Buchstaben des Gesetzes

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Papier ist geduldig
Vor, während und nach der „Woche des Sehens“ las ich viel über Bestimmungen für blinde und sehbehinderte Mitmenschen. Das machte mich traurig, wütend, unzufrieden, bescherte mir trotz strahlenden Sonnenscheines Niedergeschlagenheit, depressive Stimmungen und deutlich erhöhten Blutdruck; denn ich begriff, dass vieles nur auf dem Papier steht, manche Gesetze nicht so viel wert sind wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Deshalb müssen die von Blindheit und Sehbehinderung betroffenen Mitbürger um ihre Rechte kämpfen, z. B. um ihre Gleichberechtigung vor dem Gesetz oder um ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Ich als AMD-Patient mit 80 % Sehkraft auf dem besseren Auge gehöre nicht zu dem vom Gesetz bedachten Kreis. Als blind gilt ein Mensch in Deutschland, der auf seinem besser sehenden Auge 2 % oder weniger sieht. Als sehbehindert gelten Menschen mit 5 % Sehkraft und weniger auf dem besser sehenden Auge. Ich kann mich in die betroffenen Menschen einfühlen. Berichte von Gerichtsbeschlüssen wegen Ablehnung von Zahlung der Krankenkassen für Therapien, Hilfsmitteln u. Ä. ließen mich an der Gerechtigkeit in unserem Staat zweifeln. Wie konnte ich so naiv sein und dem papiernen Geschwätz von Gleichheit vor dem Gesetz und Recht auf Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben glauben! Das gilt nicht für alle sozialen Schichten und erst recht nicht für Seh-Behinderte.
Seit dem Beitrag von Peter Och (60) in der TA weiß ich, dass das Landesblindengeld (Behindertenteilhabegeld) in Thüringen nur 270 Euro beträgt, der Blinden- und Sehbehindertenverband, dessen stellvertretender Vorsitzender der blinde Herr Och ist, aber bis zur einheitlichen Angleichung mindestens 430 Euro fordert. An eine absehbare Mehrheitsfähigkeit eines solchen Gesetzes kann Herr Och aber nicht glauben. Ich weiß, dass der Verband selbst um diese 270 Euro lange kämpfen musste.
Als Blinder oder Sehbehinderter siedelt man aus Thüringen am besten nach Bayern um; denn dort werden 500 Euro Blindengeld gezahlt. Sicher nicht nur, weil Bayern ein reiches deutsches Land ist.
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3 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 25.10.2012 | 17:47  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 25.10.2012 | 18:19  
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Petra Seidel aus Weimar | 27.10.2012 | 09:39  
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