AMD-Patientin fühlt mit Blinden

lang entbehrtes Autofahren
Blinde Autofahrerin
Alltags lenkt kein Blinder ein Auto. Aber an diesem wunderbaren Tag fuhren Autos von Blinden gesteuert die Alphaltstraße des Flugplatzes Arnstadt-Alkersleben entlang. Ermöglicht hatten den ungewöhnlichen Aktionstag die Fahrschule Wöbber aus Ilmenau und der Blinden- und Sehbehindertenverband zur Freude blinder Autofahrer. Sie wollten das Selbstvertrauen der Sehbehinderten stärken, aber vor allem Sehenden Augen, Verstand und Herz für ihre blinden Mitmenschen öffnen. Durch den Bericht von Britta Hinkel in der TA vom 21. 6. weiß ich, es ist gelungen.
Auch ich, die AMD-Patientin, die sich notgedrungen Wissen über Sehen, Sehbehinderung, Makula-Degeneration und andere Augenleiden erwerben musste, erfuhr Neues, lernte die vom Schicksal Geschlagenen besser zu verstehen, kann seit der Lektüre besser mit ihnen fühlen. Aber ich bin seitdem auch verbittert, erzürnt und neu motiviert zur Belehrung Sehender. Schöne Bilder sind wunderbar. Was ich zu sagen habe, lässt sich nicht in Bilder fassen. Lest!
Wir haben fünf Sinne. Fällt einer aus, übernehmen die übrigen seine Funktion. Blinde sehen mit den Ohren, mit der Nase, sehen mit den Tastnerven der Haut und den Geschmacksnerven des Gaumens. Unsere fünf Sinne können gleichsam switchen, switch on – ein- und ausschalten, switch over to – wechseln zu, switch board – Schalttafel. Wo die Sinnen- Schaltzentrale liegt, weiß ich nicht. Aber meine tüchtige Augenärztin verschaffte mir durch frühzeitige Diagnose der heimtückischen AMD Zeit zum Trainieren meiner Sinne.
Die durch Autounfall plötzlich erblindete Frau jedoch stürzte von einer Sekunde zur anderen in ein finsteres, tiefes Loch. Sie brauchte psychologische Hilfe, musste lernen, sich neu in der Welt zu orientieren. Nicht nur wegen des Spaßes an der Freude wurde dieser Autofahr-Aktionstag für Blinde organisiert, sondern zu ihrer seelischen Stabilisierung und unserer Belehrung. Ich hoffe, niemand hat daran verdient.
Aber welch Armutszeugnis ist es für die MENSCHLICHE GESELLSCHAFT, wenn Blinde lieber unerkannt bleiben wollen, deshalb Blindenbinde, Blindenstock nicht nutzen, also auf höfliche Hilfe verzichten, nur um nicht angepöbelt, verlacht, ausgeraubt zu werden. Nicht weil die Augenärzte Blinde geheilt haben, sehen wir so wenig Erblindete im Straßenbild. Nein, die Ärmsten verbergen ihre Behinderung, die als die ärgste gilt, vor den Ganoven und Dummköpfen.
Ja, ich weiß: Auch Diebe, Dummköpfe und Herz- wie Hirnlose sind gesellschaftsbedingt. Bitter!
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
7 Kommentare
6.472
Mariett Demirelli aus Erfurt | 23.06.2011 | 21:39  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 23.06.2011 | 22:10  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 24.06.2011 | 06:36  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 25.06.2011 | 17:24  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 26.06.2011 | 12:32  
12.760
Renate Jung aus Erfurt | 27.06.2011 | 18:06  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 27.06.2011 | 20:07  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige