Freude und Ärger

Das Einpacken kann beginnen.
Weihnachten im Schuhkarton
Wieder war Montag, wieder anstrengender Wochenbeginn, der 14. 11. 2011. Manfried musste zum Fädenziehen, war aufgeregt. Bangte er vor dem Ziehen oder vor dem Befund? Ich hatte mir mit Erfolg suggeriert: „Harmlos! O B!“ Noch lag dichter Nebel überm Land. Um nicht abends über doppelt verhangene Landstraßen fahren zu müssen, wollten wir um 14 Uhr nach Artern aufbrechen. Das hieß: kein Mittagschlaf, keine EnglischÜbung mit dem Zopfmädchen, keine Sportstunde. Wann sollte ich „Weihnachten im Schuhkarton“ zusammenpacken? Alles lag bereit. Morgen war der letzte Abgabetermin. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“
Nach dem Frühstück machte ich mich an die Arbeit. Aussortieren: Weg mit dem Karton aus der Drogerie trotz richtiger Größe. Wellpappe? Nein! Weg mit dem Stiefelkarton von REIFEISEN! Zu groß! Im Internet stand: „Behalten wir uns vor, Stiefelkartons umzupacken.“ Weg mit den Plätzchen! Nicht erlaubt! Zu viel für den Damenschuhkarton, den ich geleert hatte. Karton mit Weihnachtspapier auslegen, füllen (Süßigkeiten original verpackt, Filzstifte ebenso, Bleistifte, Schreib- und Zeichenpapier, Notizzettel in Verpackung, Bleistiftspitzer, gebraucht, besser so als keinen, zwei Paar Mädchenkniestrümpfe, ein Paar dicke, gehäkelte Hüttenschuhe, ganz neu, nicht vergessen die Spiele, ein Kalender für 2012) Das traditionelle Legespiel TANGRAM aus China passte nicht mehr hinein. Im Stiefelkarton wäre Platz gewesen! Obenauf die Weihnachtskarte! Deckel zu, zwei Einweckgummi drum!
Beim Einschlagen in Weihnachtspapier ließ ich mir helfen. Zu stark hatten neulich die Hände gezittert. Breites rotes Schleifenband gab dem „Weihnachten im Schuhkarton“ einen freundlichen Anblick. In der Apotheke bekam ich später zu hören: „Das muss alles ab! Warum haben Sie es nicht nach Vorschrift gemacht?“ Sofort kochte Ärger hoch. Ich weiß nicht mehr, was ich entgegnete. Ich weiß noch, wie mein Blutdruck in die Höhe schnellte, wie freundlich die Dame sagte: „Wir packen es für Sie um. Regen Sie sich doch bitte nicht auf!“
Aber ich regte mich auf, hatte mich schon am Abend beim Lesen der Vorschriften im Internet aufgeregt und mit meinem Mann diskutiert. Wir hatten keine getragenen Kindersachen, kein gebrauchtes Spielzeug. Ich hatte nicht selbst gebacken. So war der Ärger nicht allzu groß. Aber die Anweisungen hatten mich verdrossen. Ich hatte ein unbekanntes Kind erfreuen wollen und sollte Unbekannten gehorchen, als wäre ich nicht feinfühlig, denkfähig und vorsichtig genug. Mein Kopf hatte die Vorschriften als notwendig anerkannt. Mein Gefühl hatte sich empört.
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8 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 25.11.2011 | 00:10  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 25.11.2011 | 00:57  
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Karin Jordanland aus Artern | 25.11.2011 | 15:39  
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Petra Seidel aus Weimar | 26.11.2011 | 13:23  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.11.2011 | 18:09  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 26.11.2011 | 22:51  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 26.11.2011 | 23:47  
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Petra Seidel aus Weimar | 27.11.2011 | 15:54  
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