischen Aufwand zu sparen und ernteten den Protest des überlasteten Vorstandes des Sportvereins ROT/ WEIß. Bei der Vielzahl der Vereine im Ort frage ich mich, woher man vier Mitglieder für den Vorstand des SCHWIMMBAD-VEREINS nehmen soll. „Wie geht das?“
Ein modernes Schwimmbad hat viel mit Chemie zu tun. Ein neues Berufsbild wurde entwickelt. Einen Schwimmmeister, zumindest einen Rettungsschwimmer, brauchen wir auch. Aber die Kommune hat kein Geld, um diesen für die Saison ordentlich zu bezahlen. Ein Harz IV-Empfänger bekäme den Verdienst gleich wieder abgezogen, auch den für die große Verantwortung zu geringen. „So geht das!“
Wir vertagten uns auf Dezember. Alle hoffen auf den Bestand des Bades, das in den 50iger Jahren im Aufbauwerk geschaffen wurde. „Es muss gehen!“
Am Freitag erfuhr ich, dass am 1. 11. ein 27-Jähriger beim Fußballtraining verstarb. Solche Warnsignale dürfen nicht überhört werden. Schwimmbäder sind für die Gesunderhaltung der Bevölkerung wichtig, sind für alle ein Jungbrunnen.
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9 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 10.11.2012 | 13:10  
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Manfred Hartmann aus Nordhausen | 10.11.2012 | 16:45  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 11.11.2012 | 00:26  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.11.2012 | 18:08  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 12.11.2012 | 22:11  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 12.11.2012 | 22:21  
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Hannelore Grünler aus Artern | 13.11.2012 | 05:36  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 13.11.2012 | 16:12  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 13.11.2012 | 18:46  
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