Mutterseelenallein

Wer mag mich?
Armer schwarzer Kater
Katzenmama nahm das Katzenbaby am Mittwoch nicht mit. Ein sichererer Ort als unser Grundstück schien ihr nicht bekannt. Hier versorgte sie es regelmäßig. Als ich am Donnerstag das Tor für unser Auto sperrangelweit öffnete, den Hausherrn hinausließ, trippelte Katerchen hinterdrein. Es wollte wohl seiner Mama folgen, die immer hinter dem großen Tor verschwunden war. Sollte es ruhig! Ich sperrte zu, nachdem ich den Verlassenen ins dichte Grün des Vorgartens gesetzt hatte. Im Hof pflanzte ich und horchte auf den Autolärm, der bald von einem jämmerlichen Miauen durchdrungen wurde. Dann war ein Gespräch zu hören. Dem Klingeln der mitleidigen Passanten kam ich zuvor, holte unser Pflegekaterchen wieder herein. Vor Einsamkeit greinte es wie ein kleines Kind, folgte mir auf den Fersen. Ich musste aufpassen, dass ich das Tierlein nicht aus Versehen trat. Bald sah ich überall schwarze Kätzchen vorüberhuschen. Am Freitagmittag war ich überzeugt davon, dass armer schwarzer Kater verlassen worden war und verhungern würde, wenn ich mich nicht seiner erbarmte. Seitdem wird er gefüttert, ist noch anhänglicher und wird immer lebhafter. Er spielt mit herabhängenden Pflanzenwedeln, fliegenden und kriechenden Insekten, Regentropfen, wetzt seine Krallen an der Holztreppe, versucht mir ins Haus zu folgen. Auch die Treppe zum Schuppen, seiner Geburtsstätte, will er ersteigen. Anfangs war ein alter struppiger Besen sein Lieblingsliegeplatz, sozusagen ein Besen als Mutterersatz. „Ach, armer schwarzer Kater, ich glaube nicht, dass deine Mama dich aus freien Stücken im Stich ließ. Ich vermute, der Katzenbesitzer ist an deiner Verlassenheit schuld. So kann menschliche Tierliebe sein.“ Seit heute liegt der kleine schwarze Kater Stanislaus auf den weichen Fransen zweier Moppe, die aus der Mode gekommen sind.
Als Kind wünschte ich mir sehnlichst ein Kätzchen. Mutti hatte nicht genug Milch für uns Kinder, mein Schwesterchen einen Schatten auf der Lunge. Heute will ich aus Tierliebe keine Hauskatze und sei sie noch so niedlich. Was wird aus dir, armer schwarzer Kater?
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4 Kommentare
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 17.06.2011 | 21:34  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 19.06.2011 | 21:25  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.06.2011 | 21:36  
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Antje Hellmann aus Jena | 23.06.2011 | 10:38  
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