AMD-Patientin ohne Brille?

Unglaubwürdig
Seit Jahren erzähle, schreibe ich über mein Augenleiden. Nein, nicht aus Wehleidigkeit, sondern weil ich verstanden werden will, wenn ich dereinst wegen Blindheit Hilfe brauche. So wird es Sehbehinderten von Augenheilkundlern geraten. Dieser egoistische Grund ist nicht der einzige für meine Bemühungen. Groß war die Bestürzung, als ich begriff: „Wie du die Makula-Degeneration geerbt hast, so kannst du sie euren Kindern, Enkeln vererbt haben.“ Die Hoffnung für mich und meine Lieben heißt Vorbeugung; denn wir sind dem Schicksal, der Vererbung nicht hoffnungslos ausgeliefert. Wir können tätig werden: vorbeugen, vorsorgen, vorbauen mit gesunder Lebensweise in Bezug auf Bewegung, Nahrung und spezielle Hilfen für unser Augenlicht. Das tue ich nach Kräften.
Aber immer wieder muss ich erfahren, dass ich für andere unglaubwürdig bin. Hier bewahrheitet sich das Sprichwort „Fühlen lehrt glauben.“ Aber dem will ich doch vorbeugen, dass andere erst durch Schaden klug werden müssen. Denn Schaden kann in diesem Fall AMD heißen, letztendlich Blindheit. Dann ist es zu spät gegen das Dunkel zu kämpfen.
Ungläubigkeit begegnet mir bei Verwandten, Freunden, Bekannten, Fremden, weil die Augenkrankheit AMD so viele Gesichter hat, heimtückisch über Jahrzehnte dahergeschlichen kommt und die Sehfähigkeit ständig wechselt, ständig das Gesamtbefinden beeinflusst. Alles hängt mit den Augen und ihrer Gesundheit zusammen. Dieser Zusammenhang ist nicht immer leicht zu durchschauen.
Ich tanze beim Sport Tänzchen nicht mit, seit ich nur mit einem Auge sehen kann. Mir wird schwindlig. Aber ich kann allein heimgehen, solange mein Auge nicht überanstrengt ist.
Ich kann, soll sogar lesen und schreiben, damit mein Augenlicht trainiert wird, ich geistig fit bleibe. Da Lesen mein Hobby war, Schreiben mein Hobby wurde, schafft mir beides Ausgleich, Bestätigung, Zufriedenheit. Im PC, in der Zeitung aber sehen die Leser kleine Schrift und fragen: „Wie geht das?“ Keiner sieht, wie groß ich tatsächlich die Texte eingebe. Keiner kann nachfühlen, wie anstrengend es für mich war.
Meine Sonnenbrille trage ich zum Schutz vor UV-Strahlen bei Sonnenschein immer. Meine Brille setze ich auf, wenn ich sie wirklich brauche, da ich mit ihr schneller Kopfschmerzen bekomme. So schaute ich neulich mit meinen Freundinnen von der Terrasse des Hotels weit ins Tal. Beide sind Brillenträger. Da ritt mich der Teufel, musste ich angeben: „Ich kann mit meinem einen Auge genauso weit sehen wir ihr, auch ohne Brille. Aber….“ Das ärgerliche „Da sei doch froh!“ meiner Freundin habe ich noch in den Ohren. „Aber weil mein anderes Auge zwar gut sieht, doch auch nicht gesund ist, überanstrenge ich es schnell. Das muss ich büßen“, ergänzte ich die Äußerung, die erklären sollte, warum ich nicht mit zum Klassentreffen nach Weimar führe. War ich glaubwürdig?! Meine Freundinnen wussten, dass wir am gleichen Abend nach Weimar ins Konzert fahren würden.
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7 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 16.06.2012 | 10:42  
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Hannelore Grünler aus Artern | 16.06.2012 | 13:00  
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Karin Jordanland aus Artern | 16.06.2012 | 13:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 16.06.2012 | 13:28  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.06.2012 | 13:32  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 06.07.2012 | 21:57  
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Hannelore Grünler aus Artern | 06.07.2012 | 22:15  
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