Besuch aus Berlin

Drei Männer im Haus
Süße Früchtchen
Seit Wochen lag ein Notizzettel neben meinem Laptop: „Vom 24.-26. 6. Frank bei uns.!“ Dann stellte sich heraus, dass der Enkel mitkäme; denn er hatte die 10. Klasse abgeschlossen, die Prüfung hinter sich und Ferien. Da war die Vorfreude, die schönste Freude, natürlich doppelt groß und lang. Der Besuch der beiden allerdings begann mit einem Riesenärger auf allen Seiten.
Am Samstagvormittag hatte Manfried Himbeeren gepflückt. Sie wurden sofort verlesen, gewaschen, eingezuckert und in den Kühlschrank gestellt, servierfertig in zwei Kompottschüsseln. Dort stand auch eine Schüssel mit den letzten Erdbeeren für die beiden bereit, die wir kurz vor 13 Uhr in Reinsdorf vom Zug abholten. Stolz, nichts sehend oder auch nur ahnend, stellte ich den Willkommensgruß vor unsere beiden Lieben und musste zu meinem großen Entsetzen hören: „Mutti, die haben schon etliche Schimmelstellen.“ Es folgte ein Mienenwechsel auf vier Gesichtern.
Am Vorabend hatte ich dem Enkel am Telefon die Leckerei aus unserem Garten versprochen. Er blieb stumm mit enttäuschter Miene. Auch ich brachte zuerst kein Wort heraus, griff ungläubig zur Brille, um das Unmögliche zu sehen und dachte erbittert: „ Zum Donnerwetter! Ich bat doch, die reifen Früchte sorgfältig zu kontrollieren. Hätte ich sie lieber selbst zubereitet!“ Im Stillen musste ich aber gestehen, dass dies wegen meiner schwachen Augen nicht geschehen war und wohl kaum etwas geändert hätte. So versuchte ich, die Mühe, Sorgfalt und den guten Willen meines Obergärtners bei der Zubereitung der todreifen Früchte zu schildern. Der aber schaute erbittert schweigend.
Um die Stimmung zu retten, setzte sich Sohn im Hof in den hellen Sonnenschein und sortierte: die schimmligen Früchte in ein Abfalleimerchen, die noch guten in neue Schüsseln, die nur halb voll wurden. Der Enkel gesellte sich zu ihm und versuchte zu scherzen: „ Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen! Nein, umgekehrt!“ Vergebens! Ich dachte: „Ach, seid ihr lieb und rücksichtsvoll. Am liebsten würdet ihr doch kurzer Hand alles wegwerfen!“
Die Gesichter glätteten sich erst beim Verzehr der Stachelbeertorte und der Kuchenkostproben vom gestrigen Gartenfest. „Aber bitte mit Sahne!“
Am Montagabend wunderten wir uns über unseren Achtzigjährigen, der bestimmt müde war, aber trotzdem die erste Fuhre Efeuverschnitt lud und in den Garten fuhr. Zurückkam der Gute kurz vor einem heftigen Regenguss mit einer Schale Himbeeren, die ich nur für unsere Gäste zubereiten sollte.
Und am Dienstag spazierten wir vor der Heimreise gemeinsam in den Garten zum „Himbeer- und Erdbeeressen direkt vom Strauch“.
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7 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 28.06.2012 | 21:46  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 28.06.2012 | 21:46  
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Steffi Knesebeck aus Sömmerda | 29.06.2012 | 18:34  
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Renate Jung aus Erfurt | 02.07.2012 | 17:49  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 04.07.2012 | 16:51  
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Renate Jung aus Erfurt | 04.07.2012 | 16:57  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 17.07.2012 | 21:45  
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