Kreativität mit Altpapier

Ururgroßeltern, Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, Kinder
Geschicklichkeitstraining für Augen und Hände
Seit mir bewusst ist, dass mir farbige Bilder vor allem anderen verschwinden werden, bin ich farben- und bildsüchtig. Ich blättere Werbungen durch, betrachte sie unter dem Gesichtspunkt, was für Bildcollagen geeignet ist. Ich schneide oder reiße aus, wiege die Stapel auf der Küchenwaage. Erst dann wandert das Altpapier in die Stiege für den Kindergarten. Beim Ausschneiden und Ausreißen denke ich nicht nur an die benötigten Bilder fürs Mitmachportal des AA, sondern ich betrachte meine Tätigkeit als Geschicklichkeitstraining für Augen und Hände, müssen diese doch geübt werden. Schmerzen an allen möglichen Gelenken, Sehnen, Bändern und Muskeln gemahnen mich: „Hannelore du musst sensibel, hand- und fingerfertig, beweglich und geschickt bleiben!“
Was ich ausschneide: Menschen verschiedenen Alters mit sprechenden Mienen, deutlichen Bewegungen, farbige Gegenstände, Einzelbuchstaben, treffend formulierte Überschriften. Nicht immer ist beim Sammeln der Verwendungszweck schon klar, aber meistens. So kam mir beim Schreiben des Tagebuches in den Sinn, für die Bürgerreporter/Innen ein Bilderrätsel zu gestalten, nämlich genau in dem Augenblick, als ich Ururoma, Ururopa und Oma Klara als Ururoma in den Computer tippte.
Beim Abfotografieren stellte sich heraus, dass ein O nicht deutlich hervortrat. Ich benötigte ein besseres, hielt das für unkompliziert, da man eine entsprechend große Null als O verwenden könne und Nullen in der Werbung auf jeden Fall vorhanden seien. Falsch gedacht! Billige Artikel unter einem Euro weisen vor dem Komma einen Strich auf. Preise teurer Produkte passten entweder nicht in der Größe oder Farbe, aber vor allen Dingen gab es da keine Nullen. Oder hat man schon erlebt, dass ein Preis genau 10 Euro beträgt. Nein! Auch Produkte für 100, 1000 oder 10 000 Euro gibt es nicht. Alles ist billiger, kostet nur 9,99, 99,99, 999,99 Euro. Da ich bei den Preisziffern nicht fündig wurde, musste ich bei den Großbuchstaben suchen. Ach, war das langwierig! Zum Glück hatte ich an diesem Wochenende einen dicken Stapel von 680 Gramm unnützen Altpapieres zur Auswahl für ein O zur Verfügung. Dieses fand ich in der untersten Werbung in NORMA. Meine Bildcollage konnte als Bilderrätsel im Mitmachportal erscheinen.
Wider Erwarten war die Resonanz gering. Mein Beitrag wurde zwar gelesen, aber nur wenige pfiffige BürgerreporterInnen wagten sich ans Raten. Ich zerbrach mir meinen ergrauten Kopf. Die Anzahl der Ururgroßeltern ist in Deutschland wirklich äußerst gering. Aber man musste doch von Ururomas oder Ururopas gehört haben. Meines Mannes Ansicht, „Sie kommen nicht auf die Lösung, weil es diese Verwandtschaftsbezeichnung praktisch nicht mehr gibt“, bestätigte sich soeben. Diese Verwandtschaftsbezeichnung gibt es auch theoretisch nicht. Rot markierte mir das Rechtschreibprogramm meines Laptops die im Bilderrätsel erfragten Lösungen als falsch oder unbekannt. Wie kann ich etwas erraten lassen wollen, was es praktisch und theoretisch nicht mehr gibt!!!
Auf solch Bilderrätsel kann nur eine werdende Uroma verfallen, die sich wünscht, so alt zu werden, dass sie auch noch Ururenkel zu sehen bekommt! Und das als AMD-Patientin im kinderarmen Deutschland des 21. Jahrhunderts!
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5 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 09.05.2012 | 21:23  
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Hannelore Grünler aus Artern | 09.05.2012 | 21:57  
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Petra Seidel aus Weimar | 10.05.2012 | 23:34  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 12.05.2012 | 20:50  
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Petra Seidel aus Weimar | 13.05.2012 | 09:24  
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