Veränderte Lebensbedingungen für Schwalben

Schwalbennest an der Scheune
Frau Schwalbe
„Frau Schwalbe ist `ne Schwätzerin.
Sie schwatzt den ganzen Tag.
Sie plaudert mit der Nachbarin
so viel sie plaudern mag.“
sang ich mit Schülern. Das Lied gefällt mir heute noch, weil es einen lautmalenden Kehrreim hat. (Das zwitschert, das zwatschert den lieben langen Tag.) Aber das Leben eines Schwalbenpaares sieht anders aus. Das kann ich z. Z. an einem Mehlschwalbenpärchen beobachten.
Vor Jahren wurde unsere Durchgangsstraße erneuert. Gleichzeitig verschwanden die Oberleitungsdrähte und damit die traditionellen Versammlungsorte der Schwalben. Schlagartig sank die Zahl der Vögel, die ja bekanntlich Glück bringen sollen. Nach Malerarbeiten am Haus dulden manche Hausbesitzer keinen Schwalbennestbau. Fortschritt, Zivilisation, Nachteile für Vögel! Es sah so aus, als hätte man diese Sommervögel vergrault. Aber sie passten sich an. Waren bisher Südseiten der Wohnhäuser und Scheunen bevorzugte Brutplätze gewesen, so nehmen sie jetzt auch mit anderen vorlieb. So baute in unserem Hof ein Schwalbenpaar sein halbkugeliges Nest an der Ostseite der Scheune.
Ich begriff: Schwalben sind fleißige Vögel: Als es heiß und lange Zeit trocken blieb, nahmen wir an, dass das halbfertige Nest aufgegeben worden sei. Aber nachdem es geregnet hatte, war es gleichsam über Nacht vollendet. Die Schwälbchen hatten wieder schlammige Pfützen mit Baumaterial gefunden. Die Brutzeit begann. Jetzt beobachten wir seit Wochen, wie eifrig die Jungen gefüttert werden.
Einfach ist die Beobachtung nicht; denn Schwalben sind scheue Vögel. Anfangs genügte unsere Anwesenheit im Hof, um sie vom Nest fern zu halten. Später verscheuchten sie nur noch unsere neugierigen Blicke. Aber Wochen der Beerenernte brachten es mit sich, dass wir Abend für Abend fleißig zupfend und verstohlen guckend im Hof saßen und die Schwalben sich nicht mehr von ihren Pflichten abhalten ließen. Frau Schwalbe und Herr Schwälberich bieten uns interessante Abendprogramme.
Das Nachbargrundstück überfliegend, landen die etwa 13 cm großen Vögel mit der blauschwarzen Oberseite und dem weißen Bauch am Nest, klammern sich mit ihren kleinen Füßchen dort fest und übergeben die im Flug gefangenen Insekten ihren hungrigen Jungen. Mit einem eleganten Bogen überfliegen sie uns und sind nach kurzer Zeit mit der nächsten Futterfuhre zurück. Ab und zu verschwinden sie durch die Einschlupföffnung am oberen Nestrand im Nest, werfen Kot heraus, und schon schwirren sie wieder ab. Für ihren leise zwitschernden Gesang und die schnirpsenden Rufe „schrrip“ bleibt während der Aufzucht der Brut wenig Zeit. Aber wenn Familie Mehlschwalbe ihren abendlichen Besuch von der lieben Verwandtschaft erhält, dann segeln ungezählte geschickte Flieger hoch über uns, singen zwitschernd und rufen auffordern: „Schwirrt mit!“---
Und über uns proben nun auch die jungen Schwälbchen für die große Reise.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige