Landung im Ahorn

Tulpen im Topfgarten
Verirrter Federball
Gerade wollte ich die Treppe zum Schuppen erklimmen, um Wäsche aufzuhängen, als die Melodie der Hausklingel an meine Ohren drang. „Welch Glück, dass ich noch unten stehe!“ dachte ich und rief dem Störenfried zu: „Es ist offen.“ Schüchtern und verlegen traten zwei Mädelchen in den Hof. Erst als sie näherkamen, erkannte ich die Enkelinnen der Nachbarin. Ihr Begehren ahnte ich, war doch ihr Lachen herüber geschallt.
„Können Sie uns unseren Federball wiedergeben? Der ist aus Versehen nach der falschen Seite geflogen“, waren die Worte des größeren Mädchens, während das kleinere sich umschaute und vom Spiel mit der Schwester erzählte. Dabei blieben ihre Augen am Tulpentopf auf unserer Haustreppe hängen. Fasziniert betrachtete sie die sechs weit aufgeblühten Tulpen, die wie Flammen rot mit gelben Fransenrändern in den hellen Sonnentag leuchteten. Die Augen der Schwester schweiften suchend durch unseren Hof, aber nach der falschen Seite.
Ich aber hatte den Federball schon in den Zweigen des Ahorns entdeckt. Erfahrung mit fliegenden, sich verirrenden Bällen hatten mich hellsichtig sein lassen und schnell. Bald klang wieder fröhliches Lachen vom Nachbarhof, während ich mir die Schmerzen verbiss und Wäsche aufhängte. Das ging bedeutend langsamer, aber nicht nur wegen meiner kranken Augen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige